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Die untote, tote Oma (1)

Von tastifix Donnerstag 23.04.2026, 11:07 – geändert Freitag 24.04.2026, 07:20

Katharina, unsere Jüngste, zfog aus und übernahm Omas 70qm-Wohnung vier Stadtteile entfernt. Nach Transport all der Kisten plus des TVs, des Laptops und vor allem der Sting-CD-Sammlung in die 98zigste Etage - Fahrstuhl gab es nicht - kam der Abschied, denn sie wollte probeschlafen. Ttotal groggy vom gemeisterten Fitnesstraning und ziemlich bedrückt düsten wir h.eim. Uns beschäftigten Sorgen ums Wohlbefinden unserer Tochter. Zum Glück erinnerte ich mich an:
´Wen was ist, ruf am!`
Gleichfalls völlig erschöpft und auch etwas traurig ieß Katharina derweil alles stehen und liegen, verschwand ins Bett und schlief sofort ein ...

Es schellte Sturm, Katharina schreckte aus dem Tiefschlaf auf und schielte verdrossen auf den Wecker.
„Hääh? - Punkt Mitternacht!“
Schlagartig war sie hellwach und hatte Panik.
„Einbrecher! - Nee, die würden nicht klingeln!!“, grübelte sie und gedachte unserer.
„Sie hätten zuvor angerufen!“
Es scheltte hartnäckig weiter, Katarina krbste aus dem Bett und zur Tür.
„Wer ist denn dort?“
Auf der anderen Seite blieb es Unheil verkündend still. Dann aber schallte es ihr bleidigt entgegen:
„Hm, wenn Du nicht öffnest, dann eben anders!“
Einen Moment drohte Katharina in Ohnmacht zu fallen, denn neben ihr stand plötzlich eine Gestalt mit kalkweißem Gesicht, einer Stimme wie aus einem Grab und eingehüllt in ein wallendes, ebenso weißes Leinengewand. Keines Wortes fähig starrte unsere Tochter aus entsetzensgeweiteten Augen ihr Gegenüber an.
´Bin ich verrückt geworden?`
„Begrüsst Du etwa so Deine Oma?“, versetzte die Gestalt und huschte zielsicher ins Wohnzimmer.

Inzwischen hatte Katharina ihr logisches Denkvermögen zurück und war also in der Lage, sich stotternd zu äußern:
„A.. Aber, Du bist doch tot!“, hauchte sie und beobachtete die für eine Bewohnerin des Jenseits ausgesprochen lebendig um den Wohnzimmertisch herum wuselnde Großmutter.
„Papperlapapp!“, bemrkte die ungerürht. „Jetzt aber fix! Gleich werden sie hier sein.“
„Be...Beeilen?“, röchelte Katharina. „Wieso das denn? - Und ´sie`? Komen wa noch Welche?“
Oma überhörte es, griff sich die auf dem Tisch verbliebenen Kaffeetassen und stellte sie zurück in die Vitrine.
„Also nein, wie altmodisch! Höchste Zeit, dass ich dein Stilgefühl auf Vordermann bringe!“
Katharina blieb erneut die Sprache weg, denn bei dem angefeindeten Service handelte es sich um Omas eigenes. Irritiert sah sie zu, wie Oma, lautlos durch den Raum schwebend, mit einem denn wahrlich ungeheuer sicheren Gespür für guten Geschmack den Tisch in eine Mini-Tafel verwandelte.
´Komisch! Das hätte ich ihr denn doch nicht zugetraut!`
Der Anblick dessen, was sich dort nun präsentierte,verschlug ihr den Atem. Sechs Kaffeegedecke schmückten denTisch, aber, weil der extrem klein war, wurds zu eng und dieTassen mussten sich mit einem ungewöhnlichen Platz zufrieden geben. Sie schwebten eine jede rechts vom Teller in der Luft.
„Himmel!“, meinte Katharina.
Ja, der bewies nun, dass er unbezweifelbar mitmischte, denn jetzt folgte der Clou: Mit vor Eifer gerötetem Gesicht beschrieb Oma mit einer eleganten Handbewegung einen Kreis über jedes Gedeck.
´Und jetzt??`
Die verschnörkelten Tassen und Teller verfärbten sich grellblau und winzige Putten in Pink und Neongrün lächelten holdselig den Betrachter an.
´Ob es denen bei ihrem eigenen Anblick neongrün vor Augen geworden ist?`, dachte Katharina.

„Na, echt cool, nüch?“
„Abaa Oma, wie redest Du denn?“
„Macht man heutzutage so, Kind!“, antwortete die selbstbewusst Antwort und setzte ihrem Werk die I-Tupfen-Krone auf.
Kritisch den Tisch betrachtend, schnippte sie mit den Fingern. Zunächst erkannte Katharina nur ein schwaches Licht, aus dem sich Ringe formten, die sofort den ihnen offensichtlich vorbestimmten Platz ansteuerten, derweil ständig intensiver leuchteten und dann gelbgold blitzend über den Tassen und Tellern schaukelten..
„Ochnee! Heiligenscheine!! - Den für sich selber hat se aber vergessen!“
Wegen der Vielzahl der unirdisch/überirdischen Vorkommnisse in dieser Nacht verkraftete Katharina das Ganze bereits etwas gelassener.

Oma hatte andere Sorgen, denn sie erwartete vierfachen Besuch.
„Schnell, die Pizzatorte!“
„P..Pizzatorte?“, wiederholte Katharina ungläubig und war kurz davor, endgültig vom Glauben abzufallen.
„Klar doch. In fünf Minuten haben wir Gäste!“
„Wo willste denn so fix ´ne Torte her nehmen?“
„Backen, was denn sonst!“
Oma griff in die Luft und hielt eine Tüte Mehl in der Hand, stellte sie auf den Tisch und fasste nochmals ins Leere. Diesmal waren es eine Packung Tomaten wie auch mehrere Gewürzdosen, dann folgten Eier, Käse und noch wie die Vögel im Schwarm hintereinander her fliegende Salamischeiben. Katharinas Gelassenheit war dahin.
„U..Und n..nun?“, stotterte sie schwach.
„Ganz einfach!“, meinte Oma, kippte das Mehl und sämtliche übrigen Zutaten zusammen, vergaß dabei mitnichten die Gewürzdosen, was ihre Enkelin wiederum in extreme Zweifel stürzte, vor allem den eigenen, inzwischen ziemlich angegriffenen Geisteszustand betreffend.
„Irre!“, murmelte sie. „Entweder ´es` oder gar ich!“
„Oma!“, mahnte sie als liebevolles Enkelkind sich krampfhaft zusammen reißend ihre wild den Teig rührende Ahnin: „Die Gewürzdosen ... Und zudem sind die Deckel noch drauf!“
Aber da verkannte sie ihre Oma total. Die mengte weiter:
„Hach, ihr jungen Dinger von heute habt wirklich überhaupt keine Ahnung! Gewürzdosen und gar ohne Deckel, tz, tz. Jeder gute Bäcker weiß, dass vor allem die mit Deckel dem Teig den scharfen Pfiff geben!“

Katharina schwieg lieber. Geplättet sah sie der emsigen Bäckerin zu, die sich die Arbeit gänzlich unemsig immens erleichterte und die selbe per kurzem Kopfnicken erledigte. Die Torte geriet nicht nur makellos rund, sondern auch noch mindestens dreißig Zentimeter hoch.
„Oma, die passt doch nicht ... Ich mein`, der Backofen ist doch viel zu klein dafür!“
„Papperlapapp!“, bekam sie zu zum zweiten Male in dieser des Gedenkens würdigen, merkwürdigen Nacht zu hlören.
Katharina sah ein, dass es wohl nichts gab, was es nicht gab. Oma klatschte nämlich in die Hände, die Torte begab sich in ruhigem Flug auf die Reise in Richtung der sich bereits hilfsbereit öffnenden Backofentür, schlüpfte problemlos hinein und stellte sich auf das passende Blech ...

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