Ich schwärme für Zebrastreifen
Von
tastifix
Donnerstag 12.03.2020, 16:13 – geändert Freitag 13.03.2020, 10:08
Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten
Von
tastifix
Donnerstag 12.03.2020, 16:13 – geändert Freitag 13.03.2020, 10:08
Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten
Ihr kennt alle diese aparten Zeichnungen, die quer über die Straße verlaufen. Die sind nicht dorthin hin gezaubert worden, um den Eindruck des tristen Graues des Straßenpflasters ein wenig abzumildern und ein bisschen Fröhlichkeit aufkommen zu lassen, sondern es hat einen weitaus ernsteren Hintergrund.
Sehr oft ist schon gemunkelt worden, dass wir Deutschen aussterben würden. Unter anderem fallen mir als ein Grund hierfür die dauernden Differenzen zwischen Autofahrern und Fußgängern ein. Beide Gruppen sind anscheinend nicht gewillt, etwas dazuzulernen und dies, obwohl doch immer behauptet wird, dass der Mensch in jedem Alter lernfähig sei. Tja, wenn ich an so manche Autofahrer und deren Reaktionen auf Lustig-Schwarz-Weiß denke ...
1. Da gibt es die Fahrer, die vor lauter Angst, dass sie vielleicht sogar noch eine Mikrobe (wie blamabel) ins Jenseits befördern könnten, eher ihr Auto an so einer Art Hundeleine spazieren führen oder die tatsächlich auf 50km-Strecken aller höchstens im Mini-Schritt-Tempo ihrem Autochen einen dann relativ langen Straßenbummel gönnen. Sie möchten sich lieber für den dadurch verursachten erhöhten Blutdruck der anderen Verkehrsteilnehmer verantwortlich zeichnen als für platt gefahrene Fußgänger. Haben wir doch durchaus Verständnis für, oder?
2. Dann ist da noch eine zweite Gruppe der Vorsichtigen. Bereits aus der Entfernung von einem Kilometer rutschen sie nervös auf ihrem Sitz hin und her, zwinkern angestrengt mit den Augen und löchern ihren Beifahrer mit Fragen:
"Du, ist dahinten nicht irgendetwas?"
"Wie? Wo? Ich seh nix!"
"Ja, dort. Da blitzt doch etwas. Na klar."
Wie die Mitglieder der Gruppe Eins fährt auch dieser Angehörige der Gruppe Zwei äußerst vorsichtig immer näher an dieses nur vage erkennbare Etwas heran.
"Siehste, hab ich ja gewusst!"
"Was?"
"Ja, guck doch hin! Ein Zebrastreifen!"
Langsam rollt sein Fahrzeug näher an dieses Wunderwerk moderner Malkunst heran und stoppt im gebührenden Drei-Meter- Abstand davor. Stolz sieht er seinen Beifahrer an. Der guckt ein wenig zweifelnd zurück. Weit und breit ist nämlich kein Fußgänger zu sehen. Erst nach der wegen der Höflichkeit und der Straßenverkehrsordnung geziemenden, einsamen Zwei-Minuten-Wartezeit vor dem Zebrastreifen, auf dem sich weiterhin rein gar nichts tut, nimmt der Fahrer die Reise wieder auf. Was sein Begleiter auf dem Beifahrersitz in dem Moment über ihn denkt, verschweig ich hier lieber.
3. Die dritte Autofahrerunion ist denn so ganz anders geartet. Viele Mitglieder, die es sich leisten können, bevorzugen Luxusschlitten vom Porsche an aufwärts bis hin zu Rennwagen, deretwegen eigentlich einige neue Baustellen zwecks Straßenverbreiterung anstehen würden. Sie fühlen sich als Könige, nein, Kaiser oder eher Oberkaiser der Straßen und nehmen allein für sich selber und ihre Gesinnungsgenossen erst mal eine grundsätzliche Vereinfachung bestimmter Verkehrsregeln vor: Geschwindigkeitsbeschränkungen gelten nur für die Anderen. Dabei scheren sie sich um die Straßenverhältnisse nicht die Bohne. Was nicht frei ist, wird frei gemacht!
Ampeln akzeptieren sie höchstens als allerdings recht unansehnliche Dekostücke. Dass diese eine wichtige Aufgabe erfüllen und nicht nur zum Spaß dort herum stehen, haben diese Pseudo-Flugsaurier aus ihrem Gedächtnis gestrichen.
Solch ein Flitzebogen registriert von weitem nur so ganz nebenbei jene bekannten schwarz-weißen Straßengürtel. Mitnichten nimmt er den Fuß vom Gaspedal, sondern braust drauflos. Die Ampel steht auf Rot. Wen kümmert es? Überquert dort eine alte gehbehinderte Dame gerade die Straße, wird sie im schlimmsten Falle zur Kühlerfigur. Wenn sie Glück hat, meldet sich des Fahrers Gewissen und er ruft Polizei und Krankenwagen herbei. Hat sie Pech, liegt sie platt am Boden und der Fahrer verabschiedet sich ungerührt in Richtung seines Reisezieles. Wozu sich der Verantwortung stellen? Ein Fußgänger mehr oder weniger, was soll es??
Die Fahrerflucht gelingt und er wird vielleicht nie gefasst!!