SCHULZEIT 1953
Von
egalis
Montag 17.08.2020, 14:34
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egalis
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Lehrer und Lehrerinnen, die einen Schüler, eine Schülerin nicht leiden mögen, machen diesen das Lernen zur Qual und verleiden ihnen obendrein die Schule.
Von Hannover nach Essen umgezogen, erwartete mich ein anderes Lehrsystem: Neue Bücher, Jungs und Mädchen in einer Klasse und deren Ablehnung.
Meine hannoversche Aus-s-sprache wurde zum Anlass genommen, mich damit aufzuziehen und zu hänseln. Dass ich als Neue in der Klasse gleich den besten Aufsatz schrieb und gut im Malen und Zeichnen war, störte ebenfalls.
Wir mussten als Hausaufgabe einen Dampfer malen. Meine körperlich gelähmte, geistig aber fitte Großtante wies mich darauf hin, dass ich die Aufbauten zu hoch angesetzt hätte. So radierte ich und machte sie neu. Da ich beim Vorzeichnen mit dem Bleistift zu stark aufgedrückt hatte, waren die Umrisse noch sichtbar. Ansonsten ist es ein schönes Schiff geworden.
Frau Godde, die Lehrerin, beschuldigte mich, dass ich das Bild nicht allein gemalt hätte. Das hätte jemand anders gemalt und ich würde lügen.
Alles Dagegenreden brachte sie nur noch mehr auf.
Von meinen Eltern zur Wahrheit erzogen, war ich am Boden zerstört.
ICH LOG NICHT! Anderntags wollte ich nicht zur Schule gehen. Mein Vater begleitete mich und stellte den Sachverhalt energisch klar.
– Dann hätte ich ja wohl doch das Bild allein gemalt. Und lügen soll man ja auch nicht, - war ihr Kommentar.
Dass sie mich weiterhin auf dem Kieker hatte, merkte ich Tage später.
Zwei Jungen aus meiner Klasse balgten sich auf dem Schulhof. Wir Mitschüler standen im Pulk um sie herum, sahen zu oder feuerten sie an. Als die beiden in meine Richtung rollten, trat ich zurück und jemandem hinter mir auf den Fuß. Als ich mich umdrehte, um mich zu entschuldigen, erkannte ich gerade noch Frau Godde und ihre Hand, die mir eine gehörige Ohrfeige versetzte. Das war aber nur ein kleiner Teil ihrer Rache. Im Zeugnis stand unter Malen und Zeichnen eine Vier.
Nach Schuljahrwechsel bekamen wir einen Zeichenlehrer, Herrn Lauer, der sich im Laufe der Zeit wunderte, warum ich so eine ungerechtfertigte Note im Zeugnis hatte. Er erkannte meine Fähigkeiten und hat mir sehr geholfen.
Zum Glück bekamen wir mit Frau Gorn auch eine neue Klassenlehrerin, bei der wir uns – ich mich – sehr wohlfühlten.
Unsere damalige Klassensprecherin, Renate Spiegel, die die Hänseleien unterbinden konnte und mich vor den Gehässigkeiten der Mitschüler beschützte, ist meine Freundin geworden und lange Jahre geblieben, bis wir uns aus den Augen verloren.
ebd