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24 12

72 Stunden

Von Fiddigeigei Samstag 07.11.2020, 11:22 – geändert Samstag 07.11.2020, 11:28

Bei einem Schlaganfall besteht die Vorschrift, der Geschlagene „muss“ geschlagene 72 Stunden also 3X 24 Stunden mit irgendwelchen, ihm völlig unbekannten Maschinen über Kabel und Schläuche verbunden bleiben.

Jeder Mensch geht davon aus mindestens über das ewige Leben zu verfügen was heißt Minimum 150 Jahre.
Nur wenige von uns denken daran irgendwann die Augen für immer schließen zu müssen und dass es einmal Schluss mit der Musik ist oder wie man salopp sagt, den Löffel an der Pforte abgibt.

Ganz unverhofft und unerwünscht, klopft es plötzlich an die die Tür des Lebens. Poch-Poch-Poch.
Wir öffnen völlig ahnungslos und vor uns steht der knochigeTod.

Alle die bisher glaubten einen Schutzengel zu besitzen wurden enttäuscht.
Schon in der ersten lebensfähigen Zelle die vielleicht vor 4 Milliarden Jahren entstand wurde mit dem Leben auch der Tod verbreitet. Leben und Tod gehören untrennbar zusammen.

In den 72 Stunden hatte ich Zeit über die beiden- das Leben und den Tod- nachzudenken.
Das Leben kannte ich nun zu diesem Zeitpunkt bereits 75 Jahren. Aber den Tod?

Dann vielleicht in der Stunde 49 immer an den Schläuchen hängend, wurde mir klar:
„Dieser Tod, dieses Klappergestell ohne lebendes Fleisch auf den blanken Knochen, ist unser Schutzengel.“
Verrückter Kerl denken jetzt viele.
„Nein, es gibt doch diesen Schutzengel. Eine wunderbare Lichtgestalt mit einem verklärten Gesicht und schneeweißen Flügeln ausgerüstet. Meist schwebt er über einem Kind, welches gerade einen gefährlich, reißenden Bergbach passiert. Man denkt gleich wird es in den Strudel stürzen. Aber keine Angst, der Schutzengel schwebt darüber und wird es retten.“

Pustekuchen salopp ausgedrückt oder wie meine Mama in solchen brenzeligen Situationen zu sagen pflegte.
„Scheisserle mei Herzele“

Er wird es nicht tun.

.......Ganz anders verläuft diese Geschichte.
Der „gute Tod“ hält mit seinen gruseligen Knochenhänden das Kind fest und führt es sicher ans rettende Ufer.
Wir haben das Knochengerüst nur in unserer Fantasie in eine Engelsgestalt versetzt. Das sieht einfach besser aus.

Der Tod kann alles mit uns veranstalten. Ein Leben lang kann er alles tun mit uns was ihm gefällt.
Er kann uns an der langen oder kurzen Lebensleine führen. Ab und zu nur zeigt er uns sein Gesicht damit wir ihn niemals vergessen sollen.

Nach 72 Stunden als ich wieder von Schläuchen befreit ins Leben zurück finden durfte, lachte er schelmisch hinter mir her.
Vergiss mich nicht Lebender, es war doch nur ein Scherz.

Carlos 82
nachdenklich

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