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Kein Pardon (2)

Von tastifix 10.09.2023, 18:15

Wenige Wochen zuvor in Essen: Autorin Frau Mähr brütete über einer Geschichte, die sie bereits vor langer Zeit geschrieben hatte. Sie war Hundemama gewesen, doch leider war ihr jüngstes Tier vor mehreren Jahren im Alter von neun Jahren an Krebs verstorben. Aber sie hatte ja noch ihre anderen beiden Lieblinge, den fast 15jährigen Eurasier "Mato" und dessen kleineren Freund Spitzmischling "Quinny", ebenfalls bereits 14 Jahre alt. Beide noch putzmunter. Damals hatte sie über ihren ältesten Hund eine humorvolle Tiererzählung verfasst, in der sie seine sämtlichen Streiche geschildert hatte.
"Die überarbeite ich und schicke sie dem Internetverlag!", entschloss sie sich.
Es bedeutete viel Arbeit.

Eifrig begab sie sich an die Textkorrektur. Irgendwie störten sie die langen Absätze. Nein,
die hätte sie noch mehrfach zu unterteilen. Also, los: Gleich auf der ersten Seite schalt sie sich:
"Wieso hab ich daraus nur nicht gleich drei Absätze draus gemacht? Nee, fast jeder Satz braucht seine eigene Zeile!"
So machte sie Seite für Seite die Anstrengungen mehrerer Monate zunichte, zerfetzte Sätze, löschte sie gar wagemutig und bildete neue. Bald hatte sie sich eingelesen und kam flott voran. Jeden Abend veranstaltete ein Wettrennen mit der eigenen Fantasie. Das Umschreiben des Textes gelang frnn auch in relativ kurzer Zeit. Jede Aussage gewann durch die vielen neuen Absätze und an Gewichtigkeit. Sie überlegte noch ein kurzes Begleitschreiben.
"...wäre ich Ihnen sehr dankbar, wenn Sie die Geschichte ins Netz stellten ... Mit freundlicphen Grüßen usw. ..."

Zurück nach Hamburg in Herrn Romans Büro! Tja, die von Frau "Langtext" so liebevoll umgestaltete Geschichte war angekommen und hatte dem armen Manne schlimme Kopfschmerzen beschert. Wie wahrlich sehr er doch für Absätze in solch langen Texten schwärmte! Dort häuften sich nämlich diese Eigenwilligkeiten gerne zu Hunderten. Eindeutig stammte der vorliegende Text von einer Frau. Männer hätten dies in einen einzigen Abschnitt gepackt. Die dachten ja praktisch!! was knallte er denn da gerade seinem unbekannten weiblichen Gegenüber so an den Kopf ? Nein, einer Frau gegenüber pfefferte und knallte man nicht, sondern wies höchstens auf äußerst behutsame Art (dennoch deutlichst!!) auf die sehnlich erwünschte Korrektur des Werkes zwecks Arbeitserleichterung für den bedauernswerten Verleger hin.

"Liebe Frau "Langtext". … Ääh „Mähr", verbesserte er sich. "Ihre Arbeit ist einfach umwerfend! - Im wahrsten Sinne des Wortes!! ", knurrte Herr Roman.
Es störte niemanden. Seine Mitarbeiter hatten fix die Chance beim Wickel ergriffen (Chef war ja bestens beschäftigt!) und sich auf den Heimweg gemacht. Das Risiko, von dessen Arbeitswut angesteckt zu werden, gingen sie nicht ein. Die Befürchtung, sie handelten sich wegen eigenmächtig verkürzter Arbeitszeit einen deftigen Rüffel ein, durften sie getrost vergessen. Des Verlegers Gedanken sowie sein Blick galten allein dem Monitor vor ihm. So sehr nahm ihn sein gewichtiges Schreiben an Frau "Langtext" gefangen.
"Wenn ich Ihnen allein den Vorschlag unterbreiten dürfte, aber nur, wenn es Ihnen wirklich nicht zu viel Mühe bedeutet, zwischen je zwei Absätzchen ein bestimmtes Kürzel zu setzen. Eine Sache von 1 Minute für Sie. Gerne kümmere dann ich mich darum, auch die Kapitelüberschriften entsprechend zu kennzeichnen!"
allerdings erwähnte er nicht, dass dieser Text mehrere Hunderte solcher Kleinstabsätze aufwies. Demnach müsste die liebe Autorin mindestens an die zweihundert Kürzel einsetzen. Er rieb sich die Hände. Das hatte er gut hingekriegt!

In Essen harrte derweil Frau Mähr der Rückantwort des Verlegers. Womöglich ein begeistertes Schreiben unter Erwähnung ihres sicheren Gefühls für guten Schreibstil. Jeden Morgen nach dem Aufstehen überprüfte sie den Posteingang. Frei Tage passierte nichts. Enttäuscht, auch ein wenig sauer registrierte dieses wartende weibliche Wesen das Schweigen des unbekannten männlichen Gegenübers. Wie lange würde sie noch in Ungeduld zappeln müssen? Weshalb schickte der nicht wenigstens die Eingangsbestätigung ihrer Geschichte? Der vierte Tag brach an: Ziemlich nervös rief sie web.de auf. Was stand da?
"Sie haben eine neue Email!"
"Juchuuh!" jubelte sie und begann begierig zu lesen.
"Ihre Arbeit … (ihre Augen flogen nur so über die Zeilen!) ...i st einfach umwerfend!“
Na also! Herr Roman schien ja doch ein fantastischer Literaturkenner zu sein. Und ihren Text hatte sie ja selbst auch "umwerfend" gefunden! Sie bestätigte es sich: Dieser Verleger war ein sehr sympathischer Mann! Stolz las sie weiter. Jetzt folgte sicherlich eine Lobeshymne ohnegleichen. Aufgeregt sog sich ihr Blick an den nachfolgenden Worten fest. Doch die freudige Erwartung wandelte sich in Erschrecken, zuletzt in Wut!
"Was soll denn das, wie bitte? Den ganzen Text mit Kürzeln versehen, jeden kleinen Absatz markieren? Nur, weil der zu bequem ist, sich ein wenig anzustrengen?"
Sie hatte ihn gerade ins Herz geschlossen, doch dieser Vorschlag feuerte ihn mit Nachdruck wieder hinaus. Und den hatte sie sympathisch gefunden, na warte!
"So schnell kriegst Du mich nicht klein!", zischte sie und entwarf eine saftige Email an jenen charmanten Verleger.

"Sehr geehrter Herr Kürzel!", schrieb sie, stutzte und löschte schnellstens "Kürzel!"
Denn der Kerl hatte ja einen Namen:
"Lieber Herr Roman!"
Klang stilvoller. Sie war ja sehr auf Stil bedacht!! Dann:
"Die Kürzel, werter Herr, füge ich ein. Denn es bedeutet für ein nur männlches Wesen zu viel der Anstrengung, diese Kürzelei selber durchzuführen. Jedoch betone ich ausdrücklich: Für die Länge meiner Geschichten kann ich nichts. Dafür ist das mir von der Natur implantierte "Plappergen" zuständig. Die Verantwortung übernehme ich nicht!!"

Die Rückantwort kam stante pedes:
"Liebe ´Frau Langtext`!"
Nein, so nicht, er war ja Kavalier:
"Sehr geehrte Frau Autorin Mähr!"
Klang besser, nach alter Schule:
"Was glauben Sie, verehrte Dame, wohl, warum Kurzgeschichten sp heißen? Ihre dagegen sind Langgeschichten. Außerdem betone ich meinerseits an dieser Stelle ausdrücklich: Dazu, dass das Formatieren von Texten manchmal recht kompliziert ist, kann ich nichts. Dafür ist das "Antigen!" des Computerprogramms zuständig. Die Verantwortung übernehme ich nicht!!"

P.s.: Mit Bravour meisterte übrigens Autorin Mähri n kürzester Zeit die Kürzelei!
Mit Bravour bewerkstelligte genauso der charmante Verleger, die ellenlange Kurzgeschichte in ebenfalls j-kurzer Zeit ins Netz zu stellen.

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