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Familie Gespenst hat Kummer

Von tastifix Montag 03.03.2025, 07:33 – geändert Montag 03.03.2025, 11:42

In einem prächtigen Schloss lebte hinter den Wänden des Ballsaales in einer fast genauso tollen Geisterwohnung die Gespensterfamilie Stöhnwürg. ´Stöhn`, weil Papa-Gespenst so gruselig seufzen konnte wie kein anderes im weiten Umkreis und ´würg`, weil zum Leidwesen der ganzen Verwandtschaft der kleine Sohn ´Spuck` an dem sogenannten Würgsyndrom litt, dass sich stets bemerkbar machte, wenn sich das untypisch veranlagte Untotenkind etwa besonders gespenstertypisch verhalten sollte. Es war Hopfen und Malz verloren. Der Kleine brachte keine einzige Untat zustande. Versuchte er, böse zu sein, musste er schrecklich würgen. Seine Eltern huschten nachts mit ihrem Sprössling von einem untoten Arzt zum nächsten, doch keiner wusste Rat.

Schier verzweifelt versprachen sie Klein-Spuck das Blaue vom Gespensterhimmel herunter wie eine tolle Ritterrüstung ohne Helm und letztendlich, weil nichts fruchtete, sogar ein wahnsinnig schickes Gespensterauto mit drei Hupen und vierzehn Rädern. Naja, dies endlich besiegte das Würgsyndrom, das ja für das unbanaständig anständgie Verhalten des Kleinen verantwortlich gewesen war.
„ch will es aber erst angucken, bevor ich dann … “
„Blöd ist er nicht!“, gestanden hen
„Versprichst Du uns denn, heute Nacht etwas wirklich Furchtbares anzustellen?“
Beim Gedanken an das Auto nickte Spuck.

Also durfte der Kleine am Abend mit Papa Stöhn zum drei Schlösser weit entfernten Geisterautohaus fliegen. Spuck staunte, was er dort alles zu sehen bekam. Einige Autos sausten wie verrückt im Kreis herum, derweil deren Motoren, wie es sich bei echten Geisterautos geziemt, aufheulten wie mindestens zehn Meistergespenster gleichzeitig. Zudem stanken sie pflichtgemäss grauenhaft nach Benzin.
Andere schossen auf Befehl pausenlos Purzelbäume oder rasten gar durch dickes Mauerwerk, ohne dabei Beulen oder auch nur Schrammen zu bekommen. Vor ihnen war nichts sicher.
Spuck quengelte den genervten Eltern so lange etwas vor, bis die, besorgt um die Gespensterfamilienehre, nachgaben und ihm mit furchtbar vielen zerknitterten Geistergeldscheinen ein solches Horrorgefährt kauften.
„Aber vergiss nicht: Du darfst auf keinen Fall irgendwelche Verkehrsregeln beachten. Sonst landest Du im Geistergefängnis!“

Das giftgrüne Riesengeschenk half denn endlich. Erleichtert beobachteten Papa und Mama Stöhnwürg in dieser Nacht, dass Spuck wohl Unvernunft angenommen hatte. Wie ein wild gewordener Handfeger raste er mit seiner Karre kreuz und quer durchs Schloss, riss die gesamte Ahnengalerie des Schlossherrn von den Wänden, schleuderte das wertvolle Mobiliar durch die Luft und jagte wie ein Düsenjäger durch zerklirrende Fensterscheiben. Es wurde ein solch schlimmes Getöse, dass sich selbst die erwachsenen Gespenster die Nebelohren zuhielten oder Kopfhörer aufsetzten, weil sie es vorzogen, sich stattdessen von zwar gruseliger, aber längst nicht so dröhnender Geistermusik unterhalten zu lassen.
„Junge, prima!“, lobten Papa und Mama Stöhnwürg stolz. „Er ist geheilt! Wenn Spuck so weiter macht, wird er eines Tages ein Oberprofessorgespenst wie sein Onkel Buhuuh!“
Allein bei dem Gedanken daran rollten Spucks Mutter gespenstische Freudentränen übers Gesicht.

Hundert Jahre später gab es im ganzen Land fast nur noch Schlossruinen. Das ehemals aus der Art geschlagene Gespensterkind war zu einem extrem tüchtigen Gespenst heran gewachsen, hatte als Prüfungsaufgabe für die Ernennung zum Oberoberprofessorgespenst den Auftrag bekommen, mföglichst viele der Prunkgebäude Zerstörung der Prunkgebäude weit und breit zu erledigen und dies bestens gemeistert.
Ein paar Jahre darauf, amTag seiner feierlichen Stöhn-röchel-und-schepper-Ernennung zum obersten Gespensteruniversitätsleiter der Universität ´Stirb-vor-Schrecken` saßen seine Mama und sein Papa sowie sämtliche Verwandten in der vordersten Reihe im Publikum und hätten sich vor Begeisterung fast tot applaudiert, wenn sie es denn nicht ohnehin schon gewesen wären.
Als Anerkennung für seine gruseligen Verdienste durfte sich ´Spuck` nun ´Gräuelmonster`nennen - die denkbar größte Ehre für ein Gespenst.
Das Familienansehen war gerettet, die Gespensterwelt wieder in bester Ordnung.

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