Onlondula 1
Von
Fiddigeigei
Mittwoch 26.12.2018, 16:30
Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten
Von
Fiddigeigei
Mittwoch 26.12.2018, 16:30
Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten
Die weisse Taube Olondula und das Kind
Eine Geschichte, die Weihnachtsduft ausstrahlt,
aber ob sie sich damals so zugetragen hat, wer weiss es.
Olondula hatte ihr Köpfchen unter einen ihrer Flügel gesteckt und schlief tief und fest. Ihr Schlafplatz war ein Balken, der das Dach eines leeren, von den Menschen seit langem nicht mehr benutzten baufälligen Stalles, weit draussen vor der alten Stadt Bethlehem, stützte.
Olondula war schneeweiss geboren und ein Sonntagskind dazu. Ihre Eltern, der starke Täuberich Cäsar und seine Frau Gerdi, sind standesgemäss graugefärbt und tragen einen hübschen dunklen Halsring. Was sie dem Stamm der Ringeltauben zuordnete.
Etwas misstrauisch beäugten die Eltern den weissen Nestling nach der Geburt schon, zumal die vier Geschwister von Olondula,- Augusto und Augusta, Pepina und Pepino, genau ihren Eltern Papa Cäsar und Mama Gerdi glichen und das typische graue Federkleid mit dem dunklen Halsband trugen.
Die Cäsar's lebten ganz alleine hier, waren arm aber glücklich in ihrer Abgeschiedenheit und hatten niemand zu fürchten.
Friedlich lebten sie mit einer Schar quickliger Feldmäusen zusammen, die mit ihnen die kärglichen Körnermahlzeiten teilten und im Stall unter den kümmerlichen Resten von Heu und Stroh hausten.
Aber in dieser Nacht, es war am 24. Dezember vor Zweitausend und vier Jahren geschah etwas Verwunderliches. Plötzlich polterte es an der wackeligen Stalltüre. Sie wurde aufgestossen und zwei Menschen betraten den Raum.
So etwas war schon lange nicht mehr geschehen. Einen solchen Besuch hatte der alte windschiefe Stall schon alle Ewigkeit her nicht mehr erlebt.
Deshalb knarrte er auch etwas erregt laut und die knispernde und knaspernde Mäuseschar rannten entsetzt in ihre Schlupflöcher unter dem Heu und nur der Mäusekönig Tiberius hinterrücks gestützt von seiner neugierigen Frau, streckte gezwungernermassen seine langen Barthaare aus dem Bau um zu schnuppern, was denn nun los sei.
Olondula war plötzlich wach geworden, irgendetwas im Stall hatte sich verändert. Sie war nicht gewohnt bei der Nacht zu sehen und so hatte sie Angst, das Köpfchen unter ihrem Flügel heraus zu recken. Sie hob deshalb ihre Flügel etwas und konnte so mindestens hören, was unten geschah.
„Hier können wir für diese Nacht bleiben Sarah“, sagte ein stämmiger und bärtiger Mann, zu der anderen Gestalt, die viel kleiner war. Der Bärtige zog aus einem Bündel eine Öllampe, die er umständlich durch einen Feuerstein und Zunder ansteckte.
Die kleine zierliche Gestalt schlüpfte nun aus ihrem langen Umhang mit der Kapuze und sagte mit heller Stimme einer jungen Frau: Simon, Dank sei Gott, dass wir nun wenigstens ein Dach über dem Kopf haben. Ich spüre schon, unsre Kindlein wird noch diese Nacht auf die Welt kommen, ich kann nicht mehr……. und Bethlehem ist noch so weit.
Olondula erschrak, denn plötzlich konnte sie ganz deutlich alles verstehen was die Menschen da unten sprachen. Was war mit ihr geschehen?
Oh, dachte Olondula, wie schlimm muss es für das Menschenkind sein, auf dem nackten Boden in die Welt zu komme und sie dachte mit wohligem Behagen zurück an das warme und beschützende Nestchen, indem sie zum ersten Mal ihr Schnäbelchen in die weite Welt steckte.
Olondulas kleines Vogelherz begann vor lauter Mitleid ganz heftig zu bummern und sie begann zu überlegen:
Als erstes werde ich meine Eltern wecken. Dazu zupfte sie Cäsar und Gerdi heftig am Gefieder. Cäsar gurrte unfreundlich: Was willst du kleines Nachtgespenst? Deine Geschwister schlafen friedlich und nur du musst wieder zicken machen. Gerdi aber nahm Olondula gleich unter ihren einen Flügel und fragte mütterlichbesorgt: was hast du denn mein Täubchen und warf dabei Cäsar einen schiefen Blick zu, alter Brummbär dachte sie bei sich!
Olondula zeigte nun aufgeregt mit ihrem Schnäbelchen auf die Menschen unter ihnen.
Na und gurrte Cäsar, die können uns nichts anhaben, wir sind gut versteckt und schwirr, sind wir durch das löcherige Dach entkommen, sollten sie böses im Schilde führen.
Cäsar hatte nicht nur gute Erfahrungen mit Menschen gemacht und war schon aus diesem Grunde in den verlassenen Stall gezogen.
Olondula piepste: Papa, das sind ganz arme Leute und die Frau erwartet ein Kindlein, in der nächsten Stunde kann es soweit sein.
Gerdi bekam sofort Tränen in die Augen. Cäsar sagte sie streng, sofort lässt du dir einfallen, wie wir dem Kind ein warmes Nest bauen können und nun keine Ausreden mehr, verstanden!
Cäsar war als Baumeister von wunderbar weichen Nestern bekannt und leistete Nachbarschaftshilfe, vor allem bei unerfahrenen jungverheirateten Taubenpaaren, aber das?
Er kratzte sich am Kopf, so ein grosses Nest hatte er noch nie konstruiert. Was war zu tun?
Olondula, du musst als erstes mit dem Mäusechef Tiberius reden. Wir brauchen die ganze Mäuseschar für die Bodenarbeiten. Sie sollen schon einmal alles verfügbare Stroh und Heu zerkleinern und auf einen Haufen schaffen.
Gerdi, du und die anderen Kinder, ihr fliegt nach Bethlehem, weckt alle unsere Verwandte, die sollen schnellstens hierher kommen.
Gerdi wusste, Nachtflüge sind fast unmöglich und sah durch die Dachlücke hinaus. Sie kletterte in den Ausflug und sah, aber die Nacht so hell erleuchtete als sei es am Tage.
Mit erstaunten Augen sah sie über der Stadt Bethlehem einen enorm grossen leuchtenden Stern; ihr Ziel war so hell, dass der sichere Anflug problemlos zu bewältigen war. Schnell weckte sie Augusto, Augusta, Pepino und Pepina, erklärte ihnen ihre Aufgabe und schwirrte ab.
Olondulas Vogelherz schlug bis zum Halse als sie sich auf den Boden des alten Stalles herablies um Tiberius aus seinem Bau zu locken.
Sarah sah das Taubenkind und lockte es sofort zu sicht. Vertrauensvoll schmiegte sich Olondula an Sarahs Wangen und hüpfte nach einem gurrrrrrrr dann wieder auf den Boden.
Gurr Gurr und dann in die Mäusesprache verfallend rief sie: Tiberius wir brauchen deine Hilfe, komm aus deinem Bau, bitte.
Tiberius war sehr misstrauisch und seine langen Barthaare zitternde so stark, dass man nicht wusste ist es Angst oder Mut!
Warum konnte Olondula, die er zwar kannte, die mäusische Sprache und sogar im Feldmausdialekt?
Vorsichtig glitt Tiberius aus seinem sicheren Bau: Was willst du? Tochter von Cäsar, fragte er verwundert?
Olondula erzählte die Geschichte und gab ihren Auftrag weiter. Tiberius schwenkte seinen Kopf bedenklich hin und her.> Menschen helfen, die uns nur verfolgen, tun wir alles und er verbeugte sich vor der Weiblichkeit.
Er pfiff kurz…lang… kurz und nochmals kurz… kurz, das Zeichen für alle Mäuse, anzutreten.