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Rückblick 1945

Von Fiddigeigei Mittwoch 13.05.2020, 14:20

Sollten wir das vergessen haben und was würde meine Mama sagen, die damals im Mai 1945 einen Muttertag vor sich hatte, ganz ohne weitere Lebensperspektive und um ihre Kinder und deren Überleben kämpfen musste

Aus Erinnerungen eines kleinen Jungen an das Ende des 2. Weltkrieges .
Er war damals 7 Jahre alt.

Hermine kam eines Tages von ihrem Heimaturlaub, es war Mitte April 1945, nicht zu uns zurück.
Hermine war unsere Haushaltshilfe und Kindermädchen, dabei selbst noch ein Kind mit17
Jahren und war Elsässerin aus Moulhouse, oder wie es damals unter deutscher Besatzung hieß: Mühlhausen.
Sie hat uns Kindern gerne gehabt, obwohl sie eine von den Deutschen Zwangsverpflichtete war. Wir haben unsere Mama gelöchert noch und noch:
„Warum kommt unsere Hermine nicht wieder, aber sie schwieg sich aus“.

Von ihr haben wir unser erstes Französisch gelernt und ich kann heute noch mit Ü 80 die Liedchen: „Bruder Jakob“ die Anfänge von“ Alle meine Entchen“ und „Die Brücke von Avignon“ auf Französisch singen.

Später im Herbst 1945 mussten wir Erstklässler mit zweisprachigen Französisch/Deutschen Lesebüchern zurechtkommen und die Erwachsenen tuschelten damals, dass wir so oder so in der nahen Zukunft nur noch Französisch sprechen würden.

Aber zurück zu meiner Geschichte.
In unserer Wohnung lebten damals meine Mama mit 5 Kindern und ihre Schwester, eine Tante mit 2 Kindern. Die Tante , Frau meines Onkels Sven war aus Oldenburg zu uns gezogen, nachdem die Gestapo Onkel Sven verhaftet hatten und ihn auf Nimmerwiedersehen ins KZ und den Tod schickte.
Mama und Tante schlossen sich immer öfters in das Wohnzimmer ein, wo unser Volksempfänger, die so genannte Göbbelsschnauze stand.
Direkt an der Schweizergrenze wo wir lebten war es ein Leichtes, den Beromünster, einen Schweizersender einzustellen und abzuhören, um damit die Wahrheit über die Lage des
1000 jährigen Reich zu erfahren.
Ein solches Abhören von „ Feindsendern „ hätte meiner Mama und meiner Tante den Kopf kosten können, oder ihnen mindestens einen längeren Aufenthalt im KZ beschert und für uns Kinder und meinem, im Einsatz für Volk, Führer und Vaterland befindlichen Vater, wahrscheinlich die Sippenhaft bedeutet.
Es war gefährlich, dass wir Kinder auch wussten was dort im Wohnzimmer vor sich ging, es war gefährlich es war sogar lebensgefährlich für uns alle.

Und dann geschah einige Tage später Anfang Mai passierte etwas Unfassbares. In unserer Straße, die Hauptstraße des kleinen Städtchens, verschwanden immer mehr die roten, verheerenden Blutfahnen mit dem unmenschlichen Kreuz in der Mitte.
Wer unsere Hitlerfahne am Haus einholte, ich weiß es nicht und es bedurfte sicher Mut, denn es war nicht gewährleistet, dass die Braunen ( damals noch nicht von der AfD) sondern die Mitläufer von Adolf des Größten Führer aller Zeiten auch abgekürzt „GÖFAZ“ genannt, wieder die Überhand gewinnen könnten.
Die Parolen des Durchhaltens, des Endsieges und der Einsatz von „Geheimwaffen“, geisterten immer noch in den wirren Köpfen vieler so genannter Volksgenossen. Und man konnte jeder Zeit für ein falsches Wort am falschen Ort an die Wand gestellt werden. Das Sterben hatte noch kein Ende gefunden.
Es müssen tapfere Frauen gewesen sein, denn Männer waren in dieser Zeit im lichterloh- brennenden Großdeutschen Reiche Mangelware geworden, da sie den so genannten „Heldentod“ starben oder gerade im Moment dabei waren diesen zu sterben.
Ich denke es war ein oder zwei Tage bevor unser Städtchen besetzt und befreit wurde. Da lud uns unsere Hausmitbewohnerin und Besitzerin, eines sich im untersten Stockwerk befindlichen Kaffeehauses ein, zu einer wichtigen Besprechung eine Beerdigung betreffend zu kommen- wie sie es nannte. Und bringt alles mit, was ihr gerne beerdigen wollt!

Da waren wir nun, in plüschigen Kaffeehaussesseln sitzend und auf dem Boden vor uns allen lag ausgebreitet die rote Henkerfahne (Heute wieder bei PEGIDA Anhängern beliebt).
Genau in der Mitte des roten Fetzens, genau auf das unselige Kreuz des Grauens, wurde der bronzefarbene Gipskopf unseres geliebten Führers gestellt. Dann griff eine der Frauen nach einem Hammer- und schlug zu.

Sie traf mit dem ersten Schlag den Führer voll auf sein „unarisches“ Haupt. Und wir sahen alle: Der Schädel von Adolf war hohl, jawohl, total hohl. Wir sahen kein Hirn und nicht das geringste Bisschen einer grauen Masse Er enthielt nur Luft und etwas staubender Gips.
Der Schlag einer schwachen Frau hatte genügt, den Deutsch/Österreicher Adolf und GRÖFAZ- zu enttarnen. Der Adolf war eigentlich nur ein Hohlkopf.
Wir alle haben das gesehen und die die schon mehr denken konnten als wir Kinder, dachten sicher, warum hat das niemand schon längst vor uns getan.
Und als ob eine Schleuse geöffnet worden wäre ereilten 3 Hitlerbilder im Goldrahmen und 2 Bücher mit dem Titel „ Mein Kampf“, das gleiche Schicksal der Zerstörung.
Die versammelten Frauen tranken anschließend die letzte Beuteflasche französischen Kognak aus und es wurde eine lustige und laute Beerdigung.

Wo unser „Hitler“, eingehüllt in sein eigenes rotes Leichentuch mit dem grausamen Kreuz, unter welchem 60 Millionen Menschen den unsinnigsten Tod erleiden mussten, beerdigt wurde, haben wir Kinder nie erfahren.

Ein Tag später erstrahlte unser Städtchen unschuldig, jungfräulich ganz in Weiß, als hätte niemand je etwas von NAZIS gehört, gesehen oder gar mit ihnen zusammengearbeitet.

Einige sehr alte Männer unter Anführung unseres Stadtpfarrers, schritten , ein großes, weiße Bettlacken voraustragend, als Parlamentär vor die Stadt und baten die anrückende Grand Armee um Gnade. Diese wurde schließlich gewährt, allerdings nur unter der Bedingung, dass kein Schuss fallen dürfte, ansonsten die ehrwürdige über 700 jährige alte Stadt in Schutt und Asche gelegt würde.
Tatsächlich befanden sich in den umliegenden Wäldern noch flüchtige deutsche Einheiten und damals war ein Schuss schneller abgefeuert, als einer nachdenken wollte.
Nachdem die Panzersperren, sicher aus 1000 jährigen Eichbäume errichtet vermute ich, von den alten vor Angst zitternden Männern geöffnet wurden, rückte die Armee de Gaulles in unsere Stadt ein.
Wir die Überreste der Besiegten und Befreiten, fast alles Frauen, Kinder und Greise standen auf der Straße und begrüßten vorsichtig ohne Regung stillschweigend die Sieger und Befreier.
Die Soldaten aus den Panzern warfen uns Päckchen zu, komischerweise enthielten sie nichts zum Essen, sondern unverdauliche Seife, wie ich selbst nach einer Bissprobe feststellte.

Was hat die französische Propaganda wohl den Soldaten weisgemacht:
„Die Deutschen sind alle dick und fett, aber die waschen sich nicht?“

Carlos
ein kleiner Ausschnitt aus meinen Erinnerungen an das Kriegsende vor 75 Jahren.




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