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Versuch einer Selbsttherapie ...

Von tastifix Mittwoch 30.09.2020, 11:18

„Noch solch eine Unterhaltung und ... “
Es ist ziemlich gruselig für mich, denn es geht um von mir wahrlich extrem geliebte, schwarz-wuschelige Haustiere, die sich in meinem Haus vorzugsweise in der Waschküche und im Vorratskeller tummeln. In der Waschküche am liebsten zwischen Wäschestücken, die ich nichtsahnend aus dem Korb klaube. Im Keller besonders gern zwischen den Nudeln und Kartoffeln, anstatt sich, wie es eigentlich dem Spinnenknigge weit eher entsprechen würde, gefälligst in den eigenen Netzwohnungen in den dunklen Ecken unter den Kellerschränken aufzuhalten.

Jedesmal läuft es gleich ab: Ich entdecke solch ein Ungetüm, bekomme Schweißausbrüche und renne quiekend davon. Oder ich werfe die Tür nachdrücklich zu und stapele, damit Spinnchen bloß nicht durch den Spalt zwischen Tür und Boden hinter mir her hechten soll, genau dort dicke Lexika, bis sich noch nicht mal mehr die Spur eines Lichtstrahles seinen Weg bahnen kann. Danach erklimme ich kalkweißen Gesichtes und mit zitternden Beinen die Treppe ins Erdgeschoss, wanke in die Küche und brühe mir fix einen Beruhigungstee. Eine Ohnmacht möchte ich nämlich vermeiden.

Stundenlang haben wir uns über diese Viecher ausgelassen:
„Du, gestern, da saß sonne fette auf der Waschmaschinentür. Iiih, ich bin vielleicht gerannt, sag ich dir ...“
„Hach, und die ekligen Beine ...“
„Wusstest du, dass manche von denen springen?“
„Ach du S... !“
„Eine ist mal fast in meinem Gesicht gelandet. Hatte sich von
der Decke abgeseilt. Ich hab gedacht, ich sterb` tausend Tode
auf einmal!“
So geht es weiter. Meiner Seele wirds bang und banger und mein Gesicht lang und länger. Aber dann kämpfe ich dagegen an:
„Horst Stern hat ´nen tollen Film über sie gedreht! Spinnen sind ausgesprochen tüchtig! Diese kunstvollen Netze!“
Anscheinend mit Erfolg:
„Und wirklich ja total harmlos. Zumindest die meisten!“
Prompt wurde ich sogar übermütig:
„Und acht zierliche Beine! Stellt Euch mal vor, ne Spinne müsste Schuhe kaufen ... Bei der Schuhgröße!!“
Genauso plötzlich ists dann vorbei mit dem Übermut. Ich sehe die widerlich beharrten Spinnenbeine vor mir und stellte mir vor, wie sie mit denen überall im Affentempo herum huschen, vielleicht auf mich zu und mir dann gar über die Arme, brr. Tüchtigkeit und Harmlosigkeit der Tiere sind vergessen. Ich bebe wie Espenlaub vor Panik.

Mit den Nerven am Ende, krabbele ich eine Stunde später. als die Freundinnen gegangen sind, ins Bett, ziehe die Decke bis über die Nasenspitze und versuche vergeblich, dem Gedankenhorror durch die Flucht ins Traumland zu entkommen.
„Das wird so nichts. Ich muss mich ablenken!!“
Verzweifelt schalte ich durchs Fernsehprogramm und finde tatsächlich einen romantischen Liebesfilm. Der Bildschirm flimmert nur so von Rosen und roten Herzchen. Es wirkt tatsächlich. Die Spinnen sind vergessen. Nach Ende des Films drehe ich mich wohlig seufzend zur Seite und schlafe tatsächlich lächelnd ein.



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