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Verflixt! (Mein erstes 3D-Puzzle)

Von tastifix Samstag 12.09.2020, 18:12

Ich bin einer Sucht erlegen. Auf Regalen und im Kleiderschrank stapeln sich Puzzle. Ihr würdet jegliches Motiv vorfinden, dass Euer Herz begehrt.

Als Teenager war ich ja noch zufrieden gewesen, wenn ich 500 Teile erfolgreich zu einem Bild zusammen gefügt hatte. Später stellte ich mich der doppelten Anzahl und landete schließlich bei einem 2000Teile-Gobelin-Puzzle, in dezentem Beigebraun gehalten. Ich machte mich allerdings nicht allein an die Arbeit, sondern gleich mir verfielen auch mein Bruder und meine Eltern diesem gefährlichen Rausch. Gefährlich deshalb, weil der Haushalt beinahe verkam. Es wurde nicht mehr geputzt, Telefon und Haustür klingelten verzweifelt vor sich hin. Wir ignorierten es, denn vor uns lag ein halbfertiger, wunderschöner Pappteppich und der sollte fertig werden. Und er wurde fertig und uns vermochte nun erst recht nichts mehr von ihm zu trennen.
„Boah, cool, toll! Seuufz!”

Wir fühlten uns wie Goldmedaillengewinner einer Puzzle-Olympiade. Eifrig diskutierten wir verschiedene Umräum-Pläne. Doch im letzten Moment katapultierte uns der Verstand in die nüchterne Realität zurück, bevor wir noch den Berber entsorgt und den eleganten Mahagoni-Tisch mitten auf die Gobelin-Papp-Parklandschaft platziert hätten.

„Aufhängen!“
Aber das fanden wir denn doch unangemessen. Letztendlich schoss mein Vater mehrere Fotos von dem Meisterwerk. Blutenden Herzens und tränenden Auges rissen wir masochistisch die Teilchen wieder auseinander und verstauten alles im Karton, nicht ohne dem Puzzle und vor allem einander zu versichern, dass es ja nur vorübergehend in der Versenkung verschwinden würde, dass wir es bestimmt spätestens nach Ablauf eines Jahres nochmals hervor kramen würden. Es ward nie mehr gesehen. Wir trauten uns einfach kein zweites Mal.

Die Jahre gingen ins Land, ich wurde vierfache Mama, hatte mehr als genügend zu tun und deshalb jenes Hobby völlig vergessen. Doch als die Kleinen dann erwachsen waren, geschah es ...
Ich bekam ein hochwertiges Künstlerpuzzle geschenkt, ein Gemälde von Miro. Ich sortierte die Randteile und fühlte mich zunehmend jünger. Wie damals in meiner Jugend schob ich stundenlang die Teile auf der Vorlage hin- und her und jubelte los, wenn ich die passende Stelle gefunden hatte. Ständig stellte ich mich höheren Puzzle-Schwierigkeitsgraden: Picasso, Monet, Renoir ... Es hatte mich erneut gepackt!

Dann zu Weihnachten fesselte mich ein großes Paket unterm Christbaum. Es war ein Weltkarten-Kugelpuzzle, das erste 3D-Puzzle meines Lebens.
„Das wird was werden!“
Allerdings, denn es strapazierte arg meine Nerven. Es enthielt keinen Innenballon als Hilfe, um den herum gepuzzelt worden wäre. Dagegen mussten die Teile in spiralförmiger Anordnung frei aneinander gesteckt werden. Bis zum Äquator klappte es ja noch einigermaßen, ohne dass mir dauernd welche abfielen. Doch je enger sich der Kreis nach oben hin schloss, umso komplizierter wurde es. Dazu kam erschwerend, dass die Kugel unentwegt auf dem Standfuß hin- und her rutschte.
„Klatsch, peng!“

„Mönsch, ich mach nich mehr. So ein Mist!“
Zwei Teile waren in hohem Bogen auf den Teppich geflogen und versteckten sich weit hinten unterm Schreibtisch. Sauer kroch ich auf allen Vieren hinterher und schnappte mir die Ausreißer, setzte sie wieder ein und puzzelte weiter.
„Vorsichtig, du musst ganz vorsichtig vorgehen ...!“
Ich ging mehr als vorsichtig vor. Drei Zentimeter höher knackte mir erstmals die angefangene Decke ein. Ich zwang mich zur Ruhe, behob den Schaden und hoffte auf viel Glück.

Mit Herzklopfen griff ich mir die letzten drei Teile. Gleich hätte ich es tatsächlich geschafft. Stolz betrachtete ich die fast geschlossene Kugeldecke. Das in der Mitte noch gähnende Loch war inzwischen zu eng, um von innen mit den Fingern zu verhindern, dass das einzusetzende Puzzleteil doch noch weg knickte. Mir kam die rettende Idee. Ich bediente mich eines Bleistiftes. Das erste und das zweite Puzzleteil blieben fest sitzen, ich schöpfte Mut und sah mich fast am Ziel. Mit angehaltenem Atem und leicht zitternden Händen legte ich das letzte Teil auf die winzige Lücke.
´Klopfen Sie das Endteil vorsichtig mit einem Radiergummi ein!`
Die Methode erschien mir zu bekloppt zu sein. Also klopfte ich sacht mit dem Zeigefinger. Anscheinend aber nicht sacht genug. Das Teil senkte sich, senkte sich tiefer und war mit einem Boing endgültig im Innern der Kugel verschwunden.
„Keaaar!!“
Die ganze Decke nochmals abzunehmen, fehlte mir die Lust.
„Dann bricht sowieso alles auseinander!“

´Immerhin hab ich es soweit geschafft!`
Bereits etwas getröstet drehte ich die Kugel leicht. Es rappelte. Ich rüttelte sie. Das Rappeln wurde stärker. Das Puzzleteil verblieb, wo es war.
„Hm, dann dient das Ding eben als Rassel für Erwachsene!!“










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