Zack!!
Von
tastifix
Mittwoch 18.03.2020, 13:14 – geändert Mittwoch 18.03.2020, 13:19
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tastifix
Mittwoch 18.03.2020, 13:14 – geändert Mittwoch 18.03.2020, 13:19
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Stimmt! Es ist schon wieder ein Artikel über die Deutsche Bahn! Dies ist leider unumgänglich. Weil ohne Wagen, fahre ich oft mit dem Zug und rege mich dann genauso oft auf. In dem Fall, den ich nun schildern möchte, trifft die arme Bahn allerdings ach so gar keine Schuld.
Im Abteil erwische ich den letzten freien Platz direkt neben der Ausstiegstür.
„Na ja, für zehn Minuten werde ich das wohl aushalten!"
Das Warnsignal vor der Abfahrt des Zuges soll in etwa bedeuten:
„Bleiben Sie bitte nicht zwischen den Türhälften stehen. Es könnte Ihnen schlecht bekommen, Ihr Aussehen drastisch verändern, Ihnen zu erschreckender Ähnlichkeit mit einem Pfannkuchen verhelfen oder gar etwas Schlimmeres nach sich ziehen!"
Weil kein potentieller Selbstmörder mitfährt (die pflegen sich wegen der zuverlässigeren Methode eher auf die Gleise zu legen!), befolgen selbst Jugendliche diese indirekte Aufforderung und rücken sicherheitshalber im Mittelgang noch enger als ohnehin schon zusammen.
Darob sehr zufrieden zockelt die Bahn los:
„Wir wünschen Ihnen eine angenehme Reise!"
Das hört man heute nur noch relativ selten, vorwiegend während der Fernreisen im IC und ICE. Oder sogar:
„Wir begrüßen ganz herzlich unsere Reisenden aus ...“
Toll, dieser Service!
Sämtliche Abteile sind brechend voll. Entsprechend chaotisch läuft der Durchgangsverkehr ab. Mir kann es egal sein. Ich sitze ja. Interessiert mustere ich die Mitreisenden und deren Outfit. Ich habe schon ganze World Trade Center gestaunt, was Leuten so einfällt, um sich von Anderen abzugrenzen:
Mir gegenüber sitzt ein ganz in Schwarz gekleideter Typ mit Springerstiefeln. Aber immerhin beweist er Geschmack. Farblich dazu passend, trägt er schwarzen Lippenstift, Schwarz auf sowie unter den Fingernägeln und von oben bis unten schmückt ihn blitzendes Metall. Ich geschocktes unbedarftes Menschenkind fühle mich einer Ohnmacht gefährlich nahe. Von seinen Ohren baumeln je mindestens fünf Gardinenringe und eine etwas größere Ausgabe ziert gar die Nase ... Ähem, das Letztere ist nur meiner Fantasie entsprungen, wäre aber echt praktisch, denn an dem hätte man diese Horrorausgabe Mitmensch ohne besonderen Kraftaufwand aus dem Zug entfernen können.
Was aber eine unübersehbare Tatsache ist, ist der hübsche Nagel durch die Zunge.
´Stilbruch: Auf dem fehlt das Totenkopfbild!`, entsetze ich mich. ´Soll ich ihn darauf hinweisen? Vielleicht räumt er dann sogar freiwillig das Feld, weil er sich so sehr darüber freut ... ?`
Doch diesem Wunschgedanken hänge ich nicht länger nach, denn im Mittelgang sieht es aus wie in einer prall gefüllten Sardinendose.
´Bitte, wo ist der nächste Bahnhof?`
Wirklich steigen dort viele der durch das Gedränge beinahe vergammelten, ääh, erschöpften Sardinen aus, werden aber sofort durch frisch eingefangene ersetzt. Es ist eine Wohltat, sie anzuschauen. Sie tragen noch den vagen Hoffnungsschimmer auf dem Gesicht:
„Ich habe auf dem Bahnsteig wartend das ´mit der guten Reise` mit gekriegt und lass mich gern überraschen!“
´Ich auch!`, sage ich mir, nämlich, wie lange deren gute Laune wohl noch anhalten wird.
Einige Fahrgäste langweilen sich anscheinend wegen der nur leisen Geräuschkulisse der Gespräche ringsum. Sie wünschen mehr Action und Schwung. Wie wäre es denn mit einer polternden Wanderung durch sämtliche Abteile? Es muss doch möglich sein, Leben in die Bude zu bringen. Augenscheinlich fühlen sie sich dafür verantwortlich, dass niemand der Sitzenden eventuell aus tiefen Gedanken in noch tieferen Schlaf versinkt. Wundern würde es mich bei dem jetzigen Mief aus der genauso umwerfend aufdringlichen Duftmischung ja nicht.
Einer jener Mitmenschen mit dem überragenden Verantwortungsbewusstsein für die Gemeinschaft stiefelt also mit drastisch quietschenden Sohlen den Gang entlang, stößt die Verbindungstür zum nächsten Abteil mit dem Schuh auf, tritt hindurch und es macht „Peng!“ Der Herdentrieb des Menschen gebietet es, solche Aktionen stets in Gruppen zu starten. Gemeinsam sind sie stark. Denn es macht entsprechend derer Mitgliederzahl dann sehr viel öfter ´Peng`. Jeder wartet nämlich höflich, bis sein Vordermann die Tür hat hinter sich zuknallen lassen und sorgt dann gewissenhaft für weiteren beeindruckenden Lärm.
Es beteiligen sich sieben Halbwüchsige. Der daraus resultierende Krach hat eine extrem einhämmernde Wirkung auf die ohnehin angegriffenen Nerven aller Fahrgäste, die so allmählich merkbar sauer werden. Die Jugendlichen aber genießen die so sehr erhoffte vermehrte Aufmerksamkeit der Anderen von Herzen. Juchuuh! Endlich mal stehen sie im Mittelpunkt und sei es nur als verwünschte Störenfriede. Zu ihrem Pech jedoch haben sie die Lebensgeister der Reisenden geweckt, jene die zuvor verbrauchte Energie zurück. Der Kreislauf ist gerettet und die ersten entrüsteten Stimmen beschweren sich lautstark über die Rücksichtslosigkeit der Twens.
„Das ist ja wohl die Höhe!"
„Also, wissen Sie, wenn wir uns das zu unserer Jugendzeit erlaubt hätten ... “
(Eventuell falsche verbale Kriegsführung, denn damals gab es vielleicht noch gar keine Bahn!) „
„Der müsste mein Sohn sein ... “, erbost sich eine Mutter mit einem kleinen Kind an der Hand.
Ist er aber nicht und deshalb bleibt alles so, wie es ist.
Apropo Geruch: Dessentwegen gibt es doch so niedliche Fläschchen. Sie antworten auf den Mief mit einem fein versprühten Duft, der beißenden Schweißgeruch stoppt oder wenigstens abmildert. Ich sehne diese Wunderdinger herbei, denn neben mir sitzt ein Mann, der stinkt, als ob er die Nacht auf einem Misthaufen verbracht hätte. Chanel Nr.5 ist das jedenfalls nicht! Selbst ein großes ´Anti` davor würde nicht ins Schwarze treffen. Mir wird schlecht. Diese Exemplare sollte man zum Augen- und auch zum Ohrenarzt schicken. Zum Augenarzt, damit sie danach beim Anblick der Reklamen in den Drogerie- sowie Parfümerie-Abteilungen oder auch im Fernsehen, während sie sich die betreffenden Werbespots rein ziehen, auf den richtigen Trichter kommen. Zum Ohrenarzt, damit sie endlich einmal laut und deutlichst vernehmen, wie sehr sie ihren Mitmenschen stinken. Im wahrsten Sinne des Wortes.
Und ich möchte noch etwas unbedingt zur Diskussion stellen:
Weshalb muss immer wieder alles so grauenhaft verschmiert werden, warum auch die noch neuen Sitze nach nur drei Fahrten aussehen, als ob ´ne Hühnerschar ihre künstlerische Begabung getestet hat? Und wieso haben die dafür ausschließlich abriebfeste Farbe verwendet? Und müssen die kleine Abfallbehälter neben jeder Sitzreihe mit Butterbrotresten und fiesen Getränkeflecken verdreckt werden? Muss das wirklich sein ...?
Trotz all dem noch wünsche ich Euch noch eine angenehme Reise!