Kalle und Claudia 6 / 1
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Feierabend-Mitglied
Mittwoch 16.12.2020, 16:33
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Mittwoch 16.12.2020, 16:33
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Mein Telefon, äh Handy, äh Smartphon ( immer diese Verwechselungen ), gibt wieder einmal seine arteigenen Geräusche ab, die da bedeuten, daß irgend jemand irgend etwas von mir will. Wenn es nicht gerade ein besonders freundlicher Werbemüllvertreter ist.
Aber nein , es ist die nette Jutta. Na mal sehen , was sie jetzt von mir möchte.
Also und hallo schöne Frau. Hast du gerade Langeweile oder schickt dich dein Chef mit einem Auftrag los ?
Ob ich morgen Nachmittag Zeit für dich habe ? Na klar sage ich. Claudia kommt auch zur selben Zeit in eure exquisiten Geschäftsräume sagst du , Kalle auch ? Nein der nicht, kommt erst in ein paar Tagen aus der Klinik.
Na gut sage ich. Ich bin da. Mit Hund selbstverständlich. Kannst ja schon immer für mich die übliche rote Schorle vorbereiten, damit es nicht so trocken anfängt.
Zur vereinbarten Zeit bekommt mein kleiner freundlicher Hund sein Geschirr umgelegt und steht schon Schwanzwedelnd vor der Tür. Und los geht es.
Mich wundert eigentlich nur, daß Erichs Kiezkneipe , wo auch Jutta arbeitet und wir uns treffen wollen, heute offen hat. Normalerweise ist an diesem Tag hier der genehmigte Ruhetag, also geschlossen. Na mal sehen, was es so Wichtiges gibt.
Das Wetter ist herbstlich schön, also angenehm sonnig, nicht zu warm, auch nicht kalt. So wandere ich mit meinem kleinen Hund gemütlich durch die Botanik. Lasse ihm auch genügend Zeit zum Schnuppern, auch mal beim Treff mit anderen Vierbeinern.
Das macht ihm immer Spaß. denn er ist ein freundlicher und vor allem friedlicher Hund. Verträgt sich mit jedem anderen Vier-und Zweibeiner und soll er noch so fremd sein. Motzt ihn mal einer an, dann dreht er sich einfach um und geht seiner Wege weiter.
Es dauert nur etwa eine halbe Stunde und wir stehen vor der sonntäglich geschlossenen Erichs Kiezkneipe.
Ich wollte gerade klopfen, als die Tür mit einem Schwung geöffnet wurde. Jutta , also Erichs Mitarbeiterin stand da, nein stürzte auf mich zu, gab mir ein freundliches Begrüßungsküßchen und dann den Weg frei ins Innere der Räumlichkeiten.
Das war ja eine Begrüßung, die von Claudia genauso freundlich getan wurde. Mir war das alles nicht unangenehm.
Die Beiden hatten mich schon kommen sehen und freuten sich offenbar, ebenso die beiden Hunde. Die trollten sich mit lautem Gebell durch die Gasträume und landeten dann endlich unter einem Tisch. Hier stand eine Schüssel frischen Wassers.
Für Hunde genauso angenehm, wie für mich das auf einem Tisch stehendes Glas Rotweinschorle. Das hatte ich im Telefongespräch mit Jutta, bestellt. Außerdem hatte ich Durst.
Nachdem das Glas halb leer war, fragte Jutta, na hat es geschmeckt ? Ja prima wie auch beim letzten mal, sagte ich.
Schön, meinte Jutta leise, dann würde ich jetzt mit dir gerne ein bißchen schlafen. Das war leise gesagt. Claudia hatte es aber gehört und mußte darüber lächeln. Du hast aber einen ganz schönen Mut sagte sie zu Jutta. Jetzt lachte ich und sagte, laß sie doch träumen, das sind ja doch nur Wunschvorstellungen und leere Versprechungen.
Ihr solltet vorsichtig sein mit manchen Wortspielereien, meinte Claudia. Ich hatte vor ein paar Jahren durch ähnliche, lustig gemeinte Worte , großen Ärger. Der führte dann Letztendlich zu dem Zustand in dem ich mich jetzt und Karlheinz befinde.
Wißt ihr, sagte sie, eine gemütliche und freundlich angenehme Atmosphäre im Kollegenkreis gehört vielerorts zum guten Ton und oft zum Dankeschön unter Mitarbeitern.
Ich war ja damals Chefin in einem großen Supermarkt. Bekannt und angesehen. Die gemütliche Zusammenkunft mit meinen Mitarbeitern sollte ein Dank für die geleistete Arbeit sein. So war es auch.
Die Feierlichkeiten gingen bis in die späte Nacht hinein. Sekt und viele andere alkoholischen Getränke flossen in Strömen.
Es wurde geschwatzt und gefachsimpelt. Gedanken ausgetauscht. Erlebnisse zum Besten gegeben. Viel gelacht aber wenig geflirtet. Manch einer wurde auch ein bißchen durch den Kakao gezogen, ohne dabei bösartig zu werden.
Tanzen war kaum möglich. Musik vielerlei Genres kam zwar aus den Boxen, da wir aber fast nur Frauen bei dieser Feierlichkeit waren, fehlte wohl doch etwas die männliche Gegenwart zum angenehmen Miteinander.
So war es trotzdem eine nette Stimmung im Raum. Mein Chef hatte sich zu mir gesellt, störte mich aber kaum. Er war ja eben der Chef, der sich an der Seite einer seiner verantwortlichen Mitarbeiter wohl besonders gern aufhielt. Mir war er sehr gleichgültig. Eher sogar etwas unangenehm. Als Chef akzeptierte ich ihn natürlich, als Privatperson war er mir sogar unangenehm bis scheußlich. War immer froh, wenn er wieder fort war.
Wenn wir nicht gerade diese Zusammenkunft hätten, wäre er mir sogar unangenehm, ja lästig, gewesen. Er war eben nur mein Chef, so nannte ich ihn, ohne seinen Namen oder Vornamen zur Anrede zu benutzen.
Mir fehlte hier und heute besonders mein Karlheinz. Heinzi nannte ich ihn immer, wenn wir zusammen waren. Leider war er wieder für Wochen weit weg auf seiner Baustelle .
Als verantwortlicher Leiter des Brückenbaues mußte er natürlich wochenlang für die Richtigkeit der Baumaßnahmen beim Bau seiner Brücke ( so nannte er stolz die gerade im Bau befindliche Brücke ) dabei sein. War ja auch verständlich.
Für mich waren diese langen Trennungen immer unangenehm. Gerade heute hätte ich meinen Heinzi gern dabei gehabt.
So mußte es eben ohne ihn gehen und mir dabei die schönen Worte meines Chefs anhören, ohne daß die mich besonders beeindruckten. Ja , seine Art sich bei mir anzubiedern wurden mir von Minute zu Minute unangenehmer.
So beteiligte ich mich besonders bei den Unterhaltungen meiner Mitarbeiter. Und wie gesagt, Wir hatten alle unendlichen Durst und Appetit auf die bereitstehenden Flaschen unterschiedlicher Inhalte.
Dann kam das, was oft in solchen Situationen kommt. Man hat genug, fühlt sich nicht mehr wohl, kann sich kaum noch beherrschen, will einfach nach Hause. Möchte etwas Anderes.
Dann kommt der Filmriss.
Im Zimmer war es hell. Zu hell. Sodaß mir beim Aufwachen und anschließenden Hinsetzen im Bett meine Augen schmerzten.
Was war los, Mund und Hals taten weh. Arme und Beine waren schlapp. Ich sah mich an, aus halb geöffneten Augen. Stellte fest, daß ich offenbar nackt in meinem Bett lag, noch halb zugedeckt. Meine strohblonden Haare hingen in Strähnen über den Anfang meiner Bettdecke. Gleich neben meinen bloßen Brüsten.
Die sahen aber auch komisch aus. Waren irgendwie mit irgendetwas wie beschmiert. Langsam schob ich die Bettdecke weiter nach unten. Das gleiche Bild. Auf meinem Bauch, meiner Claudi mitsamt dem schmalen dünnen blonden Haarstreifen, meinen Beinen, überall waren diese angetrockneten Flecken zu sehen.
Mit einem Male hatte ich eine Erinnerung. Heinzi war gekommen. In der Nacht waren wir zusammen und ganz toll vereint und ineinander verschlungen bis zu einem unheimlich langen und intensiven Orgasmus. Jetzt hatte ich meine Filmenden wieder gefunden, wollte sie zusammenfügen und Heinzi noch einmal verführen.
Ich sprang aus dem Bett und rief nach meinem Heinzi. Lief schnell durch den Raum, drehte mich um, suchte ihn, rief nach ihm. Keine Antwort.
Wo war er, also ab ins nächste Zimmer. Gähnende Leere. Noch ein Zimmer , wir hatten ja vier davon. Auch hier war er nicht.
Ach so sagte ich mir. er wird im Bad sein, oder in der Küche. Macht uns vielleicht ein sonntägliches Frühstück. Aber niemand war da und die Küchenuhr zeigte halb zwölf.
Also bleibt noch das Bad. Es war leer, außer einer nackten blonden Frau mit verquollenen Augen und wirren Haaren, die mich groß ansah. Wer war denn das? Nach Augenblicken des Besinnens fiel mir ein, das bin ja ich vor unserer schönen großen Spiegelwand. Ich ging nicht weg, sah mich immer wieder nur an und sagte dann zu mir, pfui bist du häßlich.
Wo war denn nur mein Heinzi, der mir so eine tolle Liebesnacht mit viel Gefühl und sichtbaren Flüssigkeitsresten beschert hatte.
Was war nun mit meinen Filmenden. Offenbar hatte ich nicht die Richtigen gefunden.
Was mache ich jetzt. Hunger hatte ich nicht. Eher Durst. Ein Schluck Wasser aus der Leitung. Igittigitt ist das eklig.
Es klingelt irgendwo. Ich gehe zur Tür, immer noch vollkommen nackt. Es klingelt immer wieder, Penetrant in den Wiederholungen.
Mache die Tür auf, es klingelt immer noch. Ich stehe wie benommen in der offenen Tür, alleine, nackt, es ist niemand da. Aber es klingelt.
Langsam begreife ich , es ist mein Telefon. Eine blöde Idee, das Telefon so klingeln zu lassen, wie die Wohnungsklingel tönt. Muß ich ändern. möglichst schnell.