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Geschichtswanderung durch Halloween - 2. Teil

Von comanchemoon Samstag 14.10.2023, 13:09

Die Einführung des Allerheiligen-Festes wird Papst Bonifatium IV. zugeschrieben. Dieser Tag sollte zu Ehren der Christen begangen werden, die für ihren Glauben gestorben waren.
Später, im siebten Jahrhundert, wurde Allerheiligen von Papst Gregor II. auf den 1. November verlegt, weil die verstockten Heiden sich weigerten, ihr Samhain-Fest aufzugeben. Am 31. Oktober feierten sie den Samhain-Abend, am 1. November den Samhain-Tag. Trotz des praktizierten Christentums fanden in Europa weiterhin heidnische Erntedankfeste statt. Durch Papst Gregor IV. wurde Allerheiligen im Jahr 835 offiziell als Feiertag gebilligt. Der Tag sollte dazu dienen, Gott und alle Heiligen zu ehren. Weil dieser Tag auch schon zuvor der Ehrung der Toten gewidmet war, und weil es den Kirchenoberen schwerfiel, dem Volk das Samhain-Fest auszutreiben, verlegte man das Allerheiligenfest auf den 1. November, um damit die heidnischen Glaubensvorstellungen nach und nach zu verdrängen. Aus dem englischen Namen für den Abend vor Allerheiligen All Hallows entwickelte sich das Wort Halloween.

In den folgenden Jahrhunderten wurden zu Halloween zahlreiche Bräuche neu eingeführt, andere aufgegeben, ganz wie es die gesellschaftliche Entwicklung der Zeit und die religiösen Vorschriften erforderten. Vermutlich wäre Allerheiligen für die verschiedenen Richtungen der europäischen christlichen Religionen ein Fest geblieben, bei dem man für die Toten betete und die Landbevölkerung das Ende der Erntezeit feierte, hätten nicht einige historische Ereignisse zur Entwicklung des heutigen Halloween geführt, wie es in Amerika gefeiert wird.

Es ist eine wirkliche Ironie, dass die Kirche selbst dem Fest seinen Namen gab und damit die alten heidnischen Bräuche sanktionierte, die Ehrung der Toten, die Umzüge, die Kostüme und Freudenfeuer – all das, was bis heute zur beliebten Symbolik dieses Festes gehört. Auch wenn es der Kirche ursprünglich darum ging, damit Furcht zu erzeugen und nicht für Unterhaltung und gar Spaß zu sorgen.

Jede Kultur entwickelte ihre eigene Art des Umgangs mit dem Tod, wozu Rituale zu Ehren der Verstorbenen und eine Vorstellung über das Jenseits gehörten. Das ursprüngliche Samhain diente den Heiden als Weg dazu, mit dem Mysterium des Sterbens umzugehen.

Die ersten Hinweise auf Halloween in Amerika lassen sich nicht auf eine bestimmte Volksgruppe zurückführen. Es hing wohl eher damit zusammen, wie sich die Kolonien entwickelten. In Virginia behielt man den Glauben an Astrologie, Handlesekunst, Lose und andere Methoden der Weissagung bei. Christliche Religion und Magie wurden nicht streng getrennt. Zusätzliche Unterstützung erhielt Halloween von William Penns kunterbunter Truppe von Flüchtlingen aus ganz Europa. Irische und deutsche Siedler verfügten dabei über ein gemeinsames keltisches Erbe und viele ihrer Bräuche ähnelten sich, wozu auch Halloween und das Erntedankfest zählten.

Im Laufe der nächsten Jahrhunderte gab es immer wieder ein reges Auf und Ab für Halloween. Die Puritaner wollten es zunächst ganz abschaffen. Das gelang ihnen aber nicht, weil sie nicht wie geplant die Macht in allen Kolonien übernehmen konnten. Also galt Halloween von 1684 an weiterhin als Fest, wobei jetzt auch andere Elemente in den Vordergrund traten. Man darf dabei nicht das farbenprächtige Völkergemisch vergessen, aus dem sich die Nation der Amerikaner letztendlich zusammensetzt. Jede Gruppe versuchte natürlich, ihre ethnischen Elemente hinzuzufügen.

So ungefähr ab 1845 spielten Erwachsene und auch Kinder anderen Leuten Streiche in der Halloween-Nacht. Bunte Partys waren in Mode und die allseits beliebte Wahrsagerei kam auch nicht zu kurz.

Richtig kommerziell wurde das Fest so etwa ab 1910. Mehrere amerikanische Unternehmen vertrieben eine breite Produktpalette für das Halloween-Fest. Damit ließ sich viel Geld verdienen, da sich das ganze Land zu der bestimmten Jahreszeit im Halloweenfieber befand. Auch Umzüge mit Blasmusik und Pauken gehörten zu einem festen Bestandteil des öffentlichen Lebens.

Immer mehr entwickelte sich der Tag nun zu einem Fest für Kinder und fand schließlich auch den Weg nach Deutschland. Obwohl die Basis früher auch hier gefeiert wurde, waren doch die fremden Elemente, die hinzugefügt worden waren für Kinder und Jugendliche sehr viel interessanter.

Auf jeden Fall hat Halloween heute einen gesellschaftlichen Charakter und ist nicht mehr religiös geprägt. Ist es nicht herrlich gruselig, nach einer durchfeierten Nacht, durchsetzt von Gespenstergeschichten, an leuchteten Kürbisfratzen vorbei zu spazieren und sich bei jedem Schritt durch raschelndes Laub Gestalten vorzustellen, die umhüllt von Nebelfetzen in der Dunkelheit auftauchen? Und wer weiß, vielleicht sind es ja doch die Ahnen, die durch die Risse zwischen den Welten geschlüpft sind, die in dieser einzigartigen Nacht entstehen.


(Natürlich habe ich ein wenig recherchiert, hier nur mal vorsichtshalber ein paar Quellennachweise:
An American Holiday, An American History. Bannatyne, Lesley Pratt
German-American Folklore - Barrick, Mac E.
Halloween -Its Origins, Rites and Ceremonies in the Scottish Tradition. - Albyn Press, 1970
Halloween - Silver RavenWolf, Llewellyn Publication, St. Paul, Minnesota
Dictionary of Faiths & Folklore Beliefs - Hazlitt, W.C.
The Celts. Inner Traditions - Markale, Jean)

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