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Zur Schulmisere

Von Feierabend-Mitglied Dienstag 12.12.2023, 13:27




Dreieinhalb Jahre alt war er schon. Er lernt.
Lernt mit einer Geschwindigkeit, welche nur in diesem Alter möglich ist,
die er niemals mehr erreichen wird.
Lernt Physik und Chemie, Statik, Ballistik.
Im Gehirn etwas zu speichern und blitzschnell wiederzufinden.
Sich selbst ein Tshirt anzuziehen, genau wie und warum überhaupt. Zähneputzen und Sandkuchen backen und eine Murmelbahn bauen. Schaukeln, seinen Namen schreiben, die Uhr, (welche Stellung die Zeiger haben müssen, wenn es Bettzeit ist) und die eigene Adresse auswendig. Lernt Spiele und, (hoffentlich) dass die Zuneigung seiner Umgebung keinesfalls mit dem Gewinnen zusammen hängt. Lernt, dass das Verlieren, dafür mitverantwortlich ist, dass die Anderen weiterhin mit ihm spielen wollen.
Er lernte, die Verantwortung für die eigene Befindlichkeit auch bei sich selbst zu suchen, indem er sich fragte, warum er gerade beleidigt war und wenn dies geklärt war, ob diese Ärgerlichkeit im eigenen Interesse sei. Ob diese Ärgerlichkeit denn so schön sei, um sie beizubehalten.(meist fand er sie nicht sehr schön). Was aber nun wirklich wunderbar war: Er lernte alles das und noch sehr viel mehr, gleichzeitig, freiwillig und ohne Druck von außen. Freute sich über jede neue Erkenntnis und suchte alsbald etwas Neues zu lernen. Kurzum, es war ein wahrer, unermüdlicher Lernspaß.
Mit einer Frustration-Toleranz, die jeden Prediger vor Neid erblassen würde. So hat er gelernt, es gibt Dinge, die sind mir peinlich. Einerseits fragt er seiner Umgebung ein Loch, nein ein Sieb in den Bauch. Andererseits war er bereits ein Großer und fand, er müsste deshalb eigentlich über alle Verhaltensregeln genauestens Bescheid wissen.
Dieses Dilemma, Fragen zu stellen, ohne dabei die eigene Unwissenheit zu verraten, löste er folgendermaßen.
Er erfand eine Figur, einen fiktiven Freund. Diesen ließ er diverse Abenteuer erleben, welche er dann mit den näheren oder auch, je nach der gefühlten Brisanz der Abenteuer, entfernteren Bezugspersonen diskutieren konnte.
Aus deren Reaktion und Kommentar konnte die jeweils gewünschte Verhaltensregel herausgelesen werden, ohne das Gesicht zu verlieren.
Er sollte mit 4 in den Kindergarten. Seine Eltern diskutierten hin und her. Rechneten nächtelang und kamen zu dem Schluss, ein Kindergarten ist nicht drin.
Er ist zu weit fort, die Öffnungszeiten bei den zeitlich wechselnden Arbeitsanforderungen der Eltern nicht mit dem Job in Einklang zu bringen. Dazu kämen Kosten, die eine Durchschnittsfamilie unter die Armutsgrenze katapultieren würden.
Dabei seien die Kinderbeförderungskosten in dem Bundesland noch nicht einmal berücksichtigt.
Sie trösteten sich damit, der Zweite Bildungsweg habe einen sehr guten Ruf und werde, im Gegensatz zur frühkindlichen Bildung, zum Großteil von Staatswegen übernommen.

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