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Unmögliche Überraschung im Hotel

Von tastifix 10.03.2019, 15:49 – geändert 10.03.2019, 22:46

Sabine und Markus hatten sich bis weit nach Mitternacht die Füße fast wund getanzt. Mit letzter Kraftanstrengung schleppten sie sich ins Hotel.
„Puuh, für heute reicht es!“, stöhnte Sabine.
Auch Markus schien kurz vorm Umfallen. Sabine hing noch rasch ihren Rock in den Schrank, schloss dessen Tür und ließ sich aufs Bett sinken. Markus verfuhr mit seiner Hose ebenso und plumpste gleichfalls auf die Liegestatt. Doch es war ihnen keine Ruhe gegönnt.
„Sag mal, was ist denn das?“, stieß Markus sie an.
„Wiiee?“
„Ja, hörst du etwa nichts?“
Sabine vernahm ein anhaltendes, gleichmäßiges Brummen und geriet prompt in Panik.
´Hoffentlich keine Wespe!?`
Dann wären es aber gleich zwei, denn von der anderen Bettseite summte es ebenfalls deutlich. Es verlieh ihr ungeahnten Schwung. Mit einem Bitte-rette-mich-Blick landete sie in Überschallgeschwindigkeit in Markus Armen. Dessen Miene sprach deutliche Bände. Eindeutig war er sich im Unklaren darüber, was er vom Ersteren und vor allem vom Letzteren halten sollte.
„Weespe!!“, japste Sabine erklärend.
Im Anblick des zitternden weiblichen Espenlaubes spielte Markus Kavalier und verkniff sich eine sicherlich sehr passende Bemerkung. Aber Männer hassen es, sich etwas nicht binnen kürzester Zeit logisch erklären zu können. Also fuhr er wie eine Rakete in die Höhe und fuhr die Ohren zu doppelter Länge aus. Vergebens.
„Vielleicht kommt es ja von draußen?“
Nichts. Mittlerweile reichlich nervös, hangelte Sabine sich aus dem Bett, um dem Ganzen auf den Grund zu gehen. ´Grund` ist immer unten. Auf allen Vieren krabbelte sie kreuz und quer durchs Zimmer, um die vermeintliche Wespe oder auch Nicht-Wespe aufzuspüren. Sie schielte unters Bett, linste unter den Tisch und die Stühle - Fehlanzeige. Bis zur Badezimmertür robbte sie - umsonst die Mühe. Doch registrierte sie dabei, dass weder unterm Bett noch den Sesseln oder unter dem Teppich Staubflocken zu finden waren.
„Spricht eindeutig für diese Herberge!“
Die Fußboden-Indizien-Suche blieb also ohne positives Ergebnis. Sie erhob sich wieder und untersuchte gemeinsam mit Markus den Raum aus einer Etage höher.
„Nun!“, stellte der fest. „Insekten sinds nicht, von draußen kommt es auch nicht. Da tut sich etwas Anderes ...“
Sabine stimmte ihm, selber ratlos, zu, denn er hatte unbezweifelbar ins Schwarze getroffen. Um ganz sicher sein zu können, dass sich nicht doch irgendwo ein winziger Störenfried versteckt hielt, öffnete sie erneut die Schranktür. Wieder ohne jeden Befund.
„Fällt dir was auf ... ?“, fragte Markus plötzlich.
Er lächelte triumphierend. Offensichtlich war ihm eine Erleuchtung gekommen.
„Nee, was denn?“
„Na, die Schranktür!“
„Hääh??“
„Die ist offen. Und - hörst du noch etwas?“
Sabine stutzte und lauschte. Statt, dass es brummte, war es so still, wie es in einem Hotelzimmer zu sein hatte.
„Unten die Entlüftung arbeitet wohl auf Hochtouren und deshalb vibrieren die Schränke!“
Nun war Sabine an der Reihe.
„Die Schranktüren bleiben offen. Sonst können wir gleich wach bleiben!“, orderte sie rigoros. „Eine der Nachttischlampen lassen wir brennen. Dann holen wir uns wenigstens keine Beulen, wenn wir mal zum Klo müssen.“
Doch sie durften immer noch nicht die Nachtruhe genießen. Nein, das Schicksal hielt eine weitere, sehr viel unangenehmere Überraschung parat.

Beide schliefen sehr gern bei offenem Fenster. Nach der ausgestandenen Aufregung brauchten sie heute die Frischluftzufuhr besonders dringend. Schlaftrunken öffnete Sabine das Fenster und sog nichtsahnend genießerisch die kühle Nachtluft ein. Im nächsten Moment knallte sie es wieder zu. In ihrem Gesicht stand deutlicher Ekel.
„Nein!!“
Ihre Nasenspitze hatte sich wohl grünlich verfärbt, denn Markus starrte sie erschrocken an.
„Sag mal, ist Dir ein Geist begegnet?“
„Es i..ist einfach n..nicht ... “, jammerte Sabine.
Fix schnallte er, dass ein schwerwiegender Grund für ihr Stammeln vorliegen musste. Sofort stand er neben ihr. Auf seine Frage ´Was ist denn nu los?“, erntete er nur ein hilfloses Schulterzucken. Entschlossen riss er das Fenster wieder auf und lehnte sich hinaus. Auch seine Nase verfärbte sich.
„Iigitt!! Das ist doch wohl ...“
„ ... ne Zumutung!“
Es wehten ihnen die wahrlich appetitlichsten Essensgerüche entgegen, alle auf einmal und in einer unmöglichen Penetranz.
„Hm, Braten!“, vermutete Sabine.
„Fisch!“, schnupperte Markus.
„Verkohlte Bratkartoffeln!“
Wie Beide diagnostizierten, befand sich ihr Zimmer anscheinend direkt über der Küche. Sie taten sich den Gestank über Nacht nicht an und verriegelten das Fenster so fest als möglich.
„So eine Unverschämtheit!!“
Schnell hatten sie entschieden, was im Spezielleren sie denen am nächsten Morgen entgegen zu schleudern gedachten und schliefen dann tatsächlich ohne Albträume bis um 9 Uhr früh durch.

Beim Aufstehen allerdings kehrte die Erinnerung zurück und auch die Empörung. Nach dem Frühstück eilten Sabine und Markus aufgebracht zur Rezeption. Dort begrüßte sie eine munter lächelnde Dame:
„Guten Morgen! Ist alles zu Ihrer Zufriedenheit?“
Hoffnungsfroh sah sie sie an.
„Ganz und gar nicht!“, erhob Markus die Stimme.
Die Miene der Dame verdüsterte sich:
„Oh, das tut mir aber leid! Was war denn nicht ... ?“
„Im Speisesaal herrschte ne Geräuschkulisse wie in einer Kneipe!“, fing Sabine an. „Und im Zimmer trieb als Sonderservice dieses Hauses ein Gespenst sein Unwesen.“
Ein zweifelnder Blick traf sie. Ob diese jetzt Sabine für eine bedauernswerte Irre hielt?
„Bei geschlossenen Schranktüren summte es die ganze Zeit laut im Zimmer. Die haben wir offen stehen lassen müssen, um überhaupt schlafen zu können!“, beschwerte sich Markus.

Zunehmend geknickt saß die Dame dort. Aber die Zwei waren noch nicht fertig:
„Und lüften konnten wir ebenfalls nicht. Denn dann stank es wie die Pest!!“, wetterte Markus weiter.
„Eine Frechheit, so etwas!!“, meckerte Sabine ergänzend.
Die Dame klappte sichtlich wie ein Taschenmesser zusammen, fand jedoch so schnell keine auch nur im mindesten passende Entschuldigung.
„Auf Nimmerwiedersehen!!“
Wütend schnappten Sabine und Markus sich ihre Siebensachen und rauschten von dannen.

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