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Fortsetzung

Von tarena Mittwoch 20.12.2017, 08:48

Mehrere Versuche. Beim Tun entwickeln sich neue Ideen. Ich presse und drücke die eng gewickelte Rolle zu festen Streifen. Als die fertig sind, füge ich sie eng aufeinander, so dass ein rundes Gebilde entsteht , dass immer größer wird. Erst Tellergröße, dann Rad - und schließlich Teppichgröße.
Und was teilt mir da plötzlich eine Mitarbeiterin mit? Das endlos scheinende Band hat sich am Ende ein junger Mann ergriffen und vom anderen Ende her aufgerollt, um etwas damit etwas Ähnliches zu formen. Er arbeitet im Freien.
Ich bin entsetzt, dass ein Mann sich meine Idee zu eigen macht ohne meine Zustimmung.
Habe ich das nicht schon mal erlebt? Als ich als Kunststudentin einen mit einem Tapetenentwurf einen ersten Preis errang. Es gab Geld und viel gute Presse. Da nahm sich ein anderer Student meinen Entwurf, arbeitete ihn zu einem Stoffentwurf um und verkaufte ihn an die Textilindustrieindustrie.
Dieser Ärger treibt mich nun erst recht an weiter zu machen. Ich habe ja schon einen großen Vorsprung. Problem ist, dass sich alles sehr schnell wieder auflösen kann, wenn man die Arbeit nicht immer wieder fixiert. Aber wie ? Da fallen mir Stecknadeln ein, die ich in das Gebilde zur Mitte hin einstecken könnte. Die lassen sich finden. Denn nichts ist von Dauer und schon gar nicht, wenn es aus Papier besteht. Das weiß ich. Aber die Arbeit macht mir Spaß. Und das ist klar, ich werde sie nicht mit nachhause mitnehmen können.

Und das Gebilde wächst und wäscht, schließlich ist ein großer Bodenteppich entstanden, der einen Umfang, d.h. einen Durchmesser von fast 80 Meter erreicht hat. Da immer mehr dunkle Farben auftauchen, beende ich schließlich das Werk. Der junge Ideenklauer hat allerdings Pech. Er arbeitet ja im Freien, der Regen setzt ein und verdirbt sein Werk. So habe ich es einst auch erlebt, die Misserfolge, nachahmen, Versuche, Experimente, neu anfangen und immer wieder ausprobieren bis es klappte.
Inzwischen haben sich die anderen Teilnehmern und Besucher in der Werkstatt eingefunden und begutachten mein Werk. Es scheint ihnen zu gefallen, jedenfalls einige, die sich dazu positiv äußern. Das freut mich, aber wichtiger scheint mir die Freude an der Arbeit gewesen zu sein.

Der Papierteppich leuchtet in vielen Farben, die eigenartige Muster hervorbringen wie die Farben eines ganzen Lebens, helle, warme. kühle, etwas trübe, dazwischen dunkle Flecken, im Großen Ganzen aber schöne Farben und Muster.
Meine Arbeit ist getan. Ich kann die Tagung nun verlassen. Mein Werk überlasse ich dort dem Schicksal und der Vergänglichkeit.

(von einem Traum inspiriert)

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