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Geschichtswanderung durch Halloween - 1. Teil

Von comanchemoon Freitag 13.10.2023, 14:46

Eine kleine Geschichtswanderung durch Halloween

Bald ist es wieder soweit, Halloween klingelt an der Haustür – na ja, oder ein paar Geister, Teufel oder Kinder.

Was seht ihr zuerst vor eurem geistigen Auge wenn ihr an Halloween denkt? Wahrscheinlich einen ausgehöhlten Kürbis, in den ein richtig gruseliges Gesicht geschnitzt wurde. Dabei mag so mancher auf das Fest schimpfen, das wie eine Welle aus Amerika nach Europa übergeschwappt war. Aber es war eigentlich umgekehrt. Ja, ja, es stimmt! Die Welle wühlte sich zielgenau von Europa durch den Ozean bis nach Amerika durch. Zu gegebener Zeit ging sie mal wieder zurück um zu sehen, ob es in Europa nicht auch noch Einsatzmöglichkeiten gab. Auch wenn die mittlerweile etwas entfremdet waren.

Gibt’s nicht? Na, dann lasst uns mal eine kleine imaginäre Wanderung unternehmen, die ein paar läppische Jahrtausende dauert. Es ist ganz einfach so, dass Halloween einst mehr bedeutete, als nur eine leuchtende Fratze und kostümierte Kinder, die von Haus zu Haus ziehen und heutzutage mehr oder weniger aggressiv Süßigkeiten einfordern.

Halloween hat eine sehr lange Geschichte - sie ist gute sechstausend Jahre alt, und nun frage ich mich, wie diese vielen Jahrtausende hier vernünftig unterzubringen sind. Die Lösung, alles kürzen und zusammenhauen, ungefähr auf das Volumen eines Kürbishirns und wir werden mal sehen, was dabei herauskommt. Wie bitte, hat da jemand Kürbissuppe gesagt? Also, ich kenne da ein Rezept … aber lassen wir das und schauen uns mal die Historie an!

Halloween geht dem Ursprung nach auf die Kelten zurück, die ein Unterstamm der Indogermanen waren. Sie waren ganz schön reisefreudig und kamen weit herum, vom östlichen Mittelmeer bis tief in den Süden aber auch nach Spanien. Als es dort langweilig wurde, übersiedelten sie ungefähr 350 v.Chr. nach Irland und ins westliche Britannien. Vor allen Dingen von dort aus sind teilweise ihre religiösen Feste überliefert worden und wir wollen uns jetzt speziell mit Halloween befassen, das auch Samhain genannt wurde. Übrigens, die Kelten feierten ganz bestimmt nicht mit Kürbisgesichtern, das ist eine amerikanische Erfindung, da ja auch der Kürbis selbst vom amerikanischen Kontinent stammt.

Im Internet kann man lesen, dass Samhain zu Ehren des Totengottes gleichen Namens gefeiert wurde und die berühmten Feuer sollten Hexen und Dämonen verjagen. Also, das alles wird archäologisch angezweifelt. Der Name des keltischen Totengottes lautete Gwynn ap Nudd und war nicht Teil des Glaubenssystems. Außerdem hatten Hexen und Dämonen keinen Platz in Religion und Mythologie der Kelten. Diese Wesenheiten waren ihnen völlig unbekannt. Aber auf jeden Fall befindet sich im schottisch-gälischem Wörterbuch der Hinweis: Samhain = Ende des Sommers.

Und das war es dann auch - das Ende des Sommers. Das Vieh wurde von der Weide geholt, die Ernte war eingefahren, die Vorräte eingelagert, der Winter konnte kommen und zugleich das keltische Neujahrsfest. Das wurde gebührend gefeiert und zwei Themen herrschten hier vor. Zunächst die Ehrung der Toten und die Vorhersage der Zukunft.

Die Kelten fürchteten ihre Toten nicht, sie ehrten sie und stellten ihnen zu Samhain etwas von ihrer eigenen Nahrung zur Verfügung, was eine Willkommensgeste und eine Respekterweisung war. Sie kannten keinen Himmel und keine Hölle und hatten anstatt einer linearen eine zyklische Auffassung von der Zeit. Die Ordnung im Universum zog sich in das ursprüngliche Chaos zurück um sich neu zu formieren. Dadurch wurden die Tore zu den Anderswelten geöffnet. Samhain war für sie eine Nacht, die außerhalb der Zeit existierte und man konnte einen Blick in die Zukunft werfen.

Ja, und wenn die Toten schon kommen, um die Lebenden zu besuchen, konnte man ihnen auch gleich Informationen über frühere und zukünftige Ereignisse entlocken. Auch glaubte man, die Geister könnten den Lebenden in spirituellen und alltäglichen Angelegenheiten helfen. Und wenn die Toten einem Lebenden einen Gefallen taten, brachte sie das in ihrer Entwicklung im Jenseits weiter. So profitierten beide Seiten von einer einvernehmlichen Kommunikation.

Der Glaube an ein Leben nach dem Tod war für die Kelten ein fester Bestandteil ihres Lebens und sie gaben einander das Versprechen, Schulden im nächsten Leben abzubezahlen. Dämonen und Teufel, die im Christentum und ähnlichen Religionen zu finden sind, waren ihnen fremd. Dafür glaubten sie an die Existenz von Feen, die im Land der Toten, der Zwischenwelt wohnten. Diese Wesen hegten einen Groll gegen die Menschen, weil diese ihnen ihr Land gestohlen hatten und sie nun gezwungen waren, im Totenreich zu hausen.
Wenn sich an Samhain die Tore zur Zwischenwelt öffneten, zog nun mach feindselig gesinnte Fee übers Land um Unheil zu stiften und Menschen zu entführen. Diese Menschen kehrten nie wieder zurück. Dieser Glaube könnte also der Ursprung für all die gruseligen Geschichten sein, die man heute mit Halloween in Verbindung bringt.

Während des vierten und fünften Jahrhunderts n.Chr. breitete sich das Christentum in Irland aus. Die keltischen Völker waren anderen Religionen gegenüber sehr tolerant und die Christen wurden von ihnen anfangs willkommen geheißen. Dann ergab sich jedoch ein Problem für die Kirchenführer. Die Kelten weigerten sich, ihre Feiertage und Traditionen aufzugeben. Immerhin praktizierten sie diese seit Jahrhunderten und waren fester Bestandteil ihres Lebens. Also kam man auf die Idee, einige Tage kurzerhand umzubenennen. Das germanische Julfest wurde zu Weihnachten, aus dem keltischen Oimelc wurde Ostern und aus Samhain Allerheiligen.

Damit die Heiden der christlichen Religion besser gehorchten, erklärten die Priester, dass die Feen in Wahrheit Dämonen und Teufel wären und die geliebten Ahnen schreckliche Geister und Unholde. Diese Vorstellung war den Kelten zuvor völlig fremd gewesen. Außerdem brachten die Christen das Land der Toten mit der Hölle in Verbindung und so hielt die Vorstellung des Bösen und der Furcht Einzug in den Glauben.

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