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Nee, niich?

Von tastifix Samstag 27.08.2022, 21:46 – geändert 28.08.2022, 11:31

Ihr ist langweilig. Im Fernsehen läuft nur Mist und zum Lesen hat sie keinen Bock. Frustriert schaut Annabel zum Radio.
´Ja, gute Idee! Ist eh fast schon zu lange her, dass ich mal ...`
Auf gut Glück wählt sie einen Sender. Erst knackt es nur stotternd im Apparat. Dann aber:
„Ja, wissen Sie, in meinem Alter ...“, tönt es aus dem Äther.
´Eine merkwürdige Stimme! Die knirscht so!`
„Ein sehr langes Leben und eine tolle Karriere. Sicherlich würden unsere Zuhörer gern mehr darüber erfahren.“
´Aah,wohl eine berühmte Persönlichkeit.`

Annabel wird neugierig.
„Na gut, ich fang ganz von vorne an. Bei der Geburt war ich ein richtiger Wonneproppen. Meine Wiege stand bei jedem Wetter draußen. So tankte ich genügend frische Luft und war für den Lebenskampf gewappnet. Die Verwandten umsorgten mich äußerst fürsorglich. Dankbar lin kürzester Zeit das Laufen, gab mir viel Mühe, möglichst kräftig und besonders schnell zu werden und es klappte auch.Wie immer,wenn ich etwas erreichen wollte.
In Kindertagen buhlten zahlreiche Kameraden um meine Gunst. Mit wem würde ich wohl spielen? Weil zudem sehr temperamentvoll, konnte ich mich manchmal gar nicht zurückhalten. Lieblingsspiele waren Wettbewerbe, bei denen es um Schnelligkeit ging. Ich schlug schlug sehr geschickt und überraschend Haken wie ein Hase und wich routiniert Bremsversuchen aus. Mein Freudneskreis wuchs und wuchs. Garantiert war kein anderes Kind so beliebt wie ich!“
„Oller Angeber!", murmelt Annabel.

„Man kannte Sie nicht nur in Ihrem Heimatdorf …?“, unterbricht der Reporter.
„Oh, mich kennt die halbe Welt!“, trumpft sein Gast auf. „Darum wurde ich sehr selbstbewusst. Jeder, der mich traf, jubelte laut. Einige wagten sogar, mich zu bedrängen, aber meine Leibgardisten hielten sie unter Einsatz des eigenen Lebens in Schach. Auch als Erwachsener trieb mich mein Ehrgeiz voran. Nur selten musste ich eine Niederlage einstecken.Tja, mit viel Energie i boxte ich mich die Karriereleiter hoch, hinterließ dabei nachhaltigen Eindruck und wurde oft gefeiert.“
´Eingebildeter Pinsel!", denkt Annabel.
„Sie setzen sich toll durch. War das schon immer so?"
„Sturheit ist angeboren. Ich war stur und doch auch wieder nicht.“
„Wie meinen Sie das denn?"
„Mein Ziehvater brachte mir sehr früh bei, dass man im Leben eine dicke Haut benötigt. Ich hielt mich daran und fast nichts konnte mir etwas ausmachen.Die häufigen Angriffe enoss ich sogar noch. Zwar schemrzte es ab und an heftig, aber die Zuwendung meiner Freunde trug mich dadurch. Souverän meisterte ich solcherlei Vorkommnisse. Um bewundert zu werden, nahm ich eben auch übelste Rempeleien in Kauf.“
Annabel erschüttert:
´Masochist ist der auch noch, oh Gott!`
„Wann entschieden Sie sich endgültig für diese Karriere?"
„Für mich kam nur ein Beruf infrage, in dem ich meine Energie beweisen durfte. Außerdem wollte ich im Mittelpunkt stehen.“
„Dies brauchten Sie wie Andere das tägliche Brot!", stimmte der Reporter zu, „erst dann zeigte sich Ihre Lebensfreude in vollem Maße."
´Ach herrje, ein Hansdampf in allen Gassen!`
Annabel verdrehte die Augen zur Decke.
„Aber wie gingen Sie mit Tiefschlägen um?", forschte der Reporter nach, inzwischen eindeutig genervt von der Prahlerei.
„Die habe ich ausgehalten und überwunden. Klar hatte und habe ich viele Neider. gibt es, so bekannt, Sie wollten mir schon damals mit äußerst brutalen Intrigen meine steile Karriere vermasseln. Aber ich reagierte dermaßen heftig darauf, dass sie dann mehr als griesgrämig aus der dreckigen Wäsche guckten. Dermaßen bloßgestellt, fehlte ihnen jede Kraft, noch weiter aufzutrumpfen.“
„Manchmal verhielten Sie sich auch unfair!“, warf ihm der Reporter vor.
„Stimmt! Ab und an konnte ich mich nicht mehr zurückhalten.“
„Würden Sie ein Beispiel nennen?"
„Gern. Gleich geben Sie mir bestimmt recht. Es geschah in einer äußerst turbulenten Phase. Über jene Feierlichkeit berichtete sogar das TV. Wie immer war ich der Star. Ein paar Leute wurden ungehörig aufdringlich. Empört verpasste ich denen einen Denkzettel, der deutlich deren Gesichter der Aufdringlichkeit brandmarkte und den sie bestimmt nicht wieder vergaßen. Leider zog ich selber mir dabei eine tiefe Platzwunde zu, fühlte mich total platt und brauchte zur Erholung denn doch mehrere Minuten."
„Und doch lassen Sie auch heute noch sich nicht unterkriegen ...“
„Richtig! Die Leibgardisten verarzteten mich fix und ich befand mich wieder auf der Sonnenseite des Lebens.“
„Dort zu bleiben, haben Sie mit Bravour geschafft!", anerkannte der Reporter.

Die Sendung war fast zu Ende und er wollte wohl jenem Ausbund an Abgehobenheit möglichst rasch die Puste der Überheblichkeit rauben.
„Vielen Dank! Doch dies sagen mir Viele!", kam überheblich.
Der Reporter schnappte nach Luft, um sich nicht wegen unbeherrschter Aggression noch Beulen einzuhandeln.
„Schade, mein Herr, dass die Sendezeit viel zu knapp bemessen ist. Vielen herzlichen Dank für dieses Gespräch!“
„Es war mir ein Vergnügen ohne Ende. Ich habe zu danken."
Erleichtert richtete der Reporter ein letztes Wort an die Zuhörer:
„Falls Sie noch Fragen haben ... Unser Gast hat sich bereit erklärt, sie telefonisch zu beantworten. Hier ist die Nummer: 11 22 11. Ich danke Ihnen für Ihr Interesse und wünsche noch einen schönen Abend!"

„Der hat glatt vergessen, den Beruf dieses depperten Mannsbildes zu erwähnen. Macht nix, ich ruf den an!“
Entschlossen wählte Annabel die genannte Nummer. Bereist nach dem zweiten Freiton wurde abgehoben und sie vernahm die ihr schon vertraute knirschende Stimme.
„Ja, hallo? - Hier Fidelius B..."
Annabel schluckte, schluckte nochmals. Der Hörer fiel zurück auf die Gabel und sie dann auf den Teppichboden. Alle außer ihr hatten es wahrscheinlich gewusst.

Der Gast aus dem Rundfunk,ihr akustisches Gegenüber war::
´Ein Ball!!!`

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