Die schüchterne Rose
Von
tastifix
Donnerstag 16.04.2026, 11:21 – geändert Samstag 18.04.2026, 23:37
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tastifix
Donnerstag 16.04.2026, 11:21 – geändert Samstag 18.04.2026, 23:37
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Es war einmal eine Rose. Aber anders als all die anderen Blumen im Beet des wunderschönen Schlossgartens trug sie nur eine winzige Knospe, die sich auch nicht öffnen wolle. Geknickt schaute sie auf die Anderen, die stolz ihre prachtvollen Blüten präsentierten.
Doch leider waren sie sehr versnobt und schauten auf die kümmerlich wirkende Rose geringschätzig herab.
"Und Du willst eine Rose sein? Wo bleibt denn Deine Blüte? Wir müssen uns ja schämen, wie Du ausschaust!“
Isi war am Rand des Beetes eingepflanzt worden und schmiegte sich total eingeschücthert an die Schlossmauer.
„Ohne eine Blüte bin ich doch nichts wert!“
Die Rose war froh, dass sie den Besuchern des Gartens, so an die Mauer gelehnt, nicht sofort auffiel.
´Vielleicht würden sie gar sagen, dass man mich ausgraben und in den Abfall werfen solle?`
Unglücklich stand sie dort und wagte kaum mehr, die vielen tollen Blüten um sich her zu betrachten. Sie litt immer mehr darunter, nicht ebenso hübsch zu sein wie sie. An manchen Morgen, wemn überall Tautropfen an den Blättern der Blumen hingen, wirkten diese an den ihrigen fast wie Tränen.
Isi wusste ja nicht, dass das Schloss mit seinem Garten in einem Märchenland stand, in dem auch Elfen wohnen. Eine solche Elfenfamilie hatte sich den Baum in jenem Garen als Heim ausgewählt. Hoch oben in einer Astgabel war ihr Haus zu erkennen, das mit seinen zwei Türmen wie eine Miniausgabe des Schölosses ausschaute. Fast genauso hübsch, beinahe genauso romantisch. Nur gab es dort keinen Garten, obwohl … Der Baum war ein Apfelbaum und im Frühling trug er über und über weiße Blüten.
„So haben auch wir einen eigenen Garten!“, freuten sich die Elfen.
Die Eflenkinder hatten sich mit den Bienen und Hummeln angefreundet, die eifrig von Blüte zu Blüte brummten. Die Wespen aber mieden sie, denn die waren sehr schnell beleidigt und wurden dann arg biestig.
„Nein, vor denen sind wir auf der Hut!“
Die Bienen und Hummeln aber erzählten den Elfen alle Neuigkeiten. Eine Biene war besonders zutraulich. Die Elfenkinder mussten gar nicht erst fragen. Die kleine Micki berichtete auch so alles, was sich im Garten und in der Umgebung so zutrug. Zwar bekamen die Elfen auch selber viel mit, aber eben nicht alles und sie hörten neugierg zu.
Eines Tages schwirrte Micki sehr unruhig herum.
„Was ist los, Nicki?“
„Denkt mal: Dort im Blumenbeet steht eine Rose und scheint ganz traurig zu sein. Sie trägt keine Blüte wie die Anderen und wird von denen verspottet!“
„Keine Blüte? Aber wieso denn nicht?“
„Ja, da ist nur eine kleine Knospe, aber die öffnet sich nicht!“
„Und die Anderen sind dermaßen gemein zu ihr?“
„Ja, und sie versucht sich sogar zu verstecken, lehnt völlig eingeschüchtert an der Schlossmauer!“
„Achjee, das Arme!“
„Wir werden der helfen!“, beschlossen die Elfenkinder. „Micki, aber verrat es nicht. Soll eine Überraschung werden!“
Vor Freude tänzelte Micki vor ihren Elfenfreundinnen noch aufgeregter herum, aber die kannten Mick ja schon recht lange und waren sich sicher, dass sie nichts sagen würde.
„Klar halte ich dicht!“, brummte Micki stolz, dass die Elfen sie eingeweiht hatten.
Auf die kleine Biene wartete noch viel Arbeit an diesem Tag und so flog sie davon.
Mindestens genauso aufgeregt überlegten die Elfen, wie sie vorgehen würden.
„Flirri, Du hast doch immer so tolle Ideen ...“
„Stimmt!“. lächelte Flirri, das etwas älere Elfenkind. „Ich weiß auch schon, wie ...“
„Sag doch, bitte!“
Doch Flirri schwieg, breitete die Flügel aus und flirrte zur Schlossmauer. Dort entdeckte sie die kümmerliche Rose, die die Blatter hängen ließ und deren winzige Knospe kaum zu sehen war.
„Hallo! Ich bin Flirri. Wie heißt Du?“
„Isi!“, kam wie ein Hauch zurück.
„Du, Biene Micki hat mir erzählt, dass es Dir gar nicht gut geht .“
„Ja, siehst Du ja. Meine Knospe will sich nicht öffnen und ohne Blüte bin doch keine Rose. Und deshalb sind die Anderen so gemein zu mir.“
Flirri musterte die versnobt und hochnäsig schauenden Rosen ringsumher. Sie wurde wütend:
´Na, wartet! Ihr werdet Euch wundern!`
„Isi, ich werd Dir helfen!“
„Aber wie denn?“
„Ich grab Dich aus und pflanze Dich an der schönsten Stelle des Beetes wieder ein!“
„Aber Flirri, wenn Du mich hier raus holst, gehen doch meine Wurzeln kaput!“
„Nein, lass mich nur machen! Bin gleich zurück!“
Flirri flog nachhause, holte eine winzige Schaufel und war dann wenige Minuten später wieder zur Stelle.
„Keine Angst, Isi. Dir passiert nichts!“
Aber klar hatte Isi Angst, als die Schaufel ins Erdreich stach.
„Mir tuts ja wirklich nich weh! Alle Wurzeln sind heil geblieben!“
Vor den gehässig zuschauenden Rosen hob Flirri Isi aus der Erde. Der Ballen Erde unter Isis Wurzeln war mehrere Zentimeter dick.
„Pööh! Was hat die denn mit der vor?“ , empörten sich die Pflanzen.
„So, Isi: jetzt such Dir mal den Platz aus, an dem Du stehen möchtest.“
„Wie?“
Die schicken Rosen waren sauer. So etwas war hier ja noch nie vorgekommen.
„Flirri, da vorne, dort, wo viel mehr frische Erde ist!“
Flirri setzte Isi also in den Boden, drückte die Erde ringsum fest, griff ein winziges Tütchen Dünger aus ihrer Kleidertasche und verteilte ihn auf der Erde. Isi sah ihr aufmerksam zu. Die Rose war nicht mehr ganz so traurig.
„Flirri?“
„Ja, Isi?“
„Dankeschön! Vielleicht wächst die Knospe ja jetzt und dann hab ich bald auch eine schöne Blüte!“
„Ganz bestimmt sogar!“
Flirri nahm sich zusammen, denn Isi sollte nicht wissen, dass sie noch eine Überraschung erwarten würde.
Trotz der Freude war Isi auf einmal wieder bedrückt:
„Flirri, aber was wird im Winter mit mir werden? Dann geh ich bestimmt kaputt. Hab ja nicht soviel Kraft wie die Anderen und wenn dann Schnee fällt … “
Da konnte es Flirri nicht mehr für sich behalten:
„Nein, isi, Du wirst nicht verwelken! Deine Blüte wird eine viel schönere Farbe zeigen als all die Anderen hier und, wenn dann Schnee fällt, wird er Dich wie ein Wintermantel vor der Kälte schützen!“
„Ja, aber Schnee ist doch selber so kalt?“
„Dir wird er nichts anhaben. Du wirst immer wieder blühen, viele Jahre lang und die Menschen werden Dich bewundern.“
„Und die Anderen? Was wird mit denen?“
„Isi, die werden dafür büßen, dass sie so fies zu Dir waren und vergehen!“
Einen Moment lang schwieg Isi, doch dann:
„Flirri, das ist grausam. Bitte, lass sie nicht sterben. Vielleicht ist die Strafe doch hart genug, wenn sie nie eine so schöne Blüte tragen wie ich dann. Bitte!“
Flirri schaute Isi gerührt an.
„Weißt Du, Isi? Irgendwie habe ich damit schon gerechnet, dass Du mich darum bitten würest. Damit Du wieder froh bist, verspreche ich Dir, dass es genauso kommen soll!“
„Flirri, jetzt freue ich mich ganz doll!“
Die Rosen um sie her schämten sich. Nie wieder bekam Isi freche Bemerkungen zu hören. Nach wenigen Tagen öffnete sich Isis Blüte und wurde riesig. Es war eine besondere Blüte und leuchtete in allen Farben. Keine andere Rose besaß eine ähnlich tolle Blüte. Doch selbst die einst so gehässigen Blumen neideten es Isi nicht. Es kam, wie Flirri es angekündigt hatte: Noch viele Jahre lang wurde Isi bewundert und zauberte mit ihrem hübschen Aussehen den Menschen ein frohes Lächeln ins Gesicht.
Die Eflenmutter nahm ihr Töchterchen Flirri in den Arm:
„Flirri, das war toll! Ich bin sehr stolz auf Dich!“