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Gott ist kein Simpel!

Von CeeBee Mittwoch 05.09.2018, 15:16 – geändert Mittwoch 03.10.2018, 21:10

Was breitet sich da aus?

Ein Präsident, von dem man getrost annehmen darf, er habe außer bei seiner Vereidigung zum höchsten Amt der Vereinigten Staaten noch nie zuvor eine Bibel berührt, geschweige denn jemals hinein gesehen oder etwa gar in ihr gelesen, behauptet öffentlich von sich, ein Bibelkenner und Textinterpret zu sein wie kaum ein zweiter. Und unter Gebrauch des missgedeuteten Bibelzitats 'Auge um Auge, Zahn um Zahn' reißt dieser Präsident alles nieder, was sein Vorgänger aufgebaut hat.

Ist das ein wahrhaftiger Christ, der in seiner Grundhaltung aus Vergeltung ungleich mehr Lebenssinn schöpft, denn aus Vergebung? Kann es je ein Vertrauen geben, das diesem Manne auf dem Weg durch das unübersichtliche Weltenlabyrinth zu folgen gewillt wäre? Da scheinen selbst die plakativen TV-Gebete der Führungsriege im Oval Office viel zu dünn, als dass sie durch die dicken Mauern des weißen Hauses an Gottes Ohr gelangen könnten.

Sein Vize, also der Zweite im Staate, ein Mann namens Mike Pence, einflussreicher Begleiter und, wie könnte es auch anders sein, enger, politischer Freund des Präsidenten, ist zutiefst davon überzeugt, dass die Erde und alles was auf ihr kreucht und fleucht vor wenigen, fast an einer Hand abzählbaren Jahrtausenden als Akt eines Intelligenten Designs vom Schöpfer aus Lehm modelliert worden ist. Wobei Mr Pence Gottes Werk offensichtlich nicht wirklich als vollends gelungen betrachtet, denn die Liebe zwischen gleichen Geschlechtern beispielsweise, ist ihm sehr zuwider.

Zu alledem gesellt sich nun der türkische Staatspräsident Erdogan und möchte die Lehre der Evolutionstheorie vom allgemeinen Lehrstoff in den türkischen Schulen entfernen lassen, weil, wie er sagt, der Widerspruch zwischen Gotteslehre und fragwürdiger Wissenschaft den jungen Menschen nicht zu erklären sei und diese überfordere.

Die genannten Beispiele werden nur noch durch die damaligen Bemerkungen von Juri Alexejewitsch Gagarin, dem ersten Menschen im Weltraum, übertroffen, der seinerzeit nach der Rückkehr zur Erde sein Erleben, hoch oben in der Schwerelosigkeit, unter anderem so kommentierte: "Gott habe ich nicht gesehen!"

Was ist da im Schwange?

Ist demnach Gott doch kein Astronaut und die Satellitenkreisbahnen um die Erde sind nicht der Himmel, in dem er unterwegs ist und von wo er jeden Einzelnen von uns ohne Unterlass prüfend beobachtet?

War Darwin ein Scharlatan, ein Verblender, ein verantwortungsloser Dummkopf, der bis zum heutigen Tage junge Menschen in die Irre, weg vom Glauben führen will? Und ist demzufolge vor nicht allzu langer Zeit die Erde tatsächlich in sieben Tagen, inklusive der Pausen, auf der Werkbank Gottes aus Lehm getöpfert worden, bei dem ein kleiner, vielfarbiger Rest des weichen, klebrigen Tons gerade noch gereicht hat, den Menschen in die Welt zu setzen?

Müsste man allen Ernstes erstaunt sein, wenn ein unbedarfter Sympathisant des Amerikanischen Präsidenten zur Ansicht gelangt, dass Gott gelegentlich ebenso einfältig und großspurig daher kommt, wie der Führer der westlichen Welt, damit es in trauter Gegenseitigkeit so richtig innigst, auf Du und Du, menscheln kann zwischen dem Schöpfer und seinem Werk?

Ist daher Gott manchmal ein ebenso Verrückter, dem es gefällt, wenn Teile seiner Schöpfung mit Messern oder mit Bomben und Granaten auf aufeinander losgehen, damit die einen ihr Leben dem der anderen voran stellen können? Und ist denn bei diesem Gräuel der Allmächtige nicht eher mir zugetan? Schlägt er sich, wenn er einmal gründlich nachdenkt, nicht eindeutig auf meine Seite, weil ich inbrünstiger beten kann, mehr Weihrauch verbrenne, größere und längere Kirchentreppen auf Knien hinauf und hinab krabbele als mein Nachbar von jenseits des Zaunes, der nichts von meinem Gott versteht und sich in befremdlicher, vielleicht gefährlicher Weise gänzlich anderen Heiligen zugewandt hat?

Ist es denn wirklich so verwerflich, sich im Buhlen um die Liebe des Herren gegenseitig den Schädel einzuschlagen? Ist der Platz an der Seite Gottes nicht eine unermessliche Gnade, die jedes Tun lohnend macht?

Hat Gott das fein gesponnene Regelwerk der Kirche, den Glauben, die Moral und das Leben im Ganzen betreffend, eigentlich vollends verstanden? Denn, wenn nicht, wie wollte er da Gutes von Bösem trennen können? Wie wollte er dem Richtigen, dem, der es verdient, helfen und den anderen, dem es nur recht geschieht, in seinem Elend sitzen lassen können?

Und warum lässt er es zu, dass Menschen durch Kriege und Katastrophen umgebracht werden und ausgerechnet solche meines Glaubens, obwohl wir, die Christen beispielsweise, ein sicherlich weitaus engeres Verhältnis zu ihm haben dürften als jede andere Glaubensgemeinschaft? Erscheint es aufgrund dieser Nähe nicht geradezu als äußerst ungerecht, dass er, da wir doch alle seine Kinder sind, uns nicht aus dem Schlamassel holt, den wir selber angerichtet haben und ist es nicht unfair, uns mit einem Leben zu beschenken, das einfach so ist wie es ist, mit allen Lasten, mit allem Leid, zwischen den nur kurz währenden, hin und wieder kurz aufblitzenden Momenten von Glück und Freude?

Man möchte meinen, Gott ist nun auch noch der ausschließlich den Menschen anhaftenden Schwäche des Irrtums erlegen. Hat er sich doch einen Vertreter erwählt, der durch seine unbefangene Hinwendung zu genau den schwachen, fehlbaren und damit besonders beschützenswerten Menschen den schwerwiegenden Verdacht gegen sich aufkommen lässt, er, der Stellvertreter, habe sein Handeln und seine Sorge um des Menschen Wohlfahrt über die strikt geordnete, unwandelbar festgeschriebene Lehre von Gottes Welt in fahrlässiger Weise erhoben.

Und als ob das nicht bereits des Bösen zu viel wäre, werden nun Gedanken des Papstes öffentlich, dass dieser sich vorstellen könne, bei einem der nächsten Konklaven hätten Frauen aktiven Anteil an der Wahl des Bischofs von Rom. Jenseits der Undenkbarkeit hielten dies die fleißigen Glaubenshüter für Belzebubs Angriff auf die Weltenfeste, denn niemals, niemals könne jemand aus der Kaste des niederen Geschlechts den Stuhl eines Kardinals besteigen.

War dem Herrn das Herannahen dieses Konfliktes nicht gegenwärtig, so dass er besonnener und vorausschauender hätte Einfluss nehmen können auf die Wahl seines Sachwalters?





Ich erinnere einen der letzten herrlichen Sommertage, als ein Marienkäfer, so ein richtig schöner, kräftig roter, mit sieben pechschwarzen Punkten bemalter, auf meiner Hand landete. Ich betrachtete ihn eine Weile und nach althergebrachtem Kinderwissen streckte ich dann meinen Zeigefinger zum Himmel, hauchte diesen knallroten Krabbelknopf einige Male an, bis seine sechs Beinchen wohl koordiniert den angewiesenen Weg hinauf fanden. Oben auf der Fingerspitze angekommen, machte er, in der Suche nach der richtigen Startposition, einmal eine Wende um sich selbst, wartete einen Moment, klappte seine roten Schutzbleche auf und flog, an seinen dunkel schimmernden Flügeln hängend, wie ein Strich davon.

Ist der Mensch in seiner verqueren Art tatsächlich die Krönung der Schöpfung?

Sollte man eher diesem Marienkäfer, diesem Kerlchen, die Krone verleihen wollen, ich würde dem bedenkenlos zustimmen können. Er ist aus dem gleichen Sternenstaub gemacht wie ich, der Mensch. Aber dieses Winzigwunder zeigt sich im Gegensatz zu mir voller Gleichmut und ohne Widerspruch dem Tage ergeben. Insbesondere jetzt, angesichts meines Alters, scheint mir dieser Käfer weitaus ansehnlicher, so wahrhaft rot, so tief schwarz im Glanz und ist außerdem viel geschickter noch als ich ... im Fliegen.

Dieses Kleinod ist einfach da, schwirrt vergnügt als Teil der gewaltigen Schöpfung Gottes irgendwo in der Tiefe des Universums auf einem blauen Planeten umher, lässt dort die Rosen blühen und freut sich des Lebens, während ich, der Mensch, das sonderbare Wesen, zwischen den azurnen Wassern des nämlichen Planeten und mit ihm, inmitten unzählbarer Sterne versteckt, in der Milchstraße kreisend, mich bisweilen mit ganz seltsamen Gedanken befasse ...



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