Grausiger Strandfund
Von ehemaliges Mitglied Samstag 29.04.2023, 11:11
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Heute habe ich ganz schlecht geschlafen und ich wußte, der ganze Tag wird irgendwie nicht so verlaufen, wie ich es mir vorstelle.
Das Gefühl, dass heutige Tag mir in tiefer Erinnerung bleibt, saß in mir ganz tief.
So beschloß ich heute ein Faulenzen-Tag anzulegen. Ja, am besten, mache ich mich fertig und gehe zum Strand. Da war ich schon lange nicht mehr. Es wird mir bestimmt gut tun, in der Natur zu entspannen, ein wenig Stress abzubauen. Ich habe heute keine Kraft den Pflichten nachzugehen.
Es gibt Tage, an denen nichts gelingt. Meine Devise lautet, an solchen Tagen am besten nichts anzufassen.
Also packte ich meinen Rucksack. Nicht zu viel, aber ein paar Kleinigkeiten zum Essen und eine Flasche Wasser.
Es war noch relativ früh. Die Natur zeigte sich noch etwas verschlafen. Wie herrlich, diese Ruhe, diese Stille und glänzende Tauperlen an den bodendeckenden Sträuchern. Bald verließ ich die Dorfstrasse und ging Richtung Strand. Das Meer war schon ganz nah. Ich konnte es schmecken, eine typisch salzige Luft. Hinter der letzten Biegung habe ich auch schon das Wasser, das sich so herrlich in den wärmenden Sonnenstrahlen spiegelte, sehen können. In der Nähe taumelten sich ein paar Möwen. Die Vögel waren recht aggressiv und pickten sich die Essensreste aus den Schnäbeln. Ich zog meine Schuhe aus und ging barfuß. Die Wellen spülten meine Fußspuren im Nu weg.
„Falls mir etwas zugestoßen wäre, hätte man keine Spuren von mir gefunden“, der Gedanke kam mir ganz unerwartet und ein mulmiges Gefühl breitete sich in meiner Brust.
Von Westen her sah ich plötzlich, wie von Nichts kommend, dunkle Wolken und ich erinnerte mich an meinem Traum, heute nachts. Genau, ich träumte von einem Unwetter und rötlichen Flecken, genau hier, auf dem Strand. Da wurde ich wach und konnte nicht mehr einschlafen.
Und jetzt, das gleiche Bild, wie in meinem Traum, nur ohne die braunen Flecken.
Eigentlich glaube ich nicht an irgendwelchen Prophezeiungen, Horoskopen oder Orakeln, aber, das nächtliche Bild wollte mich nicht loslassen.
Hinter der nächsten Dünne machte ich mich bequem in dem schon recht gut aufgewärmten Sand. Sanft lies ich die weißen, filigranen Körne durch die Finger rieseln. Ich legte mich hin und beobachtete die Wolken. Ein paar dicke Regentropfen fielen auf den trockenen Sand. Ich stand auf und schaute mich nach einer geschützten Stelle um. Der Wind blies immer heftiger und wirbelte die Sandkörner in allen Richtungen. An einer Anhöhe, nicht weit von mir, im Gestrüpp etwas versteckt, entdeckte ich einen Strandkorb. Also sammelte ich alles zusammen und mit grossen Schritten steuerte ich meine Entdeckung an. Noch rechtzeitig erreichte ich ihn, schon etwas lädiert, aber immerhin mit einer intakten Überdachung. Eine Person konnte sich noch gut in der heilen Ecke vor dem Unwetter verstecken. So beschloß ich den Regen hier abzuwarten.
Laut Wettervorhersagen war eigentlich mit den Unwetter nicht zu rechnen. Ein bisschen bedeckt sollte schon sein, mehr auch nichts. So viel also zum Vorhersagen.
Ich merkte auch bald, dass die Wolken in östliche Richtung ihren Kurs nahmen und kein Dauerregen war zu erwarten. Zwischendurch zog ich aus dem Rucksack ein Käsebrot und verputzte es genüsslich, trank noch aus der mitgebrachten Flasche und packte wieder das Wasser in die Tasche. Die Sonne kämpfte sich inzwischen auch durch die Wolkendecke und meine Laune verbesserte sich augenblicklich. Ich spürte etwas Druck auf die Blase und ging hinter den verwitterten Strandsitz, um mich zu erleichtern. Jetzt bemerkte ich, dass der Korb verschoben war und die alten, ursprünglichen Spuren waren noch gut zu sehen. Ohne sich dabei den Kopf zu zerbrechen, drückte ich kräftig die hölzerne Wand des Sitzes und das ganze Vehikel kippte nach vorne um. Sofort fiel mir auf, dass die Erde unter dem Korb relativ frisch umgegraben war.
„Komisch“, dachte ich mir, „wer wollte hier ein Blumenbeet anlegen und wozu“?
Das sah ich in einer Ecke aus der Erde etwas glänzendes, metallisches herausragen. Ich griff nach dem Fund und hielt in meiner Hand ein Teil von Brillengestell. Mit der anderen Hand griff ich tiefer in die Erde, um möglicherweise die ganze Brille rauszuholen, aber…mir wurde übel. Aus dem Loch strömte mir entgegen ein Verwesungsgeruch.
„Hat jemand hier seinen Hund begraben“, fragte ich mich selbst und die Antwort war prompt und glasklar.
„Nein, ein Hund trägt keine Brille“, musste ich mir ehrlich gestehen.