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Irgendetwas stimmte nicht mehr ...

Von tastifix Dienstag 04.07.2023, 09:09

Soweit ich mich erinnere, habe ich in einer meiner zahlreichen Geschichten schon vorsichtig angedeutet, welche Wirkung Alkohol auf mich hat. Darum nahm ich früher vor vielen Jahren (heute gar nicht mehr) nur "eenen wenzigen Schlock", wenn es denn unbedingt sein sollte.

Während eines solchen feucht-fröhlichen Abends wurde ich diesem "weenzigen" Schluck untreu. Es hatte schlimme Folgen ...
Meine vier Töchter warteten gespannt ab, ob und was denn sich gleich mit ihrer Mama täte. Eine halbe Stunde später:
"Siehste, Mama, was Du fürn Quatsch erzählst, Du wärest schon nach einem Schluck blau? Das bildest Du Dir nur ein!"
Ich setzte an, um ihnen eine Vortrag über die heikle Liebesgeschichte Alkohol/ Mama zu halten. Doch klappte es mit der gewählten Ausdrucksweise nicht mehr:
"Abaa i.ich vatrag den wirklich nicht. Mir is jetzt schon ganz komisch!"
Es war die reine Wahrheit. Selbst den Kopf zu schütteln vermied ich, es drehte sich alles. Außerdem sah ich nicht ein, mir von meiner wahrlich so besorgt um mein Wohl bemühten Nachkommenschaft, die bereits unbeschadet mit dem zweiten Glase zugange war, einreden zu lassen, ich hätte mir da etwas eingeredet.
"Mama, das kann gar nicht sein!"
Es folgten fadenscheinige Begründungen, warum das überhaupt nicht sein konnte. Jedenfalls wertete ich sie als fadenscheinig, hätte ja sonst zugeben müssen, dass ich einer Macke erlegen war. Kam überhaupt micht infrage!
Während meine Kinder mir hartnäckig zu suggerieren versuchten, dass ich bezüglich meiner Einschätzung der Wirksamkeit gewisser Getränke einen Knall hätte, gab mir jedoch mein eigenes, sich steigernd ver-rücktes Verhalten unbestreitbar nur allzu deutlich Recht.
Der Rotwein eroberte zunehmend meine Blutbahnen, vergaß auch keine einzige Ader oder Vene (war ja auch ein guter Jahrgang!) und machte mir das Leben in rasantem Tempo immer vergnüglicher.
Die deutsche Sprache war schon recht apart überarbeitet, ich in meinem jetzigen Zustande mit dem Ergebnis sehr zufrieden und fand das alles ausgesprochen amüsant.
"Ich hab` nua einen janz leichten Schwiips, Mäuse!", versicherte ich meinem Nachwuchs, der mir mit wachsender Fassungslosigkeit lauschte und im Stillen seine Meinung über ´Mama und Alkohol` hastig revidierte.
Sie sahen ja jetzt, was mit mir los war.
"Klar Mama, soo`n Rotwein haut Diich doch nicht um, ja...?!!"
Obwohl geistig inzwischen arg umnebelt, erkannte ich leider noch, wie sehr ironisch es gemeint war.
"Die behaupten glatt, dass ich besoffen bin!", entrüstete sich mein Inneres, fand aber selbst dies dies dann gleichzeitig höchst lustig.
"Hihi!", grinste ich relativ dümmlich in die Runde.
Ein weitaus intelligenteres, weil nun wissendes vierfaches Grinsen war die Antwort.

Es kam noch viel schlimmer: Mittlerweile bekam ich vom Gespräch nur noch ein armseliges Drittel mit und das dann total verkehrt. Etwa so:
"Mama, morgen bin ich bei Sylvia!", wurde ich in Kenntnis gesetzt.
"Prima, sie daf gern.e bei hier übaanachten!"
"Aber Mamaa!", ratlose Reaktion des betreffenden Töchterchens. "Die kommt nicht hierhin, sondern ich geh zu der. Haste das kapiert??"
Mir war das alles viel zu kompliziert. Irgendwas ... und Sylvia. Ach, mir doch egal. Doch vorsichtshalber nickte ich. Sie sollte nicht etwa annehmen, dass...
"Aua, mein Kopf!"
Ein Grübelversuch ob einer enorm wichtigen Angelegenheit beschäftigte mich:
"Ob Sylvia jetzt zuhause wohl auch...?"
Wie gesagt, es blieb bei einem hilflosen Versuch.

Noch etwas später: Trotz geistiger Umnachtung bewies sich nochmal die Hausfrau in mir. Ich kann nicht mehr sagen, wie, aber ich brachte es fertig, meinen Blick auf einen bestimmten Punkt zu fixieren. Weil ich bereits ein paar Minuten lang nur noch verliebt auf den Küchenboden gestarrt hatte, fiel mir denn ein ordinärer Tomatenketchupflecken direkt zwischen den Beinen des nächst stehenden Stuhles auf. So eine Frechheit von dem aber auch auch!
Ordentliche Hausfrauen ertragen einen solchen Anblick nicht.
"Wirf mia ma das Tuch da rüber!", bat ich eine meiner Töchter.
Das Tuch war das Staubtuch.
Um die Balance kämpfend umklammerte ich die Tischkante und hockte mich nieder. Mein Gleichgewichtssinn streikte und ich saß im Fast-Spagat-Sitz wie ein Kleinkind auf den Fliesen, auf dem Gesicht ein noch dümmlicheres Grinsen als zuvor, in der linken Hand das Staubtuch:
"Warum is der denn da noch, wieso habt ihr den nich wech jemaacht?"
Meine Töchter entschieden, eine Erwiderung erübrige sich, Mamas Auffassungsgabe hatte sich aufgegeben.

Ich, ihre Mama, kroch auf allen Vieren zum Stuhl. Meine rechte Hand umfasste das Stuhlbein, die linke wienerte mit dem Staubtuch auf dem besagten Flecken herum. Pausenlos scheuerte ich abwechselnd die Fliesen und dann wieder den roten Punkt. Als nach ein paar Minuten erstaunlicherweise wirklich dessen Ketchupleben verblasste, stoppte mich das nicht, sondern ich begann, wie eine Verrückte die sauberen Fliesen um mich her von wahrlich schrecklichen, allerdings ausschließlich für mich sichtbaren Flecken zu säubern. Ich rieb und rieb und lachte mich dabei lauthals kaputt. Meine Kinderschar beobachtete mich mit zunehmendem Entsetzen.
"Och neet, sie ist ja total hinüber!"
"Mama, das hast Du wirklich gaanz fein gemacht. Komm, wir bringen Dich besser nach oben ins Bett, bevor Du uns noch die Treppe rauf fällst!"
"Alles wieda sauber!". war meine letzte Bemerkung, bevor ich einschlummerte, um meinen Rausch auszuschlafen.

Versteht Ihr jetzt ,weshalb ich Antialkoholikerin bin?





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