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Nachruf für ein Rufzeichen (2)

Von tastifix Samstag 04.10.2025, 13:00 – geändert 05.10.2025, 21:46

„Was sollen wir denn bloß tun?“ jammerte ein kleines ´a`, schnappte hilfesuchend mit seinem auslaufenden Endbogen den Anfangsbogen eines kleinen ´c und klammerte sich in höchster Not an ihm fest. So fühlte es sich ein wenig sicherer. Eine Minute später hopste ein seinen Wortzusammenhalt entbehrendes h` vorbei. Das kam diesen Beiden gerade recht. Das ´c` forderte „Halt!“ und spielte dann Haltebogen für jenen unglücklichen Hampelmann. Froh genossen es das „a“, das „c“ und das „h“, wieder in ein Wort eingebunden und damit in Sicherheit zu sein. Erleichtert seufzten sie auf:
„Wir sind wieder etwas wert!“

Schriftzeichen geben Gedanken von Menschen wieder. Diese sind Produkte der Intelligenz. Also durften sich jene schwarzen Figuren, die Klein- und erst recht die Großbuchstaben, aber selbst die winzigen Punkte, die etwas längeren Kommata, die noch größeren Semikolons, die elegant-langgestreckten Gedankenstriche und letztendlich die imponierend geschwungenen Fragezeichen sehr wohl auch ein ihrer Größe entsprechendes Quantum an Intelligenz zusprechen. Die dann all diese verunsicherten Geschöpfe der Schreibkunst endlich einmal ausschöpften.
Das Beispiel des nun stolz posierenden ´Achs` vor Augen, wurden aus all den Chaoten wieder Soldaten. Formierte sich allmählich ein regelrechtes Buchstabenheer. Das Selbstwertgefühl dieser Ritter des Schriftverkehrs erholte sich zusehens. Die Großbuchstaben übernahmen erneut selbstbewusst die Führerrolle in den Anfangssilben der Wörter. Die Kleinbuchstaben reihten sich aneinander. Vokale entdeckten die Konsonanten. Die Konsonanten ketteten froh zum zweiten Male die vermissten Vokale ihres jeweiligen Wortes an sich. Die Punkte brachten durch ihr konfuses Verhalten, sich einfach irgendwo zwischen zwei Buchstaben zu platzieren, nicht länger die Regeln der Zeichensetzung durcheinander. Ebenso taten die Kommata und die Semikolons. Ja, ihr geringeres Denkvermögen flüsterte ihnen immerhin zu, wo sie sich gefälligst aufzuhalten hätten. Es kostete sie alle ungeheure Konzentrationsmühe, ja keinen Fehler zu machen, um nicht ein neues, dann noch verrückteres Chaos hervorzurufen.

Da fiel den apart geschwungenen Fragezeichen die neue Disziplinierung weitaus leichter. Gemäß ihrer Größe nannten die nämlich mindestens zwei Quäntchen Intelligenz ihr Eigen, was sie dann mehr als jemals zuvor inutzten. Allerdings weitaus schüchterner im Auftreten als die Rufzeichen, denn sie hießen ja nicht grundlos Fragezeichen´, standen also für Unsicherheit sowie auch Neugierde. Doch wegen Augustchens Tod hatten sie wewas an Rang gewonnen. Stöhnend befahlen sie alle Buchsaben auf deren Plätze, riefen schiefstehende Buchstaben zur Ordnung und halfen ratlos umher purzelnden Punkten und Kommata, deren passende Buchstaben- oder auch Wortlücke zu finden. Ernteten zum Dank ein tiefschwarzes Blinken.
„Meine Güte, ist das schwierig, ist ja niederkrümmend!“, seufzen die Fragezeichen ob der neuen ungewohnen Verantwortung und richteten grübelnd eine Frage gen Himmel:
„Wie nur hat Augustchen all seine Aufgaben in den Griff bekommen?“
Wegen des Stresses hielten sie sich nur noch mühsam aufrecht. Um nicht noch krummer zu werden. Sie wollten beweisen, dass sie nicht lediglich kluge Fragen stellen könnten. Schließlich waren sie jetzt ´Wer!`: Fast gleich wichtig wie die Rufzeichen. ...

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