Der Hirsch
Von
tastifix
01.06.2025, 09:19
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tastifix
01.06.2025, 09:19
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Es war die Zeit, in der die Hirschbullen um die Gunst der Weibchen buhlten.
Bei Tagesanbruch bewegte sich ein kleines Hirschrudel, zunächst im Frühnebel nur schemenhaft erkennbar, aus dem Dickicht des Waldes. Angeführt von einem prachtvollen 10-Ender betraten die Tiere die Lichtung, sicherten kurz, neigten die Mäuler dem saftigen Gras zu und begannen zu äsen. Die Hirschkühe wussten sich beschützt von ihrem mächtigen König, dem Hirschen. Er stand ein wenig abseits und achtete jedes Geruches, der vielleicht hätte Gefahr ankündigen können. Erst dann begann auch er zu fressen. Seine Bewegungen waren die eines alten Tieres, manchmal schienen sie fast mühsam zu sein.
Schon bald wurde das friedliche Idyll gestört. Unruhig sicherte der Hirsch zum Wald hinüber. Zunächst war nur ein leises Trippeln zu vernehmen, das aber sehr rasch näher kam. Aus dem Dickicht trat ein junger Hirschbulle auf die Lichtung, wandte den Kopf zuerst den Weibchen zu, danach dem Herrscher jenes Rudels. Stolz sich hoch aufrichtend, röhrte er provozierend. Eindeutig wollte er den Kampf ...
Auch der Alte richtete sich auf und präsentierte das eindrucksvolle Geweih, bereit, es mit dem Jungen aufzunehmen. Die beiden Hirsche näherten sich einander langsam, verharrten dann aber, sich weiterhin fixierend, noch kurz. Nach wenigen Augenblicken jedoch machte der König des Waldes, warnend röhrend, ein paar weitere Schritte auf den jungen Rivalen zu, doch jener wich nicht. Schließlich senkten beide die Köpfe. Dröhnen erfüllte die Luft, die stampfenden Hufe wirbelten Staub hoch. Die mächtigen Körper prallten zusammen, die Geweihe verharkten sich. Jeder versuchte, den Anderen wegzudrängen. Wut verleiht ungeahnte Kraft und der Allte behauptete sich hartnäckig. Aber es fehlte ihm die Energie, die Ungestümtheit der Jugend. Den wiederholten Angriffen war er nicht gewachsen und seine Kraft erlahmte.
Seinem Rivalen sagte der Instinkt, dass sich der Kampf zu seinen Gunsten entscheiden könnte. Immer brutaler wurden die Attacken und fügten dem alten Hirschen schwerste Verletzungen zu. Die eng nebeneinander stehenden Hirschkühe am Rand der Lichtung beobachteten das Geschehen.
Schließlich war es soweit. Der Alte gab den verzweifelten Kampf auf, die Schmerzensschreie des Besiegten hallten weithin. Schleppend versuchte er noch wenige Schritte, brach aber dann im Schein der aufgehenden Sonne blutüberströmt zusammen. Das Schreien verstummte, sein Auge brach.
Im selben Moment, als er sein Leben aushauchte, war das unheimliche Kreischen von Holzfällersägen zu hören. Ein großer Teil des Waldes, seines Waldes, würde gerodet werden ...