Neu hier? Lies hier über unser Motto gemeinsam statt einsam.
Mitglied werden einloggen




Passwort vergessen?

6 7

Der Rauchmelder

Von Novelle Donnerstag 25.10.2018, 05:08

Endlich hatte sich die soziale Wohnbaugesellschaft entschlossen, die schon lange fälligen Rauchmelder einzubauen.

Egon S. wohnt in dem letzten Block der langen Reihe. Die Häuser sind ungepflegt. Die Gesellschaft will nicht mehr investieren und spekuliert mit lukrativen Möglichkeiten.
Egon war nicht zuhause, als die Rauchmelder im Flur, im Schlafzimmer und im Wohnzimmer angebracht wurden. Es handelt sich um eine billige Ausführung. Beim genauen Betrachten ist ein Blinken nicht zu übersehen.
Maria, die Ehefrau Egons, hat sich um das Anbringen der Rauchmelder nicht gekümmert. Die Tür hatte sie noch geöffnet. Schließlich waren die Arbeiten angekündigt worden.
Im Fernsehen, RTL2, lief gerade Frauentausch. Maria vertreibt sich vormittags, aber auch nachmittags, abends sowieso, gerne die Zeit vor der Glotze. Deswegen konnte sie Egon nach seinem Nachhausekommen nicht darüber informieren, was letzten Endes gemacht wurde.
Egon war wieder einmal beim Neurologen, den er seit Jahren ständig aufsuchte. Er benötigte neue Tabletten wie er meinte. Seit Egon überhaupt nicht mehr arbeitete, wurde er komisch befand seine Frau und die Umwelt. Oft fühlte er sich verfolgt und beobachtet von fremden Kräften.
Kürzlich konnte Egon seine Augen nicht mehr von dem Rauchmelder im Flur abwenden. Wie denn, was denn, die, die waren wieder da und wollten ihn holen. Egon zitterte am ganzen Körper. Plötzlich fing er zu weinen an. Alles war ihm zuviel. Er versuchte nicht mehr auf die Flurdecke zu schielen, wo das Monster unbeweglich wartete. Klar, er wurde verfolgt.
Während sein Weib vor dem Fernsehapparat eingeschlafen war, stand Egon am schmuddeligen Fenster. Eine Angestellte seiner Rechtsschutzversicherung hatte sich lange telefonisch mit ihm unterhalten. Die war richtig nett. Sie stellte eine Beratung durch einen Rechtsanwalt in Aussicht. Egon war stolz, dass ihm angebliches Vertrauen geschenkt wurde.
Als die 13-jährige Tochter der Nachbarn hörte, dass Egon observiert wird, lachte sie sich smiley-mäßig kaputt. Der schon wieder meinte sie. Egon versteht oft die Welt nicht mehr. Wenn da nicht diese Dame von der Versicherung wäre. Die kann er jederzeit anrufen. Die haben eine 24 Stunden Hotline für sofortige Rechtshilfe. Die Rechtsschutzprämie zahlt Egon immer persönlich bei der Bank ein. Schließlich sind die Damen an der Hotline seine einzigen Bezugspersonen. Was nützen ihm Arzt, Weib und Nachbarn.
Alles wird gut, sagte zum Abschluss die Dame von der telefonischen Rechtsauskunft.


Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten

Mitglieder > Mitgliedergruppen > Kreativ Schreiben > Forum > Der Rauchmelder