Neu hier? Lies hier über unser Motto gemeinsam statt einsam.
Mitglied werden einloggen




Passwort vergessen?

0 1

Jöre ich das Wort ´Latein?`...

Von tastifix Donnerstag 18.09.2025, 18:22 – geändert Donnerstag 18.09.2025, 18:48

Auch ich war vor vielen Jahren ein Schulkind. Auf die Volksschule folgte das Lyzeum, was dann mein Schicksal besiegelte. Die höhere Schule zeigte sich mir gegenüber in den ersten beiden Jahren nur von ihrer aller besten Seite. Stolz marschierte ich mit dem Versetunghszeugnis zur Quarta nach Hause. Ich strahlte übers ganze Gesicht. Es blieb für die nachfolgenden fünf Jahre das letzte Mal.

Eines Tages verrieten uns die netten Lehrer, dass wir ab dann uns nicht nur mit den alten Römern beschäftigen würden, sondern auch mit deren Sprache. Die war ebenso alt und galt als fast tot. Alles Neue übt ja doch für einene begrenzte Dauer einen gewissen Reiz aus und so stürzte ich mich voller Neugierde und gutem Willen auf die Vokabeln und paukte. Ja, ich ertappte mich dabei, dass ich auf jedes neue Wort den Schülerknigge missachtend ungeheuer stolz war und es bei jeder sich bietenden Gelegenheit beziehungsweise eher öfteren Ungelegenheiten in die Gespräche einbaute.

Rief meine Mutter mich zu sich, antwortete ich;
„Domina servam vocat!“ (Die Herrin ruft die Sklavin!)
Zu meinem Glück hatte sie Humor.
Zankten mein Bruder und ich uns wie die Rohrspatzen, meckerte ich:
„Asinus es!“ (Du bist ein Esel!)
Mein ja viel älteres Geschwisterchen war darob platt.
Hatte mein Vater stundenlang versucht, mir eine Matheaufgabe näher zu bringen und ich kapierte sie trotzdem nicht, murmelte ich zur Entschuldigung:
„Errare humanum est!“(Irren ist menschlich!)
Seine Reaktion...war auch menschlich.

Dann kam der Tag, an dem ich ein grünes Reclamheft kaufte. Ein recht dickes Reclamheft war es. Und gleich die passende Erläuterungslektüre dazu, die in ihrem Umfang diesem später wahrlich ach so geliebten Heft in nichts nach stand. Mit diesem Kauf startete das Übel, das mir dann noch drei lange Jahre auf den Fersen blieb. Längst schon hatte ich es aufgegeben, mit vor Stolz geschwellter Brust zu deklinieren oder gar zu konjugieren:
„Laudare, laudo... Die Konjugationsform brauchte ich ab dann nicht mehr im Gedächtnis zu speichern, denn gelobt wurde icih immer seltener.Trotzdem blätterte ich neugierig in dem Heft. Bereits nach den ersten vier sSeiten schwand die Neugierde, wich dem Erstaunen und gab dann endgültig dem schieren Entsetzen Raum, das sich als wahrer Meister in Selbstbehauptung erwies.

Fremdsprachenlehrer lieben Übersetzungen. Leider auch die Lateinlehrer. Zunächst führten sie uns vorsichtig – den Herzinfarkt sollten wir, wenn nicht mehr vermeidbar, ja erst nach Beendigung des Lateinkonsums erleiden – an Hand kurzer Sätze in die Kunst ein, einer nicht so ganz toten Sprache noch mehr Leben einzuhauchen..Hauchen war dann der richtige Ausdruck, denn genau das nrachten wir bald nur noch. Die so sympathisch kurzen Sätze wuchsen nämlich zu Bandwurmmonstern heran. Bs Ganze hatte einen Namen und nannte sich ´Caesar`. Der führte Kriege, baute Brücken auf und wieder ab und das in Sätzen, die fast eine ganze Seite des Lehrbuches ausmachten.
„Lieber Herr Caesar. Wäre es denn nicht auch kürzer gegangen? Immerhin haben Sie doch damals stets alles sehr fix kurz und klein geschlagen!?`
Dann nahte das Grauen pur. Wir armen Schüler mussten jene Bandwürmer übersetzen. Aber mit Ausnahme unseres Klassenstrebers verstanden wir Anderen nur noch Bahnhof, so dass wahrscheinlich in der Figlezeit der von uns mittlerweile gehasste Caesar weder eines seiner klugen Worte noch seine einstigen Kriegsaktionen mehr verstand.

Auch ich, deutsches Kind der Neuzeit, präsentierte dem armen Kerl eine völlig neue nach meinem Gutdünken zusammen fabulierte Historie und hoffte auf seine Weisheit, es zu bewerkstelligen, jenes Sammelsurium von Unmöglichkeiten und Unlogiken irgendwie vor seinen Anhängern (ja, die soll es auch heute noch geben!) glaubhaft zu rechtfertigen.
Unsere Lehrer rauften sich die Haare, gedachten der ihnen noch blühenden Pflicht, uns noch mit einem anderen Herrn der Geschichte vertraut zu machen, nämlich Ovid, und ergrauten deswwegen schon voirzeitig.

Als ich einen Blick auf dessen Gesdichte warf, streikte ich, weil mir meine Lehrer und erst recht ich mir selber zu leid tat, als dass ich ihnen und somit denn mir deren Übersetzung nach meiner Art zugemutet hätte. Nein, dazu hatte ich die Pauker von damals denn doch zu lieb!

Wie es weiterging, erspare ich besser meinen Lesern!!

Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten

Mitglieder > Mitgliedergruppen > Kreativ Schreiben > Forum > Jöre ich das Wort ´Latein?`...