Die Feuertaufe
Von
tarena
Donnerstag 12.04.2018, 17:35 – geändert Donnerstag 12.04.2018, 19:47
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Donnerstag 12.04.2018, 17:35 – geändert Donnerstag 12.04.2018, 19:47
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Sie stöhnte. Ein unverständliches Murmeln kam über ihre geschwollenen Lippen. "Ella, Liebling, kannst du mich hören, verstehen?" Jack beugte sich ganz tief über sie. "Was hast du gesagt?" Ein erstes Zeichen nach wochenlangem Koma. Sie blinzelte, und aus dem weißen dicken Kopfverband öffnete sie langsam ihre dunklen Augen und blickte ihn groß an, nein, mehr durch ihn hindurch. Ihre Augen glühten wie zwei Kohlen aus einem Schneemann, denn sie steckte, bis auf ihre Augen, Mund und Nasenspitze ganz in einem weißen Verband.
" Mir ist heiß. Ich brenne. Ich habe Durst." wimmerte sie. Das waren seit Wochen ihre ersten Worte. Jack atmete auf. Sie wird leben, Gott sei Dank und vor allem den vielen Ärzten sei Dank, die sie schon oft und lange behandelt hatten. Er schob vorsichtig einen Strohhalm zwischen ihre verquollenen Lippen, und sie konnte erstmalig wieder selbst trinken. Der künstliche Tropf war entfernt worden." Wo bin ich?" waren ihre nächsten Worte. "Schatz, du lebst und wirst bestens versorgt," munterte sie ihr Freund auf. Am liebsten wollte er sie gleich in den Arm nehmen, aber das ging noch nicht.
Er besuchte sie täglich und erzählte ihr nach und nach das Geschehene, dass sie bei ihrem 10000 KiloMeterlauf im outback nach 25 km in einen Feuersturm geraten ist, aus dem sie nur noch ein Helikopter retten konnte. Leider zu 65% sollte ihr Körper, ihre Haut und Haare verbrannt sein. Sie stöhnte wieder, aber sie sagte: " Mein Gott, ich lebe ja noch und ich habe dich, ich will leben." Er warf ihr eine Kusshand zu, berühren konnte und durfte er sie noch nicht. Er freute sich, dass sie trotz größter Verletzung ihren Lebensmut nicht verloren hatte. Sie war immer ein positiver Mensch gewesen, hatte gerade ihr Jurastudium mit Erfolg abgeschlossen. Sie war außerdem sehr sportlich und vor allem auch sehr hübsch. Mit dem guten Aussehen war es nun wohl für immer vorbei und das mit nur 26 Jahren!
Es kam bald der Tag, an dem sie ihr Mumiengesicht zum ersten Mal sehen wollte und dann auch ihren ganzen Körper ohne Verband. Sie war geschockt über ihre schreckliches Monsteraussehen. Total entstellt. Sie schaute die nächsten Wochen nicht mehr in den Spiegel.
Sie war verzweifelt, aber der Lebenswunsch war stärker.
Nach einiger Zeit sagte sie entschlossen: " Zum Glück habe ich meinen Verstand nicht verloren, ich kann auch noch atmen, hören, sehen und sprechen. Ich werde es schaffen." Das beeindruckte ihren Freund sehr und ihre Verwandten und Freunde ebenso. Sie halfen ihr so gut sie konnten, sie in ihrem neuen Leben zu begleiten. Sie freute sich über die kleinsten Fortschritte. Als Erstes bekam sie eine wunderschöne Perücke, ihre zum Teil verstümmelten Hände bekamen Prothesen, auch ihre miss formten Füße. Und vor allem erhielt sie nach und nach durch mehrere Operationen neue Haut verpflanzt, die ihr Aussehen immer mehr ein bisschen milderten, verbesserten.
Sie war bald so mutig, sich mit ihrem verunstalteten Äußerem in der Öffentlichkeit zu zeigen.
Sie übersah das entsetzte Anglotzen von Menschen auf der Straße. Sie überhörte die Worte mancher verständnisloser Bürger oder Kinder. Ihr unerschütterlicher Mut und Hoffnung gaben ihr Kraft. Sie war sich ihrer inneren Werte bewusst und darauf bedacht, aus ihrem neuen Leben etwas zu machen. Sie trat öffentlich auf und hielt Vorträge auch im TV über das Vermögen des Menschen, trotz äußerer Verletzung dem Leben einen Sinn zu geben. Große Anerkennung und Beifall wurden ihr zu teil. Das stärkte sie in ihrem Tun. Sie machte den ähnlich vom Schicksal Betroffenen Mut und gründete einen Verein.
Sie hatte eine neue Lebensaufgabe gefunden. Ihr Rechtsstudium kam ihr dabei zu Hilfe.
Außerdem begann sie auch wieder Sport zu treiben. Ihr Freund blieb ihr treu. Sie wurden mit einem eigenen Kind beglückt.