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Takt: Was ist das??

Von tastifix Freitag 14.06.2019, 13:32

Wir hatten die Altstadt durchstreift, gönnten uns eine Ruhepause an einem der Tische vor dem Ausflugslokal und beobachteten die vorbei flanierenden Menschen. Uns gegenüber saß eine ältere Dame, die uns aufmerksam musterte und ohne Zweifel Anschluss suchte.
´Die langweilt sich zu Tode!`, dachte ich.
Wir wechselten ein paar Bemerkungen zuerst über das Wetter, danach über den Rhein und dann über den irren Trubel in der Altstadt. Die Langeweile, die ich dabei empfand, sollte recht bald ihr Ende finden.

„Entschuldigen Sie, ist der Platz noch frei?“
Unser weibliches Gegenüber bekam Gesellschaft eines Herrn mittleren Alters, den es dann ungeniert musterte und dabei keinesfalls verhehlte, wie sehr sympathisch er ihr war. Die Frau strahlte ihn an wie ein Honigkuchenpferd.
„Stundenlanges Bummeln strengt an!“, meinte er, bedachte das Honigkuchenpferd dabei aber keines Blickes, sondern richtete seine Worte direkt an uns.
Wir waren uns sofort sympathisch und aus dem vorläufigen Geplänkel entwickelte sich ein recht interessantes Gespräch, in dem wir erfuhren, dass er nur zeitweilig in Deutschland weilte, in Hongkong verheiratet und Flugzeugkonstrukteur war. Er wusste sehr fesselnd zu berichten und die Zeit verging wie im Fluge.

Auch die Madame neben ihm hatte gebannt zugehört und registriert, dass sie bezüglich der Reisen gleichfalls etwas zusteuern und sich somit wieder ins Gespräch einbringen konnte.
„Ja, ich war zweimal in Peking und ...“
Überrascht sahen wir uns an und dann sie:
„Stimmt nie im Leben!“, flüsterte ich meinem Begleiter zu, dem ich ansah, dass er daran ebenfalls sehr zweifelte.
Und richtig: Während sie selbstüberzeugt einige Reisedetails zum Besten gab, amüsierte sich der Herr sichtlich zunehmend, bis es ihm anscheinend der Unwahrscheinlichkeiten zuviel wurden:
„Nein, das weiß ich aber anders!“
„Doch!!“, behauptete die Frau noch.
Er schüttelte den Kopf und sah uns vielsagend an. Wir erwiderten den Blick.

Aber die Weiblichkeit an seiner Möchtegern-Seite bestätigte unseren Eindruck von ihr in den nächsten Minuten in einer derart krassen Form, dass es kaum mehr zu fassen war. Unser neue Bekannter verspürte nämlich Hunger und bestellte sich Mettbrötchen. Mit Wonne biss er hinein, was ihm dann extrem unwonnig beinahe vergällt worden wäre:
„Wissen Sie eigentlich … ?“, begann die Frau.
„Nein, was denn??“
„Also: Im Fernsehen haben die gesagt, was alles so im Mett landet. Da mengen sie jede Menge Abfälle hinein!“
„Ach!“, verkniff sich unser Bekannter das Grinsen.
„Hm!“, meinten wir und bewahrten eine noch möglichst neutrale Miene.
„Genau! Ich möchte lieber nicht wissen, welche sie da rein mischen!“
Eindeutig hatte das Rätsel wegen der Abfälle es ihr angetan - sie hielt sich nämlich dran - und augenscheinlich nun sogar mehr als der Mann neben ihr, der mittlerweile bereits etwas zögerlicher als zuvor seinem Brötchen zu Leibe rückte.

„Um Himmels willen, was ist denn die für eine?`, dachte ich, trat unterm Tisch meinem Begleiter gegen das Schienbein - selbstverständlich nur sehr liebevoll - und erntete einen ebenso liebevollen, eindeutig zustimmenden Tritt zurück. Überm Tisch bewahrten wir noch mühsam Continance.
´Halt bloß die Klappe!`, suggerierte ich mir und wusste längst, dass es nicht mehr lange klappen würde.
Der Herr hatte sich wohl entschieden, jene entschiedene Taktlosigkeit dieser Dame mit Humor zu nehmen, womit er eine gewisse Weisheit bewies. Andernfalls hätte er nämlich platzen müssen. Dies jedoch verbot ihm sein offensichtlich intaktes Taktgefühl. Jedenfalls wurde sein Grinsen breiter und breiter und das meines Begleiters auch.

´Bitte, hört auf damit. Bitte!!`, versuchte ich die beiden männlichen Wesen telepathisch zu beeinflussen.
Vergeblich. Als genauso vergeblich bewies sich meine Bemühung, noch länger den guten Benimm zu wahren. Ich vermochte mich nicht mehr zu bremsen:
„Jetzt schmeckt Ihnen Ihr Brötchen doch garantiert nochmal so gut, nüüch?“
Auf einmal wirkte das Lächeln der Frau neben ihm sehr gekünstelt.

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