St. Martin unter Schock
Von
tastifix
Samstag 01.11.2025, 13:29
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tastifix
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Den ersten Schrecken erlitt er, als sein Fest, an dem er sehr hing, plötzlich Lichterfest genannt wurde. Es klang so gar nicht mehr vertraut. Allein, dass die Kinder sich nach wie vor genauso freuten, wenn er auf dem hübschen Pferd die Runde ritt und dem Bettler die Mantelhälfte schenkte, vermochte die Trauer abzumildern.
Dann jedoch geschah etwas völlig Unerwartetes. Wieder nahte sein Lichterfest/St.Martin Tag, wieder bestieg er seinen vierbeinigen Freund Kalli und begab sich zum Ort des Geschehens, einer großen Spielwiese direkt vor der Grundschule. Banderolen grenzten ringsum die "Bühne" ab, damit nicht Kinder, weil sie ihn streicheln wollten, ungestüm zu dem Vierbeiner renneen sollten Dass der bei dem lauten Trubel etwa ausbrechen würde, war wirklich nicht zu erwarten. Kalli ertrug es mit endloser Geduld. Womöglich gefiel ihm dies zur Abwechslung sogar ganz gut.
Die Erwachsenen stimmten das St. Matinslied an, die Kinder sangen begeistert mit. Erstens gebiel ihnen das Lied und zweitens waren sie stolz, nicht nur die Melodie, sondern auch den Text zu beherrschen. Das Pferd erinnerte sich anscheinend, vom Reiter dabei sanft unterstützt, des gewünschten Ablaufes des Ganzen und lief fast wie von selber auf den Bettler zu. Der hockte im Sandschnee unseres Stadtteils, klapperte an passenderLiedstelle pflichteifrig mit den Zähnen und hoffte wahrscheinlich, den Auftritt bald hinter sich zu haben. Na ja, die Mantelhälfte wärmte gut, aber insgeheim hatte er sich wohl noch eine zusätzliche anders geartete Gabe erhofft.Und - was wäre dies gewesen? Tja, Bettler heutzutage geben sich nicht mehr immer mit einer Mantelhälfte zufrieden. Unserer auch nicht!
„Hi, St,Martin, haste nicht auch noch wenigstens ´nen Handy für mich dabei?“
Hm, mit einnem Läppi hatte er ja nicht gerechnet, aber mit solch einem Uralt-Tippkästchen aus ´nem Handyshop dagegen schon.
St, Martin war in diesem Moment froh, dass er auf einem ziemlich kippsicheren Sattel saß.
„Das meinst Du doch wohl nicht im Ernst, oder?“, zischelte er, während er sich verzweifelt bemühte, die liebevolle Miene beizubehalten.
„Ich d..dachte ja nur ...“, stotterte der.
Der daraufhin zornige Blick St.Martins ließ ihn verstummen und sich gleichfalls abmühen, das zu seiner Rolle passdende dankbare Lächeln ja nicht zu vergessen. St.Martin war wütend, sehr wütend undn der Bettler durfte sich glücklich schätzen, nicht wegen der mehr als kecken Bemerkung die Mantelhälfte sofort wieder abgeben zu müssen. Tja, klar spendierte St. Martin kein Handy, hatte er allerdings auch nie vorgehabt, doch durfte sich der Bettler echt über die Mantelhälfte freuen, denn die war mit feinster Schurwolle gefüttert.
Dies erleichterte es ihm dann beträchtlich, St. Martin trotz der Mißstimmung zwischen ihnen sogar noch einen Deut dankbarer anzulächeln. als es das Lied just in jenem Moment forderte. Dies und die strahlenden Kindergesichter ringsum, die wegen des nun ih Kürze zu erwartenden Weckmannes besonders strahlten, besänftigten heiligen Mann denn doch, sehr, zumal er sich bereits fast wieder auf dem Ritt zurück zum Reitstall und von dort aus mit seinem Luxusauto auf der Heimfahrt sah. Er freute sich nämlich immens auf seine gemütliche, vorweihnachtlich geschmückte Wohnung. Nöoß raus aus der Kälte!
Im Reitstall verwöhnte er den Vierbeiner mit einem etra wohlschmeckenden Leckerbissen, streichelte ihn nochmals lobend und wandte sich zum Gehen. Als er sich dummerweise nochmals dem Pferd zudrehte, stand dieses regungslos in der Box und starrte, wie es schien, konzentriert die Wand an. Plötzlich hob es den einen Vorderhuf, drückte einen Schalter und über dem Monitor einer Überwachungskamera, die an jener Wand hing, flimmerte prompt der Film „Fury“.
Es gab St.Martin den Rest.
“Das hab ich nun von dem Zirkus vorhin!! Ich steh ja total neben mir!“
Auf wackelnden Beinen schleppte er er sich zum Auto.ließ sich ermattet auf dem Fahrersitz fallen und drehte mit zitternden Fingern den Schlüssel um. Kurz verharrte er noch, fasste sich wieder und atmete dann auch wieder etwas ruhiger. Erleichtert und zufrieden überdachte er, als er den Wagen startete, dass ja doch alles reibungslos geklappt hatte und vor allem, wie sehr sich die Kinder gefreut hatten.
´Na ja, ob einige Erwachsene vielleicht doch mitbekommen haben, was wirklich los war?`
Er hatte nämlich, als er nach Ende des ST. Martin-Spieles schon fast an der Grundschule vorbei geritten war, noch gehört, dass ein paar Kinder ganz aufgekratzt zu ihren Eltern sagten:
„Mama, Papa, der St.Martin ist so lieb gewesen ... Und wie der Bettler den so dankbar angeguckt hat ... "
ST. Martin war nämlich aufgefallen, dass sich ein paar Erwachsene dazu lieber ausschwiegen!