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Kalles Fortsetzung

Von Feierabend-Mitglied Freitag 27.11.2020, 14:02

Kalle und Kalle und Claudia ( 3/2 )

Langsam ging ich an dem Schläfer, auf der Bank, vorbei. Sein Gesicht war verdeckt. Es war nicht zu erkennen. Nur sein Habitus, sprich Kleidung, kam mir bekannt vor. Ich blickte unter die Bank und sah dort einen dunklen , großen Hund mit einem Seil um den Hals, der offenbar auch schlief. Jedenfalls rührte er sich nicht. Tobi gab auch kein Ton von sich.
Na klar, das waren Kalle und Kalle. Ein Hund und sein Herrchen. Ei Ei Ei.
Der Kalle unter der Bank gab jetzt ein paar laute, mehr ein Gewinsel von sich. Aufstehen konnte er nicht. Das Seil um seinen Hals war von Kalles Herrchen, also auch Kalle, so fest um die Bank gebunden worden, daß sich Hundekalle nicht rühren konnte. Ich machte ihn los. darüber freute sich der Hund offensichtlich. Er kroch hervor , reckte und streckte sich. Jaulte freundlich, weil er uns erkannte. Er war wohl erfreut über seine Erlösung.
Dann konnte ich mich an Kalle auf der Bank wenden. Vorher ist mir nichts aufgefallen. Jetzt stellte ich trotz seines mit der Mütze verdeckten Gesichtes fest, daß er allerlei leise Töne von sich gab. Erstaunlicherweise wirklich leise hörte man ein Schnarchen, Grunzen , Pfeifen, Röcheln. Immer im Wechsel. Er schlief wirklich sehr fest.
Was mache ich jetzt. Ihn wecken oder einfach weiter gehen? Erst einmal habe ich Hundekalle im Visier. Der schlich immer um mich herum und schnupperte an meiner Jackentasche mit den Hundeleckerlis.
Aha, der Bursche hat wie immer Hunger. Na gut, er tat mir leid. Ich habe deshalb mit der Raubtierfütterung begonnen. Denn Tobi stand auch an um seine Anteile zu bekommen. So war ich erst einmal beschäftigt und brauchte mich nicht um den Menschen Kalle zu kümmern.
Der fing aber langsam an sich zu rekeln. Reckte und streckte sich, drehte sich dabei auf der Bank einmal um seine Achse.
Dann ließ er seine Beine von der Bank herunter baumeln, schob seine speckige Mütze aus dem Gesicht mehr in den Nacken. Stützte seine Arme auf die Holzleisten und zeigte sein noch verschlafenen Gesicht dem grauen Himmel.
Sprach kein Wort, gab nur ein paar undefinierte Laute an die Umgebung ab. Ich brauchte nur sein Gesicht mit den großen Augen und den vielen Runzeln zu betrachten um zu sehen , wie es ihm ging.
Da war keine Freude oder Kraft oder Mut oder Zuversicht zu entdecken. Nur Trostlosigkeit. Vielleicht auch Ängste
Er nahm die Leine, also den Strick für seinen Hund in eine Hand.
Der Hund saß vor ihm, sah ihn an. Kalle strich ihm über den Kopf, kraulte seinen Hals.
Alles Scheiße , sagte Karlheinz plötzlich. Das waren die ersten Worte, die ich von ihm hörte.
Dann war wieder Ruhe. Ich hatte jetzt etwas Glück beim Platzangebot auf der Bank.
Kalle hatte ja seine Schlafposition aufgegeben. So konnte ich mich dazu setzen, was mein quietschendes Knie mit Bravorufen quittierte und sein Schmerzpotenzial verringerte.
Dich sieht man ja auch andauernd sagte Kalle, zu mir gewandt. Da hast du Recht sagte ich. Zuletzt vor drei Monaten in Erich`s Kneipe, weil es draußen regnete.
Ich mußte leise lächeln. Kalle auch. Und wenn du denkst, ich habe nicht bemerkt daß Erich eine Wurst vor meinem Hund fallen gelassen hat, dann irrst du. Wir hatten ja kein Geld aber ganz schön Hunger.
Übrigens habe ich jetzt auch Hunger. Habe die Nacht hier auf der Bank geschlafen und gestern erst ein bißchen gegessen. Ich sah ihn an wie ein Wesen aus einer anderen Welt.
Das gibt es nicht. Bist du krank, hast du kein Magen? Das bißchen Geld was wir kriegen ist schon lange alle.
Wir sind zwar geschieden, aber das Leben auf der Strasse ist nicht billig. Deshalb gehen wir mitunter gemeinsame Wege. Auch ohne eigene Wohnung.
Ich habe nur ein paar Kekse, kannst du haben, sagte ich zu ihm.
Du zitterst auch ganz schön. Brauchst du einen kleinen Kreislaufregler ? Hier ist ein kleines Regulierungsgetränk, ein Weinbrand. hilft aber nur kurz.
Wie kommst du überhaupt hier in die Landschaft ? Wir sind mehr als fünf km von deinem Nachtschlafplatz entfernt. Bin einfach immer weiter gewandert, bis ich nicht mehr konnte. Und Claudia, was macht die ? Ich weiß nicht, wir sind geschieden. Manchmal wandern wir zusammen. Paß mal auf, sagte ich. wir gehen jetzt zum Auto, sind noch ein km Weg. Ich fahr dich zum Nachtlager und unterwegs erzählst du mir mal ein bißchen von dir. O.K. ? Gut gehen wir langsam weiter. Kannst ja inzwischen die Kekse knabbern.
Für deinen Kallehund habe ich auch noch etwas zum Kauen. Wir wanderten die für mich bekannten Wege bis zum Parkplatz.
Unterhielten uns weiter, nur noch zwanzig Minuten, stiegen ins Auto und ab ging die Post. Die paar km bis zur Stadt waren ratzbatz vorbei.
Halt, fiel mir noch ein. Kamen an einem Imbißstand vorbei. ich holte für die Beiden eine Tüte mit Abendbrot und Getränken.
Für Kallehund gabs auch noch was, hat mir der Chef der Imbisbude geschenkt nachdem ich ihm in Kurzfassung die Gründe meines Einkaufs erzählt habe.
Nachdem ich meine neuen Kumpels bis an ihre Nachtunterkunft gebracht hatte, haben wir uns für ein neues Treffen verabredet. Verpennt aber nicht , sonst treffen wir uns nicht. Ihr habt ja kein Handy
Ich habe gemerkt, das meine ersten Eindrücke von Kalle und Kalle einer Korrektur bedürfen. Und ich wollte jetzt mehr über die Schicksale der Drei, also auch von Claudia, erfahren.
Ein bißchen erzählte Kalle noch. Es war ja nicht viel, war aber doch nicht uninmteressant. Und das passierte ihr.
Claudia wurde als Chefin abgesetzt. Die üblichen Intrigen ihrer Vorgesetzten. Hat noch einige Jahre gejobt ohne eine feste Anstellung zu bekommen. Sie ist ja erst Anfang Vierzig. Dann konnte sie nicht mehr, ließ sich immer mehr fallen. Fing an zu trinken. Immer mehr, immer öfter. Sie ist eine richtige Alkoholikerin geworden.
War schon viele Male zu Entziehungskuren und allen möglichen Behandlungen. Hat alles nicht längerfristig gewirkt.
Kalle hat das zuerst nicht mitbekommen. Er war ja oft auch für längere Zeiten von zu Hause fort, auf Montage. Sogar im Ausland.

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