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Hilde-Eduard- Kati und der Tod

Von Fiddigeigei 21.02.2021, 11:58 – geändert 21.02.2021, 12:01

Ich stelle diese Geschichte als Komplementär zu Gabrieles, wunderbaren "Muschel" ein, die ich grade gelesen habe.
Carlos

Matthias Claudius „Das Mädchen und der Tod“

Das Mädchen:
Vorüber! Ach vorüber!
Geh wilder Knochenmann!
Ich bin noch jung, geh Lieber!
Und rühre mich nicht an.
Der Tod:
Gib deine Hand, du schön und zart Gebild!
Bin Freund, und komme nicht, zu strafen:
Sei gutes Muts! ich bin nicht wild,
Sollst sanft in meinen Armen schlafen.

Hilde und Eduard waren glücklich, richtig glücklich beinahe 50 Jahre waren sie zusammen. Die „Untrennbaren“ nannten sie ihre Freunde und Bekannte.
Nie hat jemand Hilde oder den Eduard alleine gesehen und trotz ihres Alters fassten sie sich wie zwei frisch Verliebte an den Händen und wenn es einen von ihnen überkam, drückte er dem anderen fester die Hand um ihn an seinem Glücksmoment der Gemeinsamkeit teilhaben zu lassen.
Doch vor 2 Jahren wurden sie von einander getrennt. Hilde ging wohin, wo ihr Eduard nicht folgen konnte.
Nun war Eduard alleine auf dieser Welt gelassen und er gewöhnte sich an mit Hilde zu sprechen, ohne Antwort zu erwarten, aber doch wusste er, seine Hilde hört ihm zu und im Traum antwortete sie ihm auf alles was ihn bewegte.
Eines nachts bei einem Traumgespräch schlug ihm Hilde vor, sich doch eine Haushaltshilfe zu nehmen, denn sie sah, ihr Eduard wurde lässiger und lässiger in seiner Haushaltsführung. Eduard wollte aber keinen Menschen um sich leiden und wollte nicht viel sprechen und so wandte er sich Hilfe suchend an ein Pathologisches Institut, die einige Knochengerüste wegen Überfüllung der Räumlichkeiten gerne gegen eine Spende abgeben wollte.
Eduard war ganz aufgeregt und entschied sich für ein besonders hübsches, zart knochiges Gerippe und taufte dieses auf den Namen Kati, in der Annahme, solch zarte Knöchele könnten nur von einer Frau stammen.
Kati war sehr anspruchslos und begann mit den Hinterlassenschaften eines Junggesellenlebens aufzuräumen.
Gleich beim ersten gemeinsamen Frühstück, stellten sie aber fest, dass die Kati beim Essen und Trinken nur sabberte und was sie sich oben hineinschob einfach auf dem Boden landete.
Kati schüttelte daraufhin ihren kahlen Kopf, mit den großen eindrucksvollen Augen und kochte nach dieser Erfahrung nur noch für Eduard alleine, setzte sich aber mit an den Tisch und sah Eduard beim Essen zu.
Abends, wenn sie ins Bett wollten, hatte sich Eduard ausbedungen, alleine zu schlafen, denn er wollte schließlich mit seiner Hilde den Tagesablauf wie bisher traumatisch besprechen.
Kati war damit einverstanden, es war ihr auch bequemer sich an einem Garderobenhaken zum Schlafen aufzuhängen, was ihr viel besser bekam als zu liegen.
Denn es ist für ein solches Klappergestell gar nicht so einfach die beim Liegen durcheinander geratene Knochen wieder an Ort und Stelle zu sortieren.
Oft gingen Kati und Eduard zusammen spazieren. Dazu zog Kati die Kleider von Hilde an, die aber nicht passen wollten und um Kati herumflatterten. Eduard störte das nicht, er fand Kati hübsch und dachte dabei an seine Hilde.
Die Nachbarn drehten sich anfänglich verwundert nach dem eigenartigen Paar um, aber man gewöhnte sich und grüßte sich freundlich und verständnisvoll.
Eines Tages, Kati und Eduard gingen wieder einmal spazieren, als Kati den Eduard immer weiter und weiter zog und plötzlich war Kati verschwunden. Eduard sah sich erstaunt um. Aus einem hellen Licht was ihn blendete trat ihm seine Hilde entgegen, so wie er sie in Erinnerung behalten hatte.
Und sie nahmen sich bei den Händen und drückten sie fest zusammen, wie sie es schon immer getan hatten, dann traten sie gemeinsam in eine neue Welt ein, in der man keine Trennung mehr kennt.

Kati verschwand für immer, niemand weiß wohin sie ging.

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