Jeder Schritt ein Stich.
Von
tarena
Samstag 24.03.2018, 18:08
Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten
Von
tarena
Samstag 24.03.2018, 18:08
Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten
Es ist, als wenn sie mit nackten Füssen auf kleinen spitzen Steinen laufen würde, nein, oft viel schlimmer, als wenn sie durchs Feuer laufen würde. Und das neuerdings auch schon in ihren Träumen.
Wie ein Dieb hatte zunächst unmerklich das Verderben der Nerven sich in ihren Körper eingeschlichen. Tausend kleine Feuerteufel trieben und treiben ihr heißes Spiel in ihren Füssen und tanzten auf ihren Nerven herum bis sie zertrampelt und zerstört sind. Bis die Nerven blank liegen. Sie läuft wie eine Prinzessin auf getrockneten, verschrumpelten Erbsen. Wackelig.
Erst dachte sie an Ameisen, die sich in ihre Socken eingeschlichen hatten. Aber da war nichts, beim Ausziehen der Socken waren sie verschwunden.
Nachts wurde sie plötzlich durch Brände in den Füßen geweckt. Sie kühlte sie unter der Dusche und schlief wieder ein. Wieder wachte sie auf. So ging das nicht weiter.
Sie konsultierte einen Arzt, der sich angeblich mit Nerven auskannte.
Ja, er schickte sie in eine Folterkammer, so erlebte sie es jedenfalls, und sein Assistent packte sie bei Händen und Füßen und schloss sie an Drähte an und jagte Strom durch sie. Sie bäumte sich vor Schmerzen auf. Beim Arzt danach gab es keinen Kommentar zu dem Ergebnis. Dass heißt, sie erhielt von ihm keine Diagnose, weil er war anscheinend schon zum Mittagstisch gegangen war. Aber er kann im Orchester sehr schön Geige spielen.
Erst nach etlichen Wochen kam die Rechnung und die Diagnose: Polyneuropathie.
Aha, ohne Erklärung und Therapievorschläge. Was nun?
Auch andere Ärzte hatten keine Erklärung und kein Wissen.
So recherchierte sie im Internet und fand eine "Amateurin", die sich sehr kundig über diese Krankheit gemacht und ein hilfreiches Buch darüber geschrieben hat. Sie sagte klipp und klar, dass dies Krankheit nicht heilbar ist. Aber sie gab wertvolle Hinweise, mit ihr umzugehen. Die Ärzte waren dazu nicht in der Lage. Feiglinge.
Also, nur mit Schmerztabletten ist diesem Leiden zu begegnen, war schließlich die Auskunft der Ärzte.
Mit dieser Erkenntnis musste sie sich nun abfinden. Seit Jahren nimmt sie Tabletten, die in ihrer Dosis leider gesteigert werden mussten. Nieren und Leber machen das noch mit.
Ein paar Schuhe nacheinander wurden gekauft, umgetauscht, zurückgeschickt und verschenkt und einer Bekannten sogar für Afrika mitgegeben. Zum wiederholten Male wurden Einlagen angefertigt. Richtig helfen tut einfach gar nichts. Gute Ratschläge von Freundinnen waren lieb gemeint, aber nutzlos. Wenn schon die Ärzte nichts wissen!
Sie wartet immer noch auf den Wunderschuh!
Große Reisepläne hat sie sich schon längst abgeschminkt. Will sie einer Reisegesellschaft als lästiges Anhängsel der Gruppe hinter herhinken? Nein! Noch gehen kleine Ziele, private, wo sie nach eigenem Gutdünken laufen kann. Mit oder ohne Stock. Den braucht sie jetzt schon öfters. Nachts hat sie auf Straßen nicht Angst vor Räubern, sondern nur vor eigenen Stürzen.
Ihre Lieblings- Fortbewegungshilfe ist des Deutschen liebstes Kind, das mit den vier Rädern.
Profilaktisch hat sie vor zwei Jahren einen Seniorenlehrgang fürs Autofahren absolviert und eine Urkunde erhalten.
Sie hat also die Lizenz zum Fahren.Noch. Gott sei Dank und ihr gnädig.