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Gartenfreunde

Von Pinnacle Freitag 22.05.2020, 14:44

Gartenfreunde
Joa Bosch ©BJS

An einem wunderschönen Sommertag saß ich völlig entspannt auf der Terrasse und betrachtete glücklich die friedliche Idylle in unserem Garten. Unzählige Schmetterlinge tanzten um den Sommerflieder. Vögel planschten zwitschernd im künstlichen Wasserlauf. Über dem Seerosen-Goldfisch-Teich schwebten blauschillernde Libellen. Ach ja, der Garten war mein Ein und Alles.

Mit der Gestaltung dieses Paradieses hatte ich schon viele Preise gewonnen. Im Regional-Anzeiger wurde über mich bereits achtzehnmal bei der Aktion „Unser Dorf soll schöner werden“ als stolzer Sieger berichtet. Jeder Beitrag, den ich sorgfältig ausschnitt, war mit einem Foto versehen, auf dem mir der Bürgermeister einen Strauß bunter Blumen überreicht. Allerdings waren diese bei weitem nicht so schön wie die meinigen. Auch landesweit bei „Buntes Leben“, wurde mein Fleckchen Erde mehrmals ausgezeichnet.

Wohlgefällig glitt mein Blick über all die üppig blühenden Pflanzen. Dann summten mich Bienen in ein erholsames Nickerchen. Im Traum erschien mir das Festkomitee „Flora Europa“ und überreichte mir einen gewaltigen Triumph-Pokal aus purem Gold. Alle Nachbarn klatschten respektvoll im Takt.

„NEIN“, ein animalischer Schrei holte mich in die Realität zurück. Sybille, mein ach so holdes Weib schmetterte noch ein schrilles „Ohhhhmeingoooott“ hinterher und deutete entsetzt zu dem Fünf-Kaskaden-Springbrunnen. Dieser neigte sich plötzlich immer mehr zur Seite und die drei Alabaster-Putten schütteten ungerührt ihre wassergefüllten Füllhörner auf den braunweißen Himalaya-Kiesel-Weg aus. Das Wasser-Reservoir des Brunnens war begrenzt, aber die Menge reichte aus, um das Fundament so zu unterspülen, dass die gesamte Konstruktion schließlich umkippte und mit gewaltigem Getöse zerbarst. - Totenstille - Kein Zwitschern und Summen mehr. Nur die Pumpe brabbelte ohne Wasser noch vor sich hin, bis auch sie ganz verstummte.

„Das war Grab-Bowski“ schrie ich hysterisch und löste mich aus der Salzsäulen-Erstarrung. Ein göttlicher Zorn überkam mich. Mit zittriger Hand suchte ich nach dem Spaten und schrie: „Diesmal muss er sterben“ Sybille fiel mir in den Arm und flehte: „Bitte, werde nicht zum Mörder“ dann ergänzte sie spöttisch: „Außerdem schaust du in dem Hawaii-Hemd mit der Bermuda - Dreiviertelhose und dem Sandalen-Kniestrümpfen-Arrangement nicht gerade wie Rambo aus“.

Ihren Widerspruch aus Flehen und Provokation überhörend, fing ich fluchend zu Graben an. Zwischen Bruchstücken aus blütenumkränzten Carrara-Marmor- und Alabaster-Fragmenten versuchte ich im schlammigen Erdbrei ein Loch zu schaufeln. Unaufhörlich beseitigte ich das nachrutschende Material bis ich fündig wurde.
„Ha, hiiiiiiier“, schrie ich hasserfüllt „das ist der Beweis“. Grab-Bowski hatte erst einen Stollen und dann einen Schacht direkt unter den Brunnen getrieben.

„Das hat er doch nicht mit Absicht gemacht“, fauchte meine Frau, „außerdem ist der Arme blind“, ergänzte sie aufgebracht. „Fall mir nicht in den Rücken“, schrie ich und keuchte: „morgen kommt doch das Preisgericht vom Bundes-Komitee´ zur Begutachtung meines Gartens und hier schaut es aus, als ob ein gigantischer Meteor eingeschlagen wäre“. Sybille antwortete schnippisch: „Na und? dann bekommst Du diesmal halt keinen Pokal, den ich wie all die anderen ständig polieren müsste“. „Ach ja“, giftete ich zurück, „wegen den sechsundzwanzig hart erkämpften Pokalen machst du so einen Wind?“

Wütend drehte sie sich um und verschwand im Haus. Erschöpft lies ich mich in meinen Designer-Rattan-Chef-Sessel fallen. Meine Bermuda-Dreiviertelhose, das Hawaii-Hemd und der mit Blümchen bedruckte Baumwoll-Sessel-Bezug verklebten mit dem Schlamm auf meinem Gesäß und Rücken dabei zu einer braunen Masse.

Als sich dann der Baldachin-Sonnenschirm bedenklich zur Seite neigte und die zugehörige Bodenhülse wie ein U-Boot aus der Erde auftauchte, blieb ich wie festgepappt im Sessel kleben. Untätig musste ich dabei zusehen, wie Grab-Bowski hurtig einen weiteren Lüftungsschacht freilegte und sein Zerstörungswerk fortsetzte.

Der Notarzt konnte mir nur mit einer Beruhigungsspritze helfen, bis mich die drei Anstalts-Pfleger mit dem Sanka abholten.
Noch in der geschlossenen Abteilung schrie ich wie am Spieß.

Später las mir dann eine Schwester das berühmte Gedicht für Gärtner vor: „Der Maulwurf“ von Wilhelm Busch.
Bei jedem Vers, von Gärtner Knolls Versuchen , das Untier umzubringen, hörte ich zwar völlig unbeweglich, aber ganz belustigt und gelassen zu. Und als Gärtner Knolls Tat endlich vollbracht war, lächelte ich glücklich und zufrieden.
Ich war im wahrsten Sinn des Wortes total gefesselt.


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