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Fredis Glück, Pechvogels Unglück

Von Pinnacle Samstag 11.04.2020, 09:09

Fredis Glück, Pechvogels Unglück
Joa Bosch ©BJS

Nein, Fredi sprach nicht mit sich selbst, es war sein Lebensbegleiter, mit dem er ständig haderte. Denn der Saboteur seines Glücks war Pechvogel, der schon seit der Geburt unsichtbar auf seiner Schulter saß und ihn überall hinbegleitete. Tag und Nacht. Schon in der Schule wollte keiner neben Fredi sitzen, denn er zog das Unheil magisch an.
Später, in seiner Lehre, beim Militär, im Beruf und auch in seinem gesamten Lebensbereich machte ein Jeder einen großen Bogen um Fredi.

Er tat auch immer nur das Falsche. Suchte sich verkehrte Möbel, defekte Autos und nicht die richtigen Freunde aus. Fredi musste früh feststellen, dass er im Restaurant immer das falsche Essen bestellte, jedes Schnäppchen, dass er wollte schon ausverkauft war und der Zigarettenautomat nicht nur keine Packung auswarf, sondern ihm auch noch das Rückgeld verweigerte. Fredi nahm bald jedes Missgeschick als gegeben hin und Pechvogel freute sich über Fredis Handeln in seiner Selbsterfüllenden Prophezeiung.

Pechvogels Rezept war, nur die negativen Zutaten zu reichen, zubereiten tat Fredi alles selbst und sein Begleiter musste nur belustigt zuschauen. Ja, so konnte es immer und auf Ewig weitergehen. Pechvogel fühlte sich bei Fredi sehr wohl.

Es war an einem Freitag, nicht mal der dreizehnte, aber es wurde für Fredi ein sehr schicksalhafter Tag. Es ist das Leben, das mit überraschenden Wendungen, einem den Atem verschlägt. Und es sind diese Momente an dem das Leben gemessen wird und nicht an der Anzahl der Atemzüge.

Fredi kam aus dem U-Bahnschacht und wollte in der City nach einem Sonderangebot eines CD-Players schauen, der bestimmt schon wieder für ihn gerade ausverkauft war. Eiligst ging er durch die sommerlich geschmückte Fußgängerzone und als er eines dieser bekannten Schnellrestaurants passierte, begann sein „Glück“.

Es ist dieser eine berühmte Schritt, bei dem man mit absoluter Endgültigkeit feststellen muss, dass man jetzt in den vor einem liegenden Hundekot tritt!
In diesem Fall war es aber nur eines dieser kleinen Plastikkissen, gefüllt mit pappigsüßen Ketchup, das weggeworfen und harmlos vor dem Restaurant lag. Fredi trat unweigerlich drauf, das Ding platzte und er sah in Zeitlupe den roten Strahl an sich hochsteigen und wie das klebrige Zeugs sich schmatzend über das linke Hosenbein seiner schneeweißen Jeans fraß. Dabei nahm dieses eklige Rot auf dem Hosenbein vom Unterschenkel über das Knie bis hin zum Oberschenkel die Silhouette von der Insel Sylt an, die als Aufkleber an so manchem Auto pappt.

Fredi sagte zu Pechvogel „na Bravo“, Pechvogel kicherte und die Passanten schüttelten nur den Kopf über den jungen Mann mit der Designerjeans. Nicht nur mit der zweifarbigen Hose, sondern auch mit hochrotem Kopf rannte Fredi in das nächste Kaufhaus, dort auf die Kundentoilette und schloss sich verschämt ein. Pechvogel sagte „Und nun du Harlekin?“ Fredi antwortete „lass mich in Ruhe“ und zog die Hose aus. Er begann das gefärbte Hosenbein in dem kleinen Handwaschbecken mit spitzen Fingern und etwas Wasser zu reinigen. Dabei veränderte sich Sylt zu einem rotbraunen Afrika. An der Tür klopfte eine ungeduldige Frau und keifte „das Kind muss Mal!“ Fredi schrie durch die Tür zurück „ein Moment“ und überlegte panisch wie er das Furioso der Farben stoppen könnte.

„Wasser, mehr Wasser“ schrie Pechvogel listig.
Fredi lies sich darauf ein und holte aus der WC-Kabine etliche Lagen Toilettenpaper und verstopfte damit den Waschbecken-Ausguss. Dann ließ er Wasser ein, entleerte den Seifenspender und begann mit einem Rubbel-Schonwaschgang. Dabei achtete er darauf, dass wenigstens das andere Hosenbein sauber und trocken blieb. Es klopfte wieder an der Tür, diesmal war es ein aufgebrachter Mann „was machen Sie denn da, soll ich den Notarzt rufen?“ „Neinnein, bin gleich fertig“ antwortete Fredi gereizt.

Pechvogel krächzte kichernd „Bürste, du brauchst doch eine Bürste“ Jetzt war schon alles egal. Fredi holte aus der Kabine die Toilettenbürste und erhöhte den Waschgang mit kräftigem Schrubben. Afrika verwandelte sich in mehre Subkontinente in ein Flamingorosa mit dezent bräunlichen Grenzen.

„Ich muss jetzt die Aufsicht rufen“ beschwerte sich wieder eine andere gereizte Dame. Fredi schrie ganz entnervt zurück; „Das ist eine Notsituation“ und walkte das Beinkleid regelrecht durch. Das Ergebnis war eine rostbraune Röhre.
Fredi erkannte nun sein sinnloses Tun, stülpte das Etwas von einem Beinkleid über den elektrischen Händetrockner und startete nun das „Trockenprogramm“.

Plötzlich ertönte aus dem Deckenlautsprecher ein „DingDong“ und eine sanfte Frauenstimme vermeldete freundlich „Sehr geehrte Kundschaft, wir schließen in 15 Minuten, bitte beenden sie ihre Einkäufe, vielen Dank für ihren Besuch und beehren sie uns bitte bald wieder“ Fredi war einer Ohnmacht nahe und Pechvogel klopfte sich kreischend mit seinen pechschwarzen Flügel vor Schadenfreude auf die gefiederten Keulen. Hastig zog Fredi die klatschnasse und total verschmutzte Jeans an, verließ seinen „Waschsalon“ und wollte zum Ausgang eilen, als ihm ein Engel entgegentrat.

Eine hübsche und freundliche Verkäuferin sprach ihn sanft an und sagte „ich habe sie schon mit ihrer modischen Jeans kommen sehen und das ist wohl jetzt der neueste Trend? „Fredi stotterte verlegen: „ich hatte nur ein bisschen Pech, keine Zeit und zu wenig Seife“.
Das Mädchen blickte ihn recht lieb an, reichte dabei eine neue blütenweiße Hose und sagte „schauen sie, wir haben hier ein Jeans-Sonderangebot für 9,99 €, wollen sie die noch schnell anprobieren, es ist auch die richtige Größe für sie ?!“

Pechvogel schrie zornig „hör nicht auf das Luder“ Fredi nahm jedoch das Angebot dankbar an und verschwand mit der einfachsten Lösung seines Problems in der Umkleidekabine.
Pechvogel verfolgte das Ganze misstrauisch und zischte „so eine blöde Kuh!“ Fredi antwortete „halt die Klappe“ Nach wenigen Minuten kam Fredi wieder heraus und sagte glücklich: „passt“. Lächelnd nahm die Verkäuferin die schmutzige Jeans aus Fredis Hand und warf sie in den Papierkorb.

Überglücklich bezahlte Fredi bei seiner Retterin und sagte: „weiß gar nicht wie ich ihnen danken soll“
Sie antwortete „Nun, in fünf Minuten habe ich Feierabend und wenn sie mich am Personaleingang abholen, können sie mich ja auf einen Kaffee einladen!“ Fredi spürte 1000 Schmetterlinge im Bauch und sagte freudig zu.
Pechvogel bekam höllische Kopfschmerzen.

Als Fredi dann seinen Engel am Personaleingang abholte, flog ein schöner unsichtbarer Vogel daher und Phoenix sagte zu Pechvogel „mach Platz“, verscheuchte denselben und ein Sommermärchen begann.

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