Unser selektives Gedächtnis
Von ehemaliges Mitglied 29.06.2025, 11:08
Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten
Von ehemaliges Mitglied 29.06.2025, 11:08
Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten
Meine ganz persönlichen Gedanken über den Untergang der RMS Titanic.
Als am 14. April 1912 die Titanic vor Neufundland im eiskalten Wasser des Atlantiks versank, starben bei dieser Katastrophe insgesamt 1517 Menschen. Nur 712, meist Passagiere der Luxusklasse, wurden gerettet.
An diesem Sonntag starben so viele Menschen nur deswegen, weil zu wenige Rettungsboote für alle an Bord dieses angeblich unsinkbaren Schiffes waren. Und weil die Auswandererfamilien in den unteren Decks von der Besatzung daran gehindert wurden an Deck zu kommen damit sie die Rettung der Luxuspassagiere nicht behindern.
An diesem 14. April starben nicht nur 1517 Menschen im Atlantik. An diesem Tag wurde auch meine Mutter geboren. Und soweit ich mich erinnern kann, verging keiner ihrer Geburtstage, ohne dass auch über diese Katastrophe geredet wurde. Sie wäre im April 2025 113 Jahre alt geworden.
Ich habe mich oft gefragt, warum gerade diese Katastrophe so im kollektiven Gedächtnis der Menschen erhalten blieb? Warum ist der Untergang der Lusitania im Mai 1915, bei dem fast 2000 Menschen den Tod fanden, vergessen worden?
Auch der Untergang der Wilhelm Gustloff wurden vergessen, bei dem am 30. Januar 1945 mehr als 9000 Menschen den Tod in den eiskalten Fluten der Ostsee fanden (sechsmal so viele wie auf der Titanic).
Warum also, so frage ich mich, sterben noch heute Menschen wegen der Titanic?
Warum setzen Sie Ihr Leben aufs Spiel, geben Unsummen an Geld aus nur um sich das Wrack eines vor 113 Jahren gesunkenen Schiffes anzusehen?
Ich vermute mal, dass es etwas mit der damaligen Zeit, und nicht zuletzt mit den unterschiedlichen Gesellschaftsschichten zu tun hat, die dabei zu Tode kamen.
Ich glaube aber auch, es ist die gleiche Sensationslust, die Menschen empfinden, wenn auf der anderen Autobahnseite ein schwerer Unfall mit Toten und Verletzten geschehen ist. Diese Gaffer verursachen manchmal Staus von 40 km Länge, kommen aber nur selten dabei zu Tode.
Ein in meiner Jugend sehr bekannter Rundfunkkommentator, den ich wegen seiner markanten Stimme sehr schätzte, hat aus der Titanic-Katastrophe ein Hörspiel gemacht, das ich euch nicht zuletzt wegen der Detailtreue der Informationen empfehlen möchte.
Zuvor eine kurze Vorstellung über die Person, von der hier die Rede ist.
Der Rundfunkautor und -sprecher war den Radiohörer*innen der Nachkriegszeit vor allem als charismatische Stimme mit sonorem Timbre und unverkennbarem Akzent – „geformt aus allen Sprachen des alten Habsburgerreiches“ bekannt. Er war ein besonderer Fabulierer mit überbordender Fantasie, der in seiner Wirkungszeit von einem halben Jahrhundert eine Vielzahl von Erzählungen, Hörspielen und Anekdoten verfasste und für den Rundfunk produzierte. Er stellte damals eine Konstante im Ätherprogramm dar, der die Hörer/innen durch die Zeitläufe begleitete und der eine Medien psychologische Ankerfunktion in Zeiten der Katastrophen, der Umbrüche und der Unsicherheiten einnahm.
Josef Pelz von Felinaus schillernder Werdegang kann in drei Schaffensperioden eingeteilt werden, die zugleich eng mit der deutschen Geschichte verbunden sind: die Zeit der Weimarer Republik, die NS-Zeit und das Nachkriegsdeutschland.
Bei dem Hörspiel ist aber zu berücksichtigen, dass diese Aufnahme mehr als 70 Jahre alt ist. Was die Musikuntermalung anbetrifft, hat sich unser Zeitgeschmack doch etwas verändert.
Originalton Joseph Pelz von Felinau
Die Titanic-Tragödie
Externer Inhalt
Dieser Inhalt wird nicht von Feierabend.de bereitgestellt. Du kannst ihn nur lesen, wenn Du zustimmst, dass er von Youtube nachgeladen wird. Bist Du einverstanden, dass externe Inhalte nachgeladen werden? Mehr dazu erfährst Du in unseren Datenschutzbestimmungen.
einverstanden