Schnucki.....So ein Hundeleben.....
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Feierabend-Mitglied
Samstag 13.07.2024, 23:34
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-----Die preußische Provinz Ostpreußen war von 1871 bis 1945 der östlichste Landesteil des Deutschen Reiches.-----
Ich kenne Schnucki nur von drei Fotos aus der Vorkriegszeit, er gehörte meiner Mutter in ihren Jugendjahren. Stolz präsentierte sie ihn auf den Bildern, einen hübschen, mittelgroßen, braun weiß gefleckten Mischlingshund. Er ist mir allerdings durch die vielen Erzählungen sehr ans Herz gewachsen. Meine Mutter muss ihn sehr geliebt haben.
Auf dem Bauernhof, auf dem sie mit ihren Eltern lebte, gab es viel Arbeit, da hatte niemand so recht Zeit für sie, und so verbrachte sie diese mit Schnucki, brachte ihm viele "Kunststückchen" bei, die er begierig lernte und in ihren Erinnerungen gerne ausführte, nahm ihn fast überall hin mit, hatte eine enge Bindung zu ihm.
Trotzdem lebte dieses Tier fast sich selbst überlassen auf dem Hof. Natürlich wurde er mit Futter versorgt bzw. er bekam das, was an Essensresten übrig blieb, aber wenn er zum Beispiel meine Mutter zur Schule begleitete, lief er danach selbstständig zurück, verbrachte seine Zeit, wenn sie nicht anwesend war, alleine.....irgendwie, irgendwo auf dem Bauernhof meiner Großeltern. Dieser befand sich in Ostpreußen, Masuren......
Ein Ereignis blieb mir besonders im Gedächtnis......
Weil sie so abgelegen wohnten, wurde jeder Einkauf zu einer größeren Aktion. Bekleidung zum Beispiel. Es wurde wohl viel gestrickt und gehäkelt an den Abenden, das meiste jedoch wurde von einer verwandten Schneiderin in der nächsten Stadt genäht.
Als bei meiner Mutter solch ein Besuch wieder anstand und sie für alt genug befunden wurde, alleine mit dem Zug zu fahren und zwei Tage bei der Tante zu verbringen, wurde sie mit einem Pferdefuhrwerk 12 km zum nächsten Bahnhof gebracht. Schnucki durfte nicht mit auf den Wagen, er war ja nur ein Hund, so muss er wohl die ganze Strecke hinter dem Pferdewagen hinterher gelaufen sein.
Meine Mutter erzählte, dass sie ihn mit "Lauf zurück" entlassen habe, angeblich hätte er dieses Kommando gekannt, sie musste dann aber schnell in den abfahrenden Zug steigen.
Als sie nach zwei Tagen wieder zurückkam, am Heimatbahnhof ausstieg, sprang ein überglücklicher Schnucki immer und immer wieder an ihr hoch. Der Stationsvorsteher des kleinen Bahnhofs erzählte, der Hund hätte ihm so leid getan, er wäre zwei Tage und Nächte um den Bahnhof herum geschlichen, hätte gewartet, fast hätte er ihn schon einfangen wollen. Auf der Rückfahrt, berichtete meine Mutter, habe sie sich zum ersten Mal gegen meinen Großvater, der sie vom Bahnhof abholte, durchgesetzt, der geschwächte Hund durfte mit auf den Wagen.
-----Während des Zweiten Weltkrieges, fast schon zum Ende hin, begann für die Bevölkerung aus dieser Region die dramatische Flucht in den Westen.
Auf breiter Front überschritt die sowjetische Armee im Januar 1945 die deutsche Grenze im Osten. Aus Angst vor Vergeltung für den Vernichtungskrieg der Wehrmacht begaben sich hunderttausende Menschen in Ostpreußen, aber auch in Pommern und Schlesien, auf die Flucht. Da die NS Behörden anfangs noch eine Abreise zu verhindern suchten, mussten die Menschen nach wenigen Tagen überstürzt ihre Bauernhöfe und Gutshäuser verlassen.-----
Zu dieser Zeit war Schnucki 10 Jahre alt.
Mein Großvater und mein Onkel, der eigentlich ebenfalls auf dem Hof lebte, befanden sich als Soldaten im Krieg, die bäuerlichen Helfer hatten bereits versucht, sich in Sicherheit zu bringen, da haben meine Großmutter und meine Mutter selbst das Notwendigste auf den Pferdewagen gepackt, die Ställe von den Kühen, Pferden und Schweinen geöffnet, so hat sie erzählt, und seien wie versteinert losgefahren ohne sich noch einmal umzudrehen.
Es mussten alle Tiere, außer den beiden Pferden, die den Wagen zogen, zurückgelassen, sich selbst überlassen werden......auch Schnucki.
An dieser Stelle ihrer Geschichten über ihn, die ich oft erzählt bekam, wurde meine Mutter immer sehr leise, nachdenklich und bekam traurige Augen......
She2021/Sommerzauber
Aus meinen Geschichten "Die eine oder andere Erinnerung...."