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Eine verlorene Geschichte Teil 1

Von Fiddigeigei Donnerstag 18.10.2018, 14:40

Capitaine Antoine Allard
Bei meinen vielen Alleingängen durch diese herrliche Natur , die auch die „Goldenen Au“ genannt wird, lief ich bereits vor vielen, vielen Jahren, es mögen 30 oder sogar mehr Jahre her sein - hoch zwischen Reben und Wald gelegen- an einem einsamen Gedenkkreuz vorbei. Natürlich habe ich angehalten und bin schnaufend verweilt, ohne mir etwas dabei zu denken.
Gedenksteine und Wegkreuze gibt es in unserer wunerderschönen lieblichen Heimat genug. Sie erinnern an tödliche Unfälle, zeigen an, dass für uns Menschen Endlichkeit besteht, oder aber sie ermahnen den Vorbeieilenden stehen zu bleiben und mit einem Dankgebet an den Schöpfer dieser Natur, an den Gott von dem sich jeder sein eigen Bild aufstellen mag, in Ruhe zu gedenken.
Meist tragen diese Kreuze und Steine die Last hunderter von Jahren. Alt und ehrwürdig, mit Moosen bewachsen, aber mit erhobenen Häupter!
Ich kenne sie fast alle diese Kreuze , die Steine mit ihren verwitterten Inschriften. Tod und Sterben von Müttern, Vätern und Kinder. Tödliche Unfälle bei schwerer Arbeit. Mord und Totschlag. Vergewaltigung und Räuberei. Geistergeschichten plastisch eingemeißelt und ausgemalt.

Wenn ich nachts oder beim Übergang vom Licht zur Dunkelheit an solchen Kreuzen und Steinen vorbei laufe werde ich schneller. Dann denke ich an die in Stein geschriebene Geschichten und der Gekreuzigte erscheint mir bedrohlich. Blicklos geht es vorbei. Manchmal mit Gänsehaut und schaudern!

Genau vermag ich nicht mehr zu sagen, wie oft ich an dem einsamen Gedenkkreuz, dort oben zwischen Reben und Wald vorbei gelaufen bin ohne es weiter zu beachten. Es war aus meinem Wahrnehmungskreis entschwunden und die Inschrift kannte ich ja auch:
„Capitain Antoine Allard“
Viele Jahre später, diese Strecke war ich lange schon nicht mehr gelaufen, blieb ich stehen. Es war an einem trüben Novembertag im letzten Jahr und irgendwie bekam ich das Bedürfnis, mir die Inschrift auf dem aus Granit gehauenen Kreuz genauer anzusehen. Jetzt erst fielen mir die eingeschlagenen Jahreszahlen auf:
„1920 Capitain Antoine Allard 1945“.
Mit Fortsetzung folgt

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