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Gedanken zum Ferienhaus.

Von Feierabend-Mitglied Montag 12.10.2020, 16:31





Ob ich wohl auf die Idee komme endlich mal zu beginnen? War im Gartenhaus und w/sollte endlich mal anfangen mit der Gartenarbeit. Leider konnte ich mich seit Tagen nicht dazu aufraffen. Der Rasen begann sich zu einer wilden Wiese von mehr als 6 cm auszuwachsen und schrie geradezu geschnippelt zu werden. Die Gänseblümchen hatten sich freudig der Sonne hingegeben und der Löwenzahn fing bereits an seine Pusteblumen zu bilden. Wenn nur mein Besuch nicht wäre.
Hier muss ich etwas ausholen. Der Garten liegt direkt am Entwässerungsgraben am Rande eines ehemaligen Rundlingsdorfes im Wendland. Nachbarn gibt es dort auch. Zwei Stück. Einer auf der Gegenüber liegenden Straßenseite und ein Nachbar hinter mir. Da fehlt doch etwas. Richtig. Die Nachbarn rechts und links. Rechts gab es Wiesen, die in der Ferne in Wald übergingen. Links ca. 200 m Weide bis zum nächsten Haus. Es ist ein kleines Grundstück für die Gegend. Nur 1000 m². Baugrundstücke in Dorfrandlage haben üblicherweise 2500 und mehr.
Aber ich schweife ab. Wollte meinen Besuch erwähnen. Familie Maulwurf die mit Vorliebe ihre Gänge unter meinem Rasen anlegen musste. Zählte 5 große und 9 kleinere Haufen. Die wollten erst einmal so platt geharkt und fein verteilt werden, dass der Rasenmäher die Erde nicht in den Fangkorb schaufelte. A sind die darin enthaltenen Kiesel nicht sehr gesund für die Mäher-Messer und B ist es jedes Jahr mindestens eine Schubkarre Erde, die so verschwindet. Habe das Grundstück über 20 Jahre…………
Morgen. Morgen mähe ich bestimmt. Heute muss/will/möchte ich schreiben.
Schreibe mir meinen Frust von der Seele. Hab, bevor ich in Bremen aufbrach, mal wieder im Internet recherchiert. Erneut, warum? Weil ich zwar einen Telefonanschluss aber noch immer kein Internet habe. Nein ich bin nicht zu geizig. Die letzte Anfrage in einem Telekom-Laden ergab eine Ablehnung. „Wir haben leider für ihre Adresse keine Leitung mehr frei.“. „Auch nicht die übliche Zweitausender“ ? Nein leider nicht. „Würden wir die Kapazität auf noch mehr Kunden verteilen wäre noch langsamer, und es würde wenig Sinn ergeben“
Weiß von Nachbarn, dass sie mit einer Maximalgeschwindigkeit von 2000 k zufrieden sein müssen. Der momentane Internetanschluss erfolgt über das uralte Telefon Kupfernetz, welches die Bundespost einmal verlegt hatte. Wer auf dem Land lebt, hat es nicht immer einfach.
Die Bundesregierung verspricht zwar eine Initiative nach der Anderen, aber mit den bereit gestellten Mitteln, werden vorhandene Kapazitäten ausgebaut und nicht etwa extrem unterversorgte Gebiete angeschlossen bzw. erstmals Grund-versorgt.
Wussten Sie schon, hier gibt es intakte Häuser, mit einem Grundstück von 2500 m² deutlich unter 100 000 € zu kaufen. Sehr deutlich! Mit Gaszentralheizung und Kaminofen. Die Alten müssen die Gegend aus Altersgründen verlassen und den Jungen bleibt nichts anderes übrig, als das Objekt an den Mann zu bringen.
Wer nach München wegen der Arbeit umziehen musste, wird sich ungern den Unterhalt eines Wendland Hauses ans Bein binden
Sie selbst würden liebend gern bleiben. Leider gibt es hier nur wenig Arbeit. Für junge Leute viel zu wenige Ausbildungsplätze. Die müssen schon deswegen erst einmal fort. Von der Wohnung aus zu Arbeiten ist wegen der Internetsituation einfach unmöglich.
Sollten Sie nun auf die seltsame Idee gekommen sein, wegen der sehr günstigen Bedingungen die Anschaffung eines Feriendomizils zu erwägen……….
Mein Tipp für Wochenendhaus interessierte:
Als Allererstes sprechen Sie mit ihrem Partner.
Sollte dieser das Projekt ablehnen, veranstalten sie keine großangelegten Überzeugungs-Kampagnen. Bedenken Sie: so ein Haus ist keine Eintagsfliege. Wenn es eine ungeliebte Pflichtübung für den Partner wird, werden Sie sich immer öfter Ausflüchte: warum sie „Dieses Wochenende“ lieber allein fahren sollten, anhören.*
Nach dieses Problem bei uns gelöst war, wir also beide Eins wollten, kam es mit meiner Frau zu folgendem Übereinkommen: wir kaufen ein Haus nur dann, wenn jeder mit sich beschlossen hat: Genau dieses Haus hätte ich gern.* Begründet werden müsse es nicht. Es dauerte ein Jahr, incl. den 6 Wochen Jahresurlaub, bis wir eins fanden. Wir haben diesen Aufwand nie bereuen müssen.

Steuerlich: Die Anschaffung, bzw. der Bau von Wohneigentum wird steuerlich gefördert.
1. Häuser in Ferienhausgebieten zählen nicht darunter.
2. Falls die Förderung noch nicht ausgeschöpft wurde, ist es eine Überlegung wert, den Erwerb beim Finanzamt anzumelden. Vor gut 20 Jahren förderte der Staat unseren Ankauf mit insgesamt 27 000 DM. Knapp 25 % des Kaufpreises.
3. Wenn es steuerlich ein Wohnhaus ist und wenn es nicht in einem Ferienhausgebiet liegt, können Sie sich dort mit einem Zweitwohnsitz anmelden. [Fragen sie im Zweifelsfall beim Ortsamt nach. Vor dem Kauf!]
4. Sind sie dort mit einem Zweitwohnsitz angemeldet,
können Fahrten dorthin steuerlich geltend gemacht werden. Wie ein Solches?
Da ich damals in Hamburg wohnte, überzeugte ich das Finanzamt: Fahre am Freitag von der Arbeitsstelle zum Zweitwohnsitz und am Montag von dort aus zur Arbeit. Die Entfernung von 123 km wurde problemlos und ohne Rückfragen für 43 Wochenenden im Jahr anerkannt. (mehr als 45 erscheinen unglaubwürdig)
5. Nicht zu Unterschätzen und hoffentlich nie nötig: Sie sind auf dieser Fahrt mit etwas Glück, Unfallversichert. Es ist dann ein Arbeitsweg = Arbeitsunfall. Erkundigen sie sich wie die Kriterien für einen Arbeitsunfall in Ihrem speziellen Fall aussehen.
6.




Was Sie keinesfalls tun sollten.
Inserieren Sie Ihre Suchanzeige nicht im örtlichen Wochenblatt. Sie könnten mit diversen Angeboten überschwemmt werden, die noch nicht beim Makler angekommen sind. (Apropos Makler. Hier ist es wegen des Überangebotes üblich: Käufer und Verkäufer teilen sich die Maklercourtage.) Geben sie weder eine Handynummer noch eine Belohnung für einen Hinweis in der Anzeige an und schreiben sie nicht „auch Makler willkommen“. Es könnte den Anbietern zu einfach gemacht werden sie zu erreichen. Gehen sie nicht in die Immobilienabteilungen der Geldinstitute und auch nicht zu verschiedenen Maklern. Ein Verkäufer hat meist einen Exklusivvertrag mit einem Imo-Andenmannbringer und durch soooo viele Angebote wollen Sie sich bestimmt nicht arbeiten. Sie möchten doch nur ein Haus.



Das Motto: Kaufe Nachbars Rind, heirate Nachbars Kind, dann wirst Du nie betrogen, ändert sich nur langsam und vor allem, weil die Nachbarn nicht mehr Landwirte, sondern Ferienhausbesitzer aus der Großstadt und immer weniger die Menschen sind, mit denen man zusammen den Kindergarten besuchte. Die man also in- und auswendig kennt. 1970 zählte man in dem Dorf noch 12 Höfe. 2015 gibt es noch ganze 2.
Es kommt auf die Zugezogenen an, wie die auf die Einheimischen zugehen.
Die Lebensqualität auf dem Lande ist, verglichen mit der in einer
Stadt, um Klassen besser. Auf dem Lande ist z.B. die Lebenshaltung um bis zu 30% günstiger als in der Stadt. Für 200 € Miete plus Nebenkosten kann man eine kleine Wohnung mieten. Der Kubikmeter Wasser kostet im Dorf z.B. 80 Cent plus Steuer. Der Strom für das Pumpen aus dem eigenen Brunnen kostet mehr. Habe es nachgemessen und den Brunnen deshalb seit vielen Jahren nicht mehr benutzt.
Ein Ferienhäuschen bekommt man für 30 € täglich gemietet. Warm. Langzeitvermietungen sind, je nach Verhandlungsgeschick natürlich wesentlich günstiger.
Ob man garantiert schadstofffreies Gemüse anbauen möchte, ist Geschmacksache und obliegt der eigenen Entscheidung. Wenn man auf die Menschen zugeht, sind sie sehr hilfsbereit und geizen nicht mit dem Gartenwissen Ihrer Großeltern.
Die Äpfel, Beeren, Sauerkirschen und Walnüsse, welche auf der Latifundie wachsen, werden wegen der Überproduktion an Nachbarn verschenkt, die nichts anbauen. Seit ich allein bin, habe ich den Gemüsegarten meiner Frau in Rasen verwandelt. Nun als Rentner überlege ich, ob ich nicht wenigstens ein kleines Beet anlege. Denn nun kann ich während der Reifezeit anwesend sein. Pferdemist zum biologischen Düngen bekommt man von den Pferdebesitzern geschenkt. Ein selbst angebauter Kohlrabi oder ein Radieschen schmeckt unvergleichlich. So etwas kann man nicht kaufen. Auch keine Kartoffeln die vor 2 Stunden noch in der Erde waren. Es gibt einen Versender von Saatkartoffeln. Er hat ca. 80 Sorten im Angebot. In allen Farben. Ob ich mich da rantraue?
Eigentlich ist die Zeit ohne Internet eine Erholung. Sie wird vermutlich nicht mehr lange anhalten. Vor kurzem wurde die zentrale Wasserleitung zu einem 5 Kilometer entfernten Nachbardorf erneuert. Bei dem Bau wurde gleich auch ein Leerrohr mit in den Graben gelegt.
Und. Es soll inzwischen auch die LTE Möglichkeit geben, aber mir ist die Internettabwesenheit lieb geworden.
Ok. Bis dahin mähe ich erst einmal den Rasen. Genieße das Arbeiten im Freien. Die Sonne auf der Haut statt Bildschirm vor der Nase.
Raus jetzt. Die Sonne scheint.
Überredet.
Hinterher ein paar frische Pfifferlinge für das Mittagessen sammeln.
Morgen soll es „Arme Leute Frühstück“ geben.
Etwas Brot ist noch im Tiefkühlschrank. Die Bio- Eier, -Speck und selbstgemachte Butter bekomme ich gegen eine Einladung zum Pilzessen von einem Nachbarn. Ob ich dazu eine Flasche Sekt öffne?

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