Neu hier? Lies hier über unser Motto gemeinsam statt einsam.
Mitglied werden einloggen




Passwort vergessen?

5 6

Heute ist das Linke dran.

Von Heha45 Donnerstag 28.01.2021, 14:23

Vor drei Wochen war ich schon mal hier im Krankenhaus, da bekam mein rechtes Auge eine neue Linse eingesetzt. Es sieht jetzt wieder scharf und sehr hell. Vor der Anmeldung steht schon ein Ehepaar. Es geht in das Belegzimmer der Augenklinik wo ich auch hin muss. „Das Zimmer ist doch für Frauen?“ frage ich. „Jaja, mein Mann begleitet mich nur.“ Noch eine Patientin kommt, sie setzt sich auf das Bett am Fenster.
Dann erscheint der Pfleger. Heute sind fünf Cent große Metallscheiben in seine Ohrläppchen eingelegt, beim letzten Mal waren da große Löcher.
Der begleitende Mann vergaß seine Zeitung im Auto, die Zeit nutze ich um das OP-Hemd anzuziehen. Die Bindebänder sind abgerissen, es lässt sich nicht verschließen. „Egal“, meint der Pfleger „sie liegen eh auf dem Rücken.“ Der Mann ist wieder da, er setzt sich auf ein freies Bett. Eine Schwester kommt mit Tropfen, „Damit sich die Pupillen weiten“, sagt sie und zu dem Mann, er möge sich doch auf den Stuhl setzten. „Sechs Betten und nur ein Stuhl, wo soll sich der Besuch denn hinsetzten?“ „Jeder von uns hält sich hier höchstens zwei Stunden auf. Setzten sie sich doch vor den Fernseher im Eingangsbereich oder in den Warteraum.“ Langsam werde ich sauer. „Will ich nicht, ich habe meine Zeitung das genügt. Da steht immer was von der Borussia drin, sonst hätte ich sie schon abbestellt.“ Den werden wir nicht los. Er erzählt, dass er im „Blindflug“ hierher gefunden hat mit 81 Jahren.
Die Frau am Fenster meint, ihr Mann habe mit 78 Jahren freiwillig auf den Führerschein verzichtet. „Nee, niemals, das kommt für mich nicht in Frage. Ich war immer im Außendienst, ich muss Auto fahren.“
Mit dem Bett werde ich in den OP gefahren. Eine Kanüle soll in den Handrücken eingeführt werden, ausgerechnet von einem „Lehrling“. Er trifft die Vene nicht richtig, Nadel zurück, nochmal. „Jetzt ist sie geplatzt“, schimpft die Schwester und beginnt erneut. „Ich glaube, da läuft etwas daneben“, sage ich vorsichtig. „Da läuft nix daneben“, entgegnet sie barsch. Nochmal und es klappt. Jetzt heißt es warten, daran kann ich mich gar nicht erinnern, beim letzten Mal ging alles ruck zuck.
Der Doktor kommt, entschuldigt sich und erklärt, es sei eine komplizierte Sache gewesen. „Ich verspreche ihnen, in fünf Minuten bin ich mit ihnen fertig.“ Von dem Eingriff spüre ich nichts, obwohl ich bei vollem Bewusstsein bin und auf Ansage, mal nach rechts oder links gucken soll. „Stimmt,“ sagt eine Stimme, „ich habe die Zeit gestoppt, fünf Minuten und fünfundvierzig Sekunden.“
Eine halbe Stunde verbringe ich in einem Aufwachraum, obwohl ich ja wach bin. Dann kommt der Pfleger mit den Löchern im Ohrläppchen und fährt mein Bett zurück an seinen Platz. Im Zimmer sind alle Betten belegt. Der Mann mit Zeitung ist immer noch da. „Wenn ich mich anziehe möchte ich dass der Herr den Raum verlässt.“ „So weit sind wir noch nicht“, sagt der Pfleger „eineinhalb Stunde bleiben sie noch hier.“
Zwei Frauen werden zur OP gefahren. Kurz darauf kommt ein fröhlicher Mann winkt mir zu und ruft: „Huhu, hier bin ich.“ „Na toll, “ antworte ich. Er kommt näher und setzt sich auf mein Bett. „Ich bin nicht ihre Frau“, sage ich deutlich. Er springt auf und verschwindet, mir scheint, er benötigt neue Linsen.

Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten

Mitglieder > Mitgliedergruppen > Kreativ Schreiben > Forum > Heute ist das Linke dran.