GLYPHOSAT
Von
Pinnacle
Dienstag 31.03.2020, 10:24
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Pinnacle
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Glyphosat
Joa Bosch ©BJS
Der alte, dünne Mann hockte schon seit Morgengrauen auf der Parkbank und schaute gelegentlich dem jungen Stadtgärtner bei dem Rosenschnitt zu. Dabei zog der Alte mit den Füßen Kreise durch den Kies.
Schon seit Jahren saß er hier. Nicht immer, nur im Wonnemonat Mai. Aber das täglich und bei jedem Wetter. Er saß einfach da, malte mit den Schuhen durch den Kies und scharrte dabei tiefe Löcher in den Boden. Bis zum Sonnenaufgang hielt es ihn auf der Bank. Seiner Bank.
Nach den ersten Strahlen der aufgehenden Sonne erhob sich der Alte mühsam, schaute sich sein gescharrtes Werk genauer an, schüttelte den Kopf und schlurfte dann den langen Weg zurück, den er in der Morgendämmerung vom Haupteingang des Parks hergekommen war.
Der Gärtner, der noch nie ein Wort mit dem dünnen Mann gewechselt hatte, wunderte sich schon lange nicht mehr über den seltsamen Besucher. Er sah ihn bei seinen vielen anderen Arbeiten ja auch nicht jeden Tag. Jedoch, ab und zu, besserte der Gärtner kopfschüttelnd die Unebenheiten an der Parkbank aus. Mit einem Rechen strich er die Löcher wieder glatt. Mehr unternahm der junge Mann nicht. Eine Meldung an die Stadtverwaltung würde wahrscheinlich nur zu herben Konsequenzen für den dünnen Mann führen.
Aber heute geschah Merkwürdiges! Der Alte bückte sich plötzlich, wühlte vorsichtig in den ghäuften Kies- und Erdhaufen und hob behutsam etwas auf. Das Klickklack der Rosenschere ver¬stummte, und der Gärtner schaute erstaunt dem Mann zu, wie dieser seine Hände zum Mund führte und vorsichtig in sie hinein hauchte.
Fasziniert näherte er sich nun dem Alten und sah, wie in dessen Augen Tränen standen. Glücklich lächelnd öffnete der Mann seine Handflächen und ein kleines braunweißes Etwas streckte zarte Fühler in die warmen Sonnenstrahlen, putzte sich, faltete Flügelschalen auf und flog sogleich brummend in kunstvollen Spiralen dem Himmel zu.
Lange schauten die Männer dem Winzling nach.
Dann vertraute der dünne Mann dem sprachlosen Gärtner flüsternd an, dass er als kleiner Bub, alle Jahre wieder genau an dieser Stelle und nur um diese Zeit, immer die Gesellen seiner Kindheit begrüßen durfte. Aber seit vielen Jahren waren sie verschwunden.
Der junge Mann hatte so ein possierliches Geschöpf noch nie gesehen und hörte erstaunt zu, als der Alte glücklich mit brüchigem Sprechgesang brummte: „Maikäfer flieg, Dein Vater ist im Krieg. Die Mutter ist in Pommernland, Pommernland ist abgebrannt. Maikäfer flieg“.
*
Glyphosat ist das meist eingesetzte Pestizid auf dem ganzen Planeten.
Glyphosat, das zu den Pestiziden zählt, verursacht nach lt. wissenschaftlichen Studien, dass dieses Mittel das Navigationsverhalten von Insekten und Vögel erheblich stört.
Glyphosat und Monokulturen trägt zu einem Insekten- und Vogelsterben bei. So gibt es immer weniger Pflanzen, wilde Blumen, und Kräuter auf den Feldern, was Insekten und Vögel die Nahrungsgrundlage entzieht - denn Unkraut ist ihre Nahrung.
Glyphosat wird seit 1950 von der Fa. Montesanto synthetisiert und seit 1970 in der Landwirtschaft eingesetzt.
Schon 1974 sang der Barde Reinhard Mey: „Es gibt keine Maikäfer mehr!
„Unsere Enkel erben eine hochgradig verarmte Welt“