Trödelfieber
Von
tastifix
01.09.2019, 16:32 – geändert Dienstag 03.09.2019, 16:31
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tastifix
01.09.2019, 16:32 – geändert Dienstag 03.09.2019, 16:31
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Ich bin süchtig nach Trödelmärkten und mir ist fast kein Weg dorthin zu weit. Ein paar dieser Großveranstaltungen scheinen Verständnis für mich aufzubringen und lassen sich ganz in der Nähe nieder.
Heute morgen hielt ich es nicht mehr aus und befragte das Internet nach einer entsprechenden Rendezvous-Möglichkeit. Es war mir wohl gesonnen und nach ein paar Klicks erfüllte sich mein Herzenswunsch.
„Fahr` nach Benrath zum Schloss und du wirst fündig werden!!!“
Jubelnd bedankte ich mich angemessen, griff mir meinen recht großen Einkaufsbeutel und nahm die nächst erreichbare S-Bahn.
Schloss Benrath ist Düsseldorfs romantisches Prestige-Schlösschen, erbaut im Rokokostil und zudem in Kleinstkindrosa. Kein Wunder also, dass mich meine Enkelin, als sie vier Jahre alt und somit im Märchenalter gelandet war, ´mal fragte:
„Omihiih, wohnt da Dornröschen drin?“
„Dieses Schloss sieht nur so süß aus und deshalb könnte man denken, es gehörte Dornröschen. Aber Dornröschen gibt’s nur im Märchen!“
Sie wars zufrieden und stellte sich bestimmt vor, dass Dornröschens Zuhause dort dann genau so toll ausschaute.
Bereits nach zwei Stationen hatte ich Benrath erreicht und bummelte durch den Schlosspark bis hin zur Orangerie. Ich war auf einen Markt üblicher Größe eingestellt und fand mich in einem Trödelparadies von der Größe eines Fußballfeldes wieder. Mir wurde fast schwindelig vor Glück.
„JuchuuhI Ich werd Stunden beschäftigt sein!!“
Den drohenden Schwindel vergass ich, durchstöberte jenes Fussballfeld und durfte staunend feststellen, dass es ein äußerst attraktives war. Statt des allgemein üblichen Trödels entdeckte ich Antikes: Gemälde, Porzellan und uralte Buchausgaben. Von denen konnte ich mich dann auch kaum mehr trennen, fing an zu lesen und ertappte mich so beim Buchstabenklau. Denn ich hatte ja keines dieser Bücher erstanden. Aber erneut war mir das Schicksal wohlgesonnen: Als ich erschrocken die Lektüre zurücklegte, fehlte doch wirklich kein einziger.
Die Stunden vergingen. Das Fussballfeld und ich waren enge Freunde geworden, was bedeutete, dass ich es mehrmals durchwanderte. Und ich stellte fest, dass es mittlerweile sehr, sehr viele neue Freunde hatte. Es wurde brechend voll und ich kämpfte mich regelrecht durch, um überhaupt einen Blick auf all die Herrlichkeiten auf den Tischen werfen zu können.
Nach der vierten Runde allerdings … :
´Es reicht doch jetzt. Du kannst gar nix mehr übersehen haben!`
Und doch brauchte ich noch eine weitere halbe Stunde, bis ich mich dazu überwand, dann doch dem Ausgang des Parks zuzustreben. Leider fiel mir - fast dort angekommen - auf, dass mein Einkaufsbeutel immer noch verdächtig leicht und total leer an meinem Arm baumelte. Das kam einem Trödelmarktfrevel gleich.
´So nicht, sonst darf ich mich hier nie mehr blicken lassen!`
Zum Glück machte mich der letzte Stand vor dem Weg zur Straße hilfsbereit auf ein riesiges Angebot von Schleich-Figuren aus dem Elfen- und Tierreich aufmerksam. Weil selbst die dort hockenden grasgrün-violetten Dinosaurier sowie grellbunten Eulen einen Dackelblick aufsetzen, gedachte ich unwillkürlich meiner Enkelin (auch Dackelblick). Gemeinsam waren sie stark, zu stark für mich vernarrte Omi und ich kaufte eine himmelblau/weiße Eule sowie einen kleinen Berner Sennenhund. Dem sah ich dann sicherheitshalber nur ganz kurz in die braunen Kulleraugen, sonst hätte ich vielleicht gar alles Andere auch noch mitgenommen.
Erleichterten Gewissens fuhr ich heim. Ich war dem Trödelmarkt-Knigge treu geblieben!!