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Ein Eifel Krimi Teil 2

Von Fiddigeigei Freitag 13.07.2018, 14:16

Jean Luc beobachtete das Haus und seine Bewohner einen ganzen Tag lang und erst in der Dunkelheit ging er durch den schmalen Heckeneingang an die Haustüre.
Die Türe war nicht abgeschlossen, wozu auch und so trat er in die Stube, in der Marie und Karl gerade im Schein einer Petroleumlampe beim kargen Abendessen saßen.
Jean Luc sprach nur Französisch und als er merkte die Beiden verstanden ihn nicht, setzte er sich an den Tisch zog alles zu sich hin und verschlang gierig Brot, Kartoffeln und Quark.
Er zeigte ihnen seinen Messer und machte eine schnelle Bewegung an seinem Hals entlang. Dann trieb er sie in den oberen Stock wo die Betten standen. Er selbst legte sich unten in der Nähe der Türe und verriegelte sie, den Schlüssel steckte er ein.
Mit dem Morgen kam das Grauen zurück.
Er verlangte Kaffee und Brot, strich sich dick Butter auf. Dann packte er Marie von hinten um den Hals und setzte ihr das Messer, an dem noch das Blut des Wärters angetrocknet war, an die Kehle. Er deutete Karl an: „Wenn du wegläufst ist Marie tot“.
Er ging mit beiden auf den Hof und Karl musste 2 Hühner und ein Kaninchen abschlachten. Die musste Marie für ihn braten. Er aß die Hühner zu Mittag, schlang wie ein Wolf gierig und unbeherrscht.
Abends machte er sich über das Kaninchen her und da fiel Karl ein, dass im Keller ein Fässchen mit Viez, Apfelmost lagerte. Er machte Jean Luc das Zeichen für trinken und er holte eine große Kanne des Mostes. Wie lange hatte der kein Alkohol mehr gehabt und so trank er unbeherrscht gleich eine zweite Kanne hinterher.
Wie gestern jagte er das Paar nach oben, legte sich vor die Türe, die er abschloss und fiel durch den Alkohol in einen tiefen Schlaf.
Karl und Marie lagen zitternd in ihren Betten und horchten auf die Geräusche, die sie von unten hörten. Als das Schnarchen von Jean Luc an Lautstärke zu nahm, legte Karl die Finger an seine Lippen. Unter seiner Strohmatratze verwahrte er für alle Fälle schon immer eine Knüppel aus Rotbuchenholz. Dann standen beide leise auf. Marie hatte eine Kerze angezündet und sie gingen hintereinander die Holztreppe hinab. Sie kannten jede Stufe genau und traten nur da hin wo sie nicht knarrten.
Es klang dumpf, als Karl dem Mörder die Schädeldecke einschlug und er schlug in seiner Wut noch dreimal zu, obwohl Jean Luc bereits nach dem ersten Schlag das letzte mal in seinem fürchterlichen Leben geschnarcht hatte.
Sie holten aus der Küche den Trog, indem sie immer das Schwein schlachteten und warfen den leblosen Körper in den Trog.
Dann legten sie sich wieder in ihre Betten und schliefen wieder ruhig, wie sie es gewohnt waren. Das sie nun selbst zu Mördern geworden waren, war ihnen nicht bewusst.
Der neue Morgen war heiter, das Grauen von gestern vergessen.
Nach dem gewohnten Frühstück, zerrten sie den Trog mit der Leiche an die Rotbuchenhecke hinter dem Haus. Sie lehnten eine lange Leiter an, die Karl sonst zum Schneiden benötigte. Er nahm ein starkes Seil, stieg auf die Leiter und führte es durch eine starke Astgabel. Unten banden sie Jean Luc das andere Ende unter den Armen hindurch und begannen den Toten wie auf einer Schiene gleitend die angelehnte Leiter hinauf zu ziehen.
Karl stieg nach und verflocht den Leib des Mörders,- dabei dessen Arme ausgestreckt, wie bei einem Gekreuzigten, kunstvoll alle Gliedmaßen mit den Ästen und Zweigen der Rotbuchenhecke, die gerade begann auszutreiben.
Dann lösten sie das Seil ab. Jean Luc war in luftiger Höhe gekreuzigt.
Bis zum Sommer würde man ihn durch das dichte Grün der Blätter nicht mehr sehen.
Krähen und Raben umflogen täglich diese Stelle und als der kalte Herbstwind die Blätter in die Luft wirbelte war das Gerippe allen Fleisches beraubt, bereits festes Bestandteil der Hecke geworden.

Nach 2 Jahren, da ohne weitere Vorfälle, wurde die Akte des Verbrechers Jean Luc bei Europol in Den Haag vorläufig als ungeklärt geschlossen.
Vermerk: „ Es liegt die Vermutung nahe, dass der Gesuchte im Hohen Venn nach seinem Ausbruch umgekommen ist“.

Karl holte noch viele Jahre sein Rentengeld im Postamt ab und tätigte seine Einkäufe. Doch eines Tages kam Karl nicht mehr. Der Postamtsleiter meldete den Fall der örtlichen Polizei. Zwei Polizisten sollten bei den Meners vorbeischauen. Die Polizisten fanden das alte Paar eng umschlungen in den Betten liegend. Die Verwesung war bereits eingetreten. Ein Fall für die Pathalogie. Der Befund wie und durch was das Paar seinen gemeinsamen Tod fand ist noch nicht geklärt.

Auf dem Küchentisch fanden die Polizisten das umfangreiche Geständnis einer gemeinsam begannenen Mordtat, wobei von einem „Belgier“ die Rede war. Eigenhändig unterschrieben von Karl und Marie Meners

Die Polizisten gingen sofort hinter das Haus und sahen in 8 Meter Höhe ein menschliches Gerippe, welches völlig in die Rotbuchenhecke eingewoben war.
Aus den Augenhöhlen und dem eingeschlagenen Schädeldach wuchsen Äste heraus. Ein grausiger Anblick.

Man vermutete den Vermissten Jean Luc gefunden zu haben und veranlasste eine DNA- Untersuchung.

Im Archiv der Europol/Den Haag wurde die Akte des Jean Luc das letzte mal herausgesucht und mit dem Stempel „Erledigt“ in drei Sprachen versehen.

Oskar Carlos
gewidmet einem Eifelhörnchen namens Öcherchen auf Badisch Öcherle. Es hat mich auf der ganzen Wandertour von Trier nach Aachen begleitet . Wir waren richtige Wanderkumpel geworden in den 8 oder 10 Tagen unseres Beisammenseins.



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