Die Verstopfung
Von
tarena
18.03.2018, 18:50 – geändert 18.03.2018, 18:52
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tarena
18.03.2018, 18:50 – geändert 18.03.2018, 18:52
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Die Sitzung hatte wieder mal sehr lange gedauert. Am dritten Tag infolge endete diese wieder ergebnislos, dabei war sie doch sonst eine so erfolgreiche Geschäftsfrau. Sie hatte schon mit Floh- Lein - und anderen Samen gehandelt. Doch der Erfolg blieb aus. Sie musste nun zu härteren Maßnahmen in ihrem Betrieb greifen.
Also wurde die Sitzung auf den nächsten Tag verschoben. Sie bekam deswegen schon richtig Bauchschmerzen. Nun hatte sie heute Abend in zwei Stunden noch etwas vor. Sie musste sich beeilen.
Denn heute stand die Premiere von Falstaff auf dem Spielplan.
Sie begann sich auf den Abend vorzubereiten. Die immer wiederkehrende Frage. Was ziehe ich an? Nach Öffnen des Kleiderschranks quoll ihr der Kleidersegen nur so entgegen.
Mal sehn, ob mir das schicke kleine Schwarze noch passt, das hautenge elegante, dass mein Man so liebt, überlegte sie.
Beim Überziehen, o je, bekam sie es kaum noch über ihre Leibesmitte. Sie drehte und wendete sich vor dem Spiegel. Unmöglich, es platzte ja aus allen Nähten. Ob das auch eine Folge ihren erfolglosen Sitzungen der letzten Tage war? Und ist sie nicht auch unregelmäßig in letzter Zeit im Fitnessstudio gewesen? Da hatte sie nun die Quittung in form von zwei Leibesringen. Also musste der alles umspielende, glitzernde Hänger her.
Beim Frisieren rief ihr Mann von der Autobahn aus an. " Schatz, es wird später, wenn ich es überhaupt noch schaffe, die Autobahn ist völlig verstopft, wahrscheinlich wieder ein Auffahrunfall. Fraglich, ob ich es überhaupt noch rechtzeitig schaffe. Ich versuche es dann wenigsten gleich bis zum Theater zu schaffen." " Oh Gott, war gleich ihr zweiter Gedanke, er wird dann nur in seinen legeren Alltagsklamotten kommen können. Wie peinlich bei der Premiere, wo ihn so viele als Stadtrat kennen. Egal, was die Leute denken, Hauptsache er kommt überhaupt heil nachhause bei diesem unsäglich dichtem Verkehr auf den Straßen. Der Verkehr war oft kurz vor dem Infarkt.
Ebenso wie ihr Vater, der seit kurzem bei ihnen wohnte, weil es nicht mehr alleine leben konnte. Für ihn hatte sie noch rechtzeitig einen Opasitter besorgt, denn man konnte ihn auch nicht mehr zuhause allein lassen. Er war jetzt zusätzlich zu seinem Hochdruck auch noch erblindet und stolperte in seinem völlig zugestelltem Zimmer ständig gegen irgend ein Möbelstück. Er konnte sich so schwer von seinen Sachen trennen und wollte soviel wie möglich von seinen vertrauten Möbeln um sich haben. Ein völlig verstopftes Zimmer.
Selbst ihre eigene Wohnung, nein ihr beider Haus war mit der Zeit der gelebten Jahre völlig überladen an Kunst, Bildern, Büchern, Kleidern und dergleichen mehr. Ein ständiger Kampf gegen den Überfluss. Und keiner wollte etwas haben, die Freunde, Verwandte, selbst die Kinder nicht. Wohin damit? Die Bücherstuben nahmen nichts mehr an. Die Kleiderkammern quollen über, die Bedürftigen pickten sich auch schon nur die Rosinen raus, vieles noch gut Tragbare wurde dann dem Reißwolf übergeben.
Viele Antiquitäten hatten an Wert verloren. Auf Flohmärkten wurden sie zu Ramschpreisen verkauft. Die gelben Säcke vermehrten sich ständig, so viele Parkbänke konnten gar nicht daraus recycelt werden. Die Meere spülten die Plastikrückstände zurück an den Strand, was die Fische nicht verschluckt oder gefressen hatten.
Ihr wurde ganz schlecht bei diesen Gedanken, wie sich die Welt, die Umwelt, so dramatisch verändert hatte. Wie ein überblähter Bauch spuckte die Natur alles aus, was sie nicht verdauen konnte. Sie wurde richtig krank. Und ihr ging es genau so, ihr Magen drückte.
So war sie Täterin und Leidende zugleich. Sie hatte nun einfach keine Lust mehr ins Theater zu gehen, sie ließ ihre Karte verfallen.
Sie versuchte es lieber noch mal mit einer Sitzung.