Meine erste Beichte
Von
tastifix
Freitag 05.04.2024, 08:30
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tastifix
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Mein eher weniger gläubiges Elternhaus war sehr darauf bedacht, vor den Leuten den Schein zu wahren. So marschierten wir jeden Sonntag gen Kirche, egal, ob wir uns lieber mal ausgeschlafen hätten.
Mit ungefähr elf Jahren wurde ich auf die erste heilige Kommunion vorbereitet. Damals lauschte ich dem Kaplan noch andächtig, wozu dessen schwarzes, elegantes Outfit nicht unwesentlich beitrug. Ja, das wehende bodenlange Gewand gewann mir gehörigen Respekt ab. Wie wir Kinder es uns zugeben durften, beherrschten wir das ´Vater unser` immerhin schon aus dem Effeff.
Leider verlangte dann der Kaplan von uns, in uns zu gehen und nach dunklen Stellen auf unserer Seele zu forschen. Prompt schrumpften eingeschüchtert zu Zwergen. Bange schielte ich zu den Anderen. ob denen nun auch die Buxe mit Grundeis ging. Allerdings konnte ich es mir nicht vorstellen, dass dies dann zu Recht so gewesen wäre. Nein, wir waren doch reine Unschuldslämmer!
„Hm ja“, zweifelte ich, „aber, wenn der dort vorn meint, dass auf unseren so unschuldigen Kinderseelen vielleicht doch schwarze Flecken sitzen, dann … Denn der ist ja schon erwachsen und auch sehr klug.“
Je länger ich darüber nachdachte, dass mein Inneres vielleicht nicht reinweiß sein könnte, umso heftiger hämmerte mein Herz. Ich empfand Gewissensbisse, wusste noch nicht mal, warum und so gesellten sich dann noch welche hinzu, weil ich eben keine Ahnung hatte, wieso eigentlich. Ich forschte und forschte, aber kam zu dem Schluss, wenn überhaupt, dass es dann nur Mikro-Flecken wären. Anstatt, dass es mich beruhigte, wälzte ich mich, je näher der Tag der ersten Beichte rückte, desto schlafloser nachts im Bett. Weil der liebe Gott (beziehungsweise eher sein Vertreter auf Erden und in meinem Falle der sonst so nette Kaplan) hartnäckig darauf bestand, gab es kein Entrinnen. Frustriert beriet ich mich mit Freundinnen, was zu tun wäre, damit wir dann blütenweißer Weste wieder aus dem Beichtstuhl entsteigen dürften. Sie waren genauso ratlos wie ich.
Nach einigen Konferenzen entschlossen wir uns zur Gemeinschaftsarbeit in Sachen ´Sündenregister zusammenstellen`. Es endete weniger dramatisch als befürchtet. Eine trug der Anderen Leid. Wir machten uns also gegenseitig Mut, dass bis dato noch jedes Kind jene Beichte überlebt hatte. Sehr half uns diese Erkenntnis aber leider nicht. Uns schlotterten die Hirnwindungen beträchtlich, die Köpfe rauchten und wir hörten uns gegenseitig die Sünden-Vokabeln ab, ob wir auch genügend zusammen gefunden hatten.
Vor dem Beichtstuhl dann rückten wir eng zusammen,. Doch blieb es mir nicht erspart, ganz mir selber überlassen hineingehen und dort auf die Knie sinken zu müssen. Zitternd kauerte ich mich nieder, vor mir das Respekt abverlangende, die Übermacht des Priesters noch betonende Gitter.
Und schon ging es los: „Meine Tochter. Was hast Du gesündigt?“ Ich war total verblüfft ob dieser Anrede. Bislang hatte ich meinen Vater dahein für den einzigen gehalten. War wohl ein Irrtum gewesen. Nun Nun hatte ich plötzlich zwei davon, wobei dieser hier mir der weitaus strengere zu sein schien. Aber die wohl erwarteten töchterlichen Gefühle, die mir noch mehr Ehrlichkeit, was eventuelles Fehlverhalten an ging, hätten entlocken sollen, stellten sich so gar nicht ein. Dagegen brachte ich meine Stimme nur mit äußerster Anstrengung noch dazu, ja nicht zu versagen. Denn sonst hätte ich am weißen Sonntag die Kommunion nicht empfangen zu dürfen, weil die angeblichen blöden anthrazit/schwarzen Flecken auf meiner Seele nicht weg gewesen wären.
Zum Glück fiel mir noch gerade rechtzeitig ein, dass jetzt eine aussagekräftige Antwort von mir erwartet wurde. Sicherheitshalber hatte ich alles zuvor gepaukt bis zum Umfallen und trotz meiner fast brechenden Stimme setzte ich zum (Pseudo-)Bekenntnis an:
„Ich habe 3x mit meinem Bruder gestritten, 2x gelogen und meine Eltern 1 1/2x geärgert ...“
Es muss wohl ziemlich überzeugend geklungen haben, denn unser so sehr nette Kaplan erteilte mir wirklich die Absolution und ich schwebte geradezu, mich federleicht fühlend, aus dem Beichtstuhl und nachhause.
Heute, über 61 Jahre später, denke ich:
´Der hat sich insgeheim garantiert köstlich amüsiert!`