Neu hier? Lies hier über unser Motto gemeinsam statt einsam.
Mitglied werden einloggen




Passwort vergessen?

7 5

Gegenwelten

Von ehemaliges Mitglied Montag 23.07.2018, 12:42

Gegenwelten
Kleiderladen Freiburg, es ist kurz vor 15 Uhr.
vor dem Laden warten schon über 20 Menschen auf Einlass, viele junge Mütter haben ihre Kinder mitgebracht.

Wir räumen hastig noch die letzten, gespendeten Kleidungstücke ein, einen Teil in die schon überfüllten Regale, die besserern Teile hängen wir auf die Kleiderstangen, die Kleiderbügel sind, wie immer, zu knapp.

Wir sind angewiesen, die Wartenden wie gute Kunden zu behandeln, wir machen das eh gern, das wir und diesem Stress freiwillig aussetzen, sprich ehrenamtlich arbeiten.
Bis auf wenige, die hoffen, irgendwann dort mal einen der begehrten 1-Euro-jobs zu erhalten.

Dann öffnen wir die Tür, die Frauen drängeln, schieben, die Kinder wuseln dazwischen herum, wir kennen das, ist nicht zu ändern und das wissen alle, die Caritas und auch die anderen sozialen Organisationen.

Rosi ist auch schon da, Rosi ist unser Stammgast und sitzt immer auf dem bunten Sofa am Ausgang des Ladens. Rosi ist, wie immer wütend auf Irgendetwas, aber wir wissen, dass wir sie nicht ansprechen sollen, denn dann reagiert sie noch wütender, also lassen wir sie in Ruhe.
Rosi darf das, der Kleiderladen ist ihre Heimat geworden, und dann wir ihr wieder einmal übel und die der Geruch des Erbrochenen schwebt durch den Laden.

Wir kennen das schon und greifen abwechelnd zum bereitstehenden Wassereimer samt Putzlappen, während Rosi in einen kurzen Schlummer in eine bessere Welt eintaucht.....

Der Betrieb geht weiter, inzwischen sind viele Pullis und Kinderkleidung aus den Regalen gerissen und liegen verstreut auf dem Boden.

Eine junge Frau fragt im gebrochenden Deutsch, ob wir Sneaker der Marke ADIDAS haben....leider haben wir die z.Zt. nicht in ihrer Größe.

Sie ist ärgerlich aber ich kann ihr wirklich nicht weiterhelfen, biete ihr an, sich doch ein anderers schönes Kleidungsstück mitzunehmen.
Wunderbar, wir finden nach langem Anprobieren, eine schicke modische Jacke, passend zu ihrem modischen Kleid.

Inzwischen liegen auch etliche Kleider und Jacken auf den Kleiderstangen, die Kleiderbügel tumeln sich am Boden..

Kurz vor Feierabend, so langsam leert sich der Raum, an der *Kasse* wo die Berechtigungsscheine angenommen werden, stapeln sich die Kleidungstücke, die das *Kauf*- Limit überschritten haben.

Wir werden sicher noch ein oder 2 Stunden brauchen, bis der Kleiderladen wieder aufgeräumt ist, damit die nächste Schicht gleich mit ihrer eigentlichen Arbeit beginnen kann:
Unseren Kunden zu helfen, die Kleidungsstücke zu finden, die sie brauchen.

Wir bekommen für unser Engagement auch enmal im Jahr eine Belohnung von den sozialen Organisationen und der Geschäftsleiterin, die alles organisiert.

In diesem Jahr war es ein Busausflug zu einer Flüchtlingsunterkunft in meiner Nähe.
In einem provisorischen Container bekamen wir einen Vortrag über das Leben der Flüchtinge in der Unterkunft, sprechen durften wir mit ihnen nicht, da der Container vor der Unterkunft stand.

Die Beköstigung fand in einem neuen, schicken Hotel statt: Den Green City Hotel, das unseren *Arbeitgebern* gehört.
Es gab eine Tasse Kaffee und ein paar Chrème-Schnittschen zu essen.

Weil die meinten Mitarbeitereinnen davon nicht satt wurden, gab es dann großzügigerweise von unserer Chefin eine Pizza in der nächst gelegenen Pizzeria....aber das habe ich nicht mehr miterlebt, denn ich bin lieber heimgefahren und habe mir etwas Gescheits selber gekocht....

Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten

Mitglieder > Mitgliedergruppen > Kreativ Schreiben > Forum > Gegenwelten