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Unsere Tante Henny

Von ehemaliges Mitglied Donnerstag 04.06.2020, 23:05

Sie war die ältere Schwester meiner Mutter und kinderlos. Obwohl sie nicht bei uns wohnte, was nach dem Krieg auch schon wegen der beengten Verhältnisse nicht möglich war, ist sie oft bei uns gewesen.
Ihre "Küchenlieder" konnten wir nicht oft genug hören. Sie handelten meist von unglücklichen Mädchen : Sabinchen war ein Fauenzimmer oder Mariechen saß weinend im Garten. Sie hatte diese Lieder von ihrer Mutter gelernt die in jungen Jahren Zofe in einem gräflichen Haushalt war. Auch ihr Lachen war ansteckend obwohl sie wenig zu Lachen im Leben hatte. Als Mädchen musste sie in einem Haushalt schwer arbeiten später arbeitete sie in einer Fabrik. Im Krieg zweimal völlig ausgebombt lebte sie in einer kleinen Mansarde
. Ihre große Leidenschaft war das Chorsingen. Dort hat sie auch einen Witwer kennengelernt der ihr als sie 50 war einen Heiratsantrag gemacht hatte. Es war ihr zuerst peinlich, da sie fast einen Kopf größer war als er aber ihn kümmerte das nicht.
Herrmann fuhr damals einen Kabinenroller im Volksmund auch Schneewitchensarg genannt. Wir hatten unseren Heidenspass als die Beiden das erste Mal damit bei uns vorfuhren.
Diese Heirat war das Beste was ihr im Leben passiert war. Herrmann war gut situiert und die Beiden verlebten zusammen 25 gute Jahre. Als dieTante mit 92 Jahren starb hinterließ sie meiner Mutter ein kleines Vermögen. Schade, dass mein Vater es nicht mehr erlebt hat er hätte bestimmt schallend gelacht. War er es doch der sie in jungen Jahren wegen ihrer Armut oft spaßhalber "Erbtante"nannte. Immer mit einem Augenzwinkern und dem Satz, von ihr werdet ihr bestimmt nichts erben.

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