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Ich, Auto Knautschi, wurde befördert!!

Von tastifix 31.05.2020, 12:34

Hoffentlich seid Ihr nicht sauer, weil ich mich dermaßen lange nicht gemeldet habe. Aber nicht an jedem Tag oder in jeder Woche oder in jedem Monat ist etwas Besonderes los.

Eigentlich herrschte hier bereits seit langem toter Kofferraum. Die meisten Stunden verschlief ich in der Garage oder in irgendeiner Parklücke. Martinas Ausflüge mit mir beschränkten sich auf die üblichen Öl-verlier-langweiligen-Einkaufsfahrten. Na ja, an den Wochenenden durfte ich sie ab und an zum Rhein kutschieren, aber den kenne ich ja schon aus dem Effeff, brummel.

Der gestrige Tag jedoch wurde zum Highlight meines Autolebens. Frühmorgens schrak ich aus einem echt tollen Flirttraum auf, weil Martinas Schlüssel unüberhörbar im Garagentorschloss rumorte.
´Brumm, immer dann, wenn es gerade spannend wird!`
„Knautschi, heute ist ein besonderer Tag.“
„Wieso? Geht`s mal wieder zum Rhein?“, gähnte ich.
Irgendwie guckte sie so eigenartig geheimnisvoll.

Draußen schien die Sonne. Nach kurzer Fahrt erreichten wir den Fluss.
„Was ist denn hier los?“
Der große Parkplatz vor der Anlegestelle der Fähre war brechend voll. Alle meine vierrädrigen Monheimer, Langenfelder und Düsseldorfer Kumpels hatten sich versammelt, standen eng Schnauze an Schnauze und flüsterten aufgeregt miteinander.
„Gleich ist es soweit! Tuut, wie ich Knautschi beneide!!“
„Huup, hat der ein Glück!“

Martina stoppte an der Parkplatzeinfahrt, damit mich alle sehen können sollten. Sie stieg aus, stellte sich vor sie hin, drehte sich zu mir und hielt eine richtige Rede:
„Knautschi, während der langen Zeit, die wir jetzt zusammen verbracht haben, bist du ein prima Kamerad gewesen. Nie hast du dich beschwert, wenn es mal auf große Urlaubsfahrt ging. Obwohl ich dir viel zugemutet habe wie Kopfsteinpflaster und verflixt enge Serpentinen, hast dich nie in Unfälle verwickeln lassen und mir sowie genauso deinem Blechkleid zuliebe sogar den attraktivsten Automädchen widerstanden.“

Ein Raunen ging durch die vierrädrige Menge. Ein paar Porsche-Mädchen klimperten wie verrückt mit den Scheinwerferaugen.
´Ist bestimmt ihr letzter Versuch, mich doch noch vom rechten Weg abzubringen! Nicht mit mir!`
Ich tat so, als ob ich es gar nicht bemerken würde.
„So“, fuhr Martina fort. „Du hast dir wirklich eine Belohnung verdient. Sieh mal, Knautschi, all deine Freunde sind gekommen, um mir dir zu feiern!“
Liebevoll streichelte sie meine Motorhaube. Tuut, es ging runter wie Butter!
„Kneif mal einen Moment deine Scheinwerfer zu!"
Verwirrt gehorchte ich.
„Kannst wieder gucken!“, forderte sie mich dann auf.
Zögernd blinzelte ich ins Helle. Irgendwie fühlte ich mich anders, so beschwingt. Martina setzte sich wieder ans Steuer, ließ mich vorbei an den Anderen, die mich mit weit aufgerissenen Scheinwerfern anstarrten und denen zum Teil die Kühlerhauben offenstanden, bis direkt ans Wasser rollen.

„Schau mal hinein!“
Irritiert wagte ich einen scheuen Blick und war dann dermaßen überrascht, dass ich nur froh war, dass Martina meine Bremse fest angezogen hatte. Sonst wäre ich vielleicht gar noch in den Fluss geplumpst. Aus dem Wasser sah mir mein Konterfei entgegen, aber so hatte ich es nicht in Erinnerung. Nach wie vor trug ich das schicke orangefarbene Kleid, auch die Scheibenwischer, die Fenster und die Räder waren dieselben. An den Seiten des Daches jedoch waren mir riesige, blau-weiße Flügel wie die eines Flugzeuges gewachsen und auf denen saßen ... Der Anblick raubte mir fast den kühlen Verstand. Dort hockte wirklich eine Gruppe gefiederter Island-Auswanderer. Es waren sechs der von Martina so sehr geliebten Papageientaucher, die mir nun laut entgegen schnarrten:
„Glückwunsch, Knautschi, hurra!“

Sämtliche Autos hupten um die Wette, ließen die Wischer über die Windschutzscheiben quietschen, klapperten mit den Kühler- und Kofferraumhauben und veranstalteten ein die Menschenohren betäubendes Motorenheulkonzert. Vor Rührung entfuhr mir kein einziges ´Brumm` mehr.
„Knautschi, hiermit ernenne ich dich zum ersten Autoflugzeug der Welt!“
Und Martina gab mir einen innigen Schmatz auf den rechten Flügel. Wenn ich hätte weinen können, wären mir bestimmt große Freudentränen aus den Wischerdüsen gekullert. So aber blitzte ich sie nur strahlend an.

Ich bekam sogar Geschenke. Meine Kumpels überraschten mich mit einem riesigen Kanister Luxusbenzin. Ein besonders süßes Automädchen schenkte mir ein dunkelrotes Herzkissen für die Rückbank und ein anderes einen winzigen Papageientaucheranhänger für den Schlüssel.
„Und wohin fliegen wir im nächsten Urlaub ... ?, meinte ich schelmisch.
Martina lachte nur verschmitzt.

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