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Geister in allen Ecken: Au weia!

Von tastifix Montag 27.05.2019, 14:04

Klar halte ich Geister für reinen Humbug. Deshalb mache ich mir auch keine Gedanken um irgendwelche Spukgeschichten und lache mich kringelig, wenn mir jemand eine auftischen will.

Unselbstverständlich aber hege ich doch Zweifel. Zu viele Geister-Rendezvous beschert mir die Flimmerkiste, zu viele Berichte über Gespenster wuseln durch sämtliche Medien oder werden mir von angeblich Betroffenen starren Blickes und schlotternder Gliedmaßen geschildert. Es wimmelt anscheinend unter den Untoten von weißen Frauen, Rittern ohne Kopf, aber mit dagegen recht lustig einher scheppernden Fußfesseln ohne und mit Kugeln in mindestens Fußballgröße sowie von schwebenden Gestalten, die zum Entzücken uns lebendiger Erdbewohner laut grölen, rülpsen oder uns hingebungsvoll mit genau dem Gegenteil des Letzteren zu beeindrucken versuchen.

Nicht immer sind die armen Opfer nach eigener Aussage so couragiert wie die Zwillinge in Oscar Wildes Komödie ´Das Gespenst von Canterville`, die mit einem Eimer Wasser den ungebetenen und zudem echt aufdringlichen Gast dermaßen schockierend ernüchtert haben, dass dieser schleunigst in sein Geistergemach verdampft ist. Die Tochter der Familie, Victoria, hat Mitleid empfunden und letztendlich das schockierte Etwas von der bereits Jahrhunderte andauernden Schreckensarbeit erlöst.

Auch ich zähle keinesfalls zu den Mutigsten. Dazu kommt noch, dass ich sehr viel Fantasie habe, die mir nur zu gerne ausgesprochen fiese Streiche spielt. Vor allem des Abends oder auch nachts, wenn ich allein im Haus bin. Es knackt, ich horche auf, bilde mir ein, eine Tür sei zugeschlagen und ich erstarre. Selbstverständlich ziehe ich nicht sofort einen eigentlich sehr unwahrscheinlichen Besuch aus der Nebenwelt in Betracht, sondern eher die Möglichkeit, eventuell in den nächsten Minuten von Einbrechern massakriert zu werden.
´Haustür ist abgeschlossen! Wie sind die rein gekommen?`
Und dann:
´Hoffentlich geht’s wenigstens schnell. Erschossen zu werden ist immer noch angenehmer als irgendwo von der Decke zu baumeln.`
Weil aber nichts weiter geschieht und auch keine schwarz maskierten Unholde ins Zimmer dringen, hab ich mich wohl getäuscht, lasse mich aufatmend ins Kissen sinken und erkläre mich für bekloppt.

Keine Ahnung, wie lange ich friedlich geschlafen habe! Jedenfalls sitze ich urplötzlich wieder hellwach im Bett und lausche mit wahren Hasenohren, die sich wegen der räumlichen Gegebenheiten im Hause um -zig Ecken winkeln, um die Ursache für die neuerliche Störung der Nachtruhe auszumachen. Diesmal klingt es beileibe nicht nach Beutefahndern, sondern bedrohlich anders. Es schlurft die Treppe rauf und runter. Schatten bewegen sich auf den von der Straßenlaterne beleuchteten Wänden und scheinen sich mir langsam zu nähern. Gleichzeitig raschelt es unterm Bett, knirscht es am Kleiderschrank und weht die Gardine hin und her.

Alles zusammen macht mich beträchtlich unruhig. Ich krabbele aus dem Bett und halb unter dasselbige, taste wahrlich überaus mutig mit der Hand in alle Richtungen - nichts. Umso unheimlicher wird es mir, denn ich stehe eindeutig einem weder sichtbaren, greifbaren noch irgendwie einschätzbaren Feind gegenüber. In Schweiß gebadet trete ich mit einem Stockschirm bewaffnet den Kontrollgang durchs Haus an, vom Keller ins Erdgeschoss und zurück in die erste Etage.
´Hinter jeder Wand kann das Grauen lauern!`
Ich umklammere den Schirm noch fester, in Todespanik eisern dazu entschlossen, dem Herrn oder der Frau Gespenst damit eines über die Rübe oder auch Nichtrübe zu hauen. Auf die Idee, dass ich in meinem weißen Nachthemd mit dem unter den Arm geklemmten Kampfsportgerät auf den Geist selber wie ein Gespenst wirken und ihm so zu einem untoten Herzinfarkt verhelfen könnte, komme ich nicht.

Auf Zehenspitzen schleiche ich durch die Räume und durchforste jede noch so winzige Ecke:
´Überall kann es stehen, sitzen, liegen!`
Vor allem die Vorstellung, solch ein vielleicht bluttriefendes Monster könnte unter einem der Betten hervor lugen, verhilft meiner Ohnehin-schon-Gänsehaut zu einem prächtigen Outfit.
Leider oder eher zum Glück finde ich nichts. Mir kollern keine Fußfesseln ohne figürlichen Anhang entgegen noch kündigt mir eine Nebelgestalt alle nur denkbaren Qualen der Hölle an und die gar alle auf einmal. Frustriert gestehe ich mir ein, dass alles auf dem Mist meiner allerdings extrem spukenden Fantasie gewachsen ist und ich in meinem nur augenscheinlich grölenden, rülpsenden und sonst noch was veranstaltenden Haus völlig sicher bin.

Oder haben sich etwa sämtliche Gespenster bei meinen Anblick, dem Regenschirmsoldaten im Nachtpolter, vor Schrecken schnellstens verdünnisiert??





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