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Kalkofen Zweiter Teil

Von Fiddigeigei Dienstag 21.08.2018, 18:20

Die Müllerin merkte wohl nach einiger Zeit, dass irgend etwas mit dem Frieder nicht mehr stimmen konnte. Er war abends oft müde und hatte keine Lust mehr zu turteln und die Kalkproduktion wurde weniger und weniger.
Da sie mit den Kräutern des Waldes gut vertraut war, mischte sie einen Schlaftrunk an, der den Frieder in einen tiefen und langen Schlaf versetzte.
Sie ging selbst zum Kalkofen um die Nachlässigkeit ihres Mannes zu erkunden.
Tatsächlich traf sie dort die bezaubernde Melusa an und gab sich ihr scheinheilig als Frieders Mutter aus. Und da Frieder ihr von einer Frau seiner angebliche Mutter vorgegaugelt hatte, fasste Melusa Vertrauen zu ihr und erzählte der Müllerin von der grossen Liebe zwischen Frieder und ihr und dass sich etwas unter ihrem Herzen rühren würde.
Die beiden Frauen standen oberhalb des Kalkofens, genau vor dessen Öffnung. Der Ofen war angeheizt, die Kalksteine glühten wie in einem Vulkan. Die Müllerin vor Hass und Eifersucht erfüllt, stiess das Mädchen mit aller Kraft in den Höllenschlund, wo es nach einem Aufschrei jämmerlich zu Asche verbrannte.
Die Frau kehrte zurück und lies sich nichts anmerken. Frieder ging ander Tags wieder an seine Arbeit, doch die schöne Melusa kam an diesem Tage nicht und auch nicht an den anderen Tagen.
Seine Sehnsucht war übermächtig und so suchte er den Köhler auf um etwas über Melusa zu erfahren. Aber zwecklos, der Alte war selbst verzweifelt, sein Allerliebste verloren zu haben und suchte seine Tochter überall.
Es ergab sich, dass das Haus des Kalkmüllers ausgebessert und auch die Stuben neu heraus gekalkt werden musste.
Frieder benutzte dazu den zu letzt gebrannten Kalk indem Melusa ihr entsetzliches Ende fand. Melusa hatte sich mit dem Kalk verbunden und er der Frieder ihr Frieder, hatte alles selbst zu weichem weißen Kalkmehl gemahlen. Welch schreckliches Schicksal. Welche Grausamkeit.
In der Nacht erwachte Frieder durch einen leisen Gesang, einen Gesang, wie ihn Melusa ihm oft ins Ohr gesungen. Als er seine Augen öffnete sah er an der Wand ein Bild. Es war seine Melusa umgeben von einem Feuerschein und die ihm wortlos zu sich winkte. Am anderen Morgen dachte er, dass kann nicht sein, ich habe schlecht geträumt und ging wie immer an seine Arbeit. Aber in der nächste Nacht die gleiche unheimliche Erscheinung. Und so ging es Nacht um Nacht.
Frieder verlor seinen Verstand und in einer dunklen Nacht lief er zum Kalkofen und er hörte den leisen unheimlich klagenden Gesang und wie von einer starken Macht gezogen, stürzte er sich in den glühenden Ofen. Melusa waren sein letzten Wort und dann umfingen ihn die Flammen.

Als die Obrigkeit gewahr wurde, dass der zweite Mann der Müllerin spurlos verschwunden war, bezichtigte man sie der Hexerei und sie wurde öffentlich auf einem Scheiterhaufen verbrannt.
Der Kalkofen im Wald aber ist seit dem nie mehr in Betrieb genommen worden. Es fand sich kein Nachfolger, denn Nachts, ertönt aus der Brennkammer der hellen leise und tragende Gesang eines Mädchens. Nächtliche Wanderer wollten über dem Ofen schwebend -zwei in sich verschlungene- feurig lodernde Herzen gesehen haben.

…...........................wer mir diese Geschichte erzählt hat?
Es war der Eifelwind. Ich saß dort um mich auszuruhen und dann hörte ich den Wind aus dem verfallenen Kalkofen zu mir sprechen. Es klang wie die klagende Stimme eines Mädchens.

Carlos-Oskar

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