Rohrreiniger kommen mir nicht ins Haus
Von
tastifix
29.07.2018, 16:21
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tastifix
29.07.2018, 16:21
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Kurz bevor der Herr des Hauses zum Dienst und die Tochter zur Schule aufbrachen, staute sich das Wasser in der Spüle.
„So`n Mist. In der Wand ist was verstopft, die Rohrreinigung muss her!“
„Nee, ss gibt bestimmt noch ´ne andere Möglichkeit ... “
„Mama, gieß Cola mit einer Pfefferminztablette rein!“
„Nur das nicht. Dann schießt der Dreck meterhoch!“, bremste sie ihr Vater.
Zweifelnd betrachtete ich meine blitzblanke Hochglanzküche. Nein, dafür war sie mir zu schade. Der Rest der Familie verschwand und überließ so mir die Lösung des Problems.
Kurz entschlossen kochte ich mehrere Liter Wasser und kippte sie mit Schwung ins Spülbecken. Leider bewirkte aber das brodelnde Nass in der Wand keinen Lösungsprozess, sondern es spritzte nach allen Seiten und mir prompt ins Gesicht als auch über Arme und Hände, die sich sofort rot färbten. Auf der Haut bildeten sich Brandblasen, die verflixt brannten. Mit der Tapferkeit der Verzweifelten ignorierte ich es und goss dennoch weiter, nach wie vor ohne jeden Erfolg. Inzwischen eroberte der See den Küchenboden.
Weil die Schmerzen zu heftig wurden, trug ich eine Salbe auf und verpasste mir ein Mullbindenkleid vom kleinen Finger bis zum Oberarm sowie vom Hals bis unter den Pony. Zwei Schlitze für die Augen sowie zwei Löcher für die Ohren ließ ich frei. Meinem Spiegelbild im Bad flüsterte ich zu:
„Siehst aus wie eine tote Mumie!“
Mittlerweile fühlte ich mich seelisch dermaßen matschig, dass ich die Blödsinnigkeit dieser Feststellung gar nicht mehr feststellte.
In der Küche war das Wasser auf den kühlen Fliesen inzwischen abgekühlt. Frustriert tappte ich, auf dem rutschigen Boden mühsam die Balance haltend, durch das knöcheltiefe, kalte Nass zum Putzschrank.
„Kneipp-Kuren sind ja gesund. - Und Kälte nimmt Schmerzen!“
Es brachte mich auf eine Idee. Im Mund den Henkel des Putzeimers mit dem Wischlappen, robbte ich wie ein Seehund zur Spüle und tauchte immer abwechselnd das Gesicht und die Arme in die mich um wogenden Eiswasserwellen. Tatsächlich linderte die Kühlschranktemperatur des bereits klitschnassen Mulls das Brennen. Beinahe zum Stalagtiten geworden, blieb ich aber im Gegensatz zu denen in den Höhlen ausgesprochen beweglich.
„Allerdings schlottern die nicht vor Kälte!“
Meine Zähne dagegen klapperten eine bemerkenswert laute Klappermelodie und ich überprüfte besorgt, ob die Beine und Arme etwa schon halb abgestorben waren. Vorsichtig hob ich den linken Arm und krümmte den rechten kleinen Zeh:
„Puuh, Glück gehabt!“
Das weitere Wischen schob ich trotzdem lieber auf und humpelte steif ins Bad. Hastig schnitt ich mir die Arktis-Verbände vom Körper.
„Ist direkt wieder nen bisschen wärmer!“
Dennoch heftig niesend verkroch ich mich, bewaffnet mit einer großen Wärmflasche, ins Bett, deckte mich mit drei dicken Decken bis zur Haarspitze zu, hörte endlich auf zu bibbern und fing stattdessen an zu tropfen - vor Hitze.
´H...Hahahaatschi!!`
„Nicht mit mir. Tote Mumien werden nicht krank!“, hämmerte ich mir ein und vergaß zum zweiten Mal, welchen Unsinn ich redete.
Sicherheitshalber verbrachte ich den restlichen Tag in dem selbst gewählten Backofen. Gegen Abend nieste ich nicht mehr und fühlte mich fast wieder okay, zumal die Brandsalbe sehr gut gewirkt hatte.
Ich verließ den schützenden Schwitzkasten und marschierte mutig und guter Hoffnung vor meinen Schneewittchenspiegel.
„Wer sieht am normalsten aus von uns allen?“
„Der Papa in seinem Büro und deine Tochter in der Schule sehen normal aus, aber du hier siehst tausendmal normaler aus als sie!“
Misstrauisch beäugte ich mich. Mir sah, wie vor diesem verrückten Tag sonst auch immer, etwas Wachsbleiches entgegen.
„Eine Leiche auf Urlaub!“
Ich war zufrieden. Der Spiegel hatte die Wahrheit gesagt.